Florida - Coast to Coast
Es ist schon einige Jahre her, dass ich 14 Tage Golfküste in einem kleinen Nest namens Indian Rocks Beach zwischen Clearwater und St. Petersburg buchte. Ein Abenteuer für den, der wie ich das erste Mal die USA besucht hat.
Reisebericht versenden ·
Merken
Ist dieser Beitrag...?
Toll
(1)
Hilfreich
(1)
Witzig
(0)
Fotos zum Bericht
Der Weg ist das Ziel
Clearwater, Vereinigte Staaten
Über eine kleine Reiseagentur hatte ich für meinen Sohn und mich im Internet einen preisgünstigen Flug und Aufenthalt in einem Motel am Golf von Mexiko gebucht. Flug nach Amsterdam mit KLM, Umsteigen auf Delta, Zwischenstopp für mehrere Stunden in Boston, weil Platzregen die Startbahn unter Wasser setzte. Meinem damals 12jährigem Sohn war das nach zwei üppigen Mahlzeiten an Bord egal. Bei abendlicher Dunkelheit erreichten wir das Flugziel Tampa.
Ein Zubringerfahrzeug brachte uns zum Autovermieter, wo wir unseren reservierten Kleinwagen in Empfang nehmen wollten. Problem Nr. 1: In meinem betagten Führerschein aus dem Jahr 1963 war die mit Tinte eingetragene Registriernummer nicht mehr lesbar. Ich nannte dem Vermieter also eine Phantasiezahl und bat ihn, diese zu wiederholen, als er das Vertragsformular ausfüllte. Gesagt, getan - kundenfreundlich, aber in Deutschland kaum möglich.
Problem Nr. 2: Das erste Mal in meinem Leben ein Auto mit Automatikgetriebe. Zweimal beim Start den Motor abgewürgt. Man bat mich auszusteigen. Nicht etwa wegen meiner Fahrversuche und falscher Führerscheinangaben. Sondern, weil ein Scheinwerfer defekt war. Wir bekamen als Ersatz einen komfortablen, fast fabrikneuen Mittelklassewagen ohne Aufpreis und gute Wünsche für die Fahrt zum Golf. Problem Nr. 3: Wir fanden den Highway zur Küste, suchten dort aber gegen Mitternacht vergeblich nach Straßennamen und Hausnummern. Nun sollte man als USA-Neuling wissen, dass um diese Zeit keine Passanten mehr nach dem Weg gefragt werden können, sondern nur noch Streifenwagen. Einer davon verhalf uns zum Ziel.
Kommentare (0)
Bearbeitet Thu, 07 Jan 2010 16:09:07 GMT
Endlich angekommen
Es war so gegen 01:00 Uhr morgens, als wir am unbeleuchteten Motel den Klingelknopf fanden und zu unserer Überraschung von einer älteren Dame im Morgenmantel überaus herzlich begrüßt wurden. In Deutschland wohl eher die Ausnahme. Sie zeigte uns unsere ebenerdige Wohnlandschaft, den Kühlschrank samt Inhalt, den Parkplatz vor dem Haus, erklärte die Klimaanlage und wünschte uns freundlich eine gute Nacht. Mag sein, dass es der Zeitunterschied zu Deutschland war oder die Neugier, Amerika bei Tageslicht zu erkunden: Jedenfalls war ich am Morgen um 07:00 Uhr auf den Beinen. Zuerst am Strand bei den Pelikanen und nach längerer Wanderung in einem Shop, um meinen Sohn gegen Mittag mit einer Frühstückstüte aus dem Tiefschlaf zu holen.
Kommentare (0)
Bearbeitet Wed, 06 Jan 2010 19:26:01 GMT
Erfahrungen und Erlebnisse
Nichts geht ohne Auto in den USA, außer beim Joggen. Schon gar nicht bei Dunkelheit. Das ist eine weitere Erfahrung, die ein volljähriger Vater mit seinem minderjährigen Sohn am zweiten Abend in Florida gemacht hat: Auf dem Rückweg von einem Restaurant zum Motel an der Küstenstraße wurden wir prompt von einer Polizeistreife angehalten, nach unseren Papieren und dem Grund unserer Fußwanderung gefragt. Kopfschütteln, als ich sagte: "We just arrived in the states for spending holidays and we enjoy it". Die Antwort des Sheriffs klang besorgt: "Be careful at this time".
Am nächsten Tag habe ich nicht nur eine Landmaschinenhandlung entdeckt, die einen Adapter für meinen Rasierapparat vorrätig hatte, sondern auch eine Bar
(urige Kneipe), in der ich mich mit Vietnamveteranen u.a. über Sinn und Unsinn des Krieges unterhielt. Und natürlich mit der weiblichen Bedienung irischer Abstammung über andere Themen. Bar und ein Getränke-Shop waren nur einige hundert Meter von unserem Motel entfernt, so dass der Weg auch ohne polizeiliche Befragung möglich war. Jetzt passiert das Malheur: Mein Sohn wollte im Getränke-Shop, der auch alkoholische Getränke führte, eine Flasche Cola kaufen. Er wurde abgewiesen, was meinen Sohnemann aber nicht daran hinderte, sich eine Cola zu greifen und einen Dollar mit dem Kommentar auf den Tresen zu legen: "Ich komme aus Deutschland, verstehe Sie nicht, bin neu hier. Vielen Dank". Der Verkäufer verstand auch nichts, war aber froh, dass er meinen Sohn los war. Später habe ich dort die Getränke gekauft, um den Ladeninhaber vor einem Lizenzverlust zu bewahren.
Kommentare (0)
Bearbeitet Thu, 07 Jan 2010 16:17:14 GMT
Ausflüge in die Umgebung
Dieses Kapitel kann ich in aller Kürze abhandeln, weil uns unsere Fahrten am Golf bei sommerlichen Lufttemperaturen um 32° C und Wassertemperaturen um 28° C des öfteren nach St. Petersburg und Clearwater geführt haben. In jeder Hinsicht empfehlenswert. Über beide Städte lässt sich bei Interesse per Wikipedia mehr erfahren. Ein Erlebnis in Clearwater ist mir besonders in Erinnerung: Vormittags Schwimmen bei ruhiger See, mittags dunkle Wolken und Blitze über dem Meer, raus aus dem Wasser, Klamotten retten und nichts wie hin zum nächsten Fast-Food-Laden unter's Dach. Wiederholt kamen wir durchnässt, aber nicht fortgeweht, dort an. Zeitungsständer flogen durch die Luft, die Palmen bogen sich fast in die Waagerechte, einmal drehte sich ein Auto auf dem Parkplatz scheppernd um 180 Grad aufs Dach, der Straßenverkehr kam in den Wassermassen zum Erliegen und alle Leute schauten cool zum Himmel. Das war's. Ein kleiner, aber durchaus eindrucksvoller Vorgeschmack auf die Hurrican-Saison ab Ende August (wir waren im Juli dort). Nach gut einer Stunde ging's wieder an den Strand. Als wäre nichts gewesen.
Kommentare (0)
Bearbeitet Wed, 06 Jan 2010 12:21:38 GMT
From West to East
Melbourne, Vereinigte Staaten
Während die meisten Urlauber den Weg vom Atlantik zum Pazifik bevorzugen, um die Vereinigten Staaten bei genügend Zeit und Geld kennen zu lernen, wollte mein Sohn mit mir nach elf Tagen Golfküste unbedingt an den Atlantik. Also in entgegengesetzter Richtung. Begründung: Zu wenig Wellen, um auf dem Brett zu surfen, Meereswasser zu warm, zu wenig amerikanische Mädchen, die Deutsch verstehen und überhaupt...Ich erfüllte ihm den Wunsch, zumal wir unseren Mietwagen in Orlando abzugeben hatten. In Melbourne suchten wir, nach einem Stopp in einem gastronomisch genutzten Pferdestall, ein neues Quartier. Dazu gleich mehr. Im "Pferdestall" wollten Vater und Sohn je eine Cola trinken. Außer uns war nur die Bedienung da. Ich durfte an der Theke sitzen, mein Sohn (weil damals noch nicht 21 Jahre alt) nur an einem Tisch abseits der Theke. Ich setzte mich an seinen Tisch - aus Solidarität und, um die Schankerlaubnis der Inhaber nicht zu gefährden. Strengere Jugendschutzgesetze als bei uns, aber auch Todesstrafe für Jugendliche. Man lernt nicht aus...
Kommentare (0)
Bearbeitet Wed, 06 Jan 2010 13:52:51 GMT
Melbourne - empfehlenswert
Ein Zimmer - zwei Tage vor unserem Abflug - haben wir im Hotel nicht bekommen. Mindestens drei Übernachtungen, hieß es. Also haben Vater und Sohn in der Nähe eines einsamen Toilettenhäuschens am Atlantik den Sonnenuntergang betrachtet. Zu essen und trinken hatten wir in der Papiertüte genügend. Tiefschlaf in der Mitteklasselimousine war nicht möglich, weil uns eine Polizeistreife urplötzlich mittels Handscheinwerfern in die Augen leuchtete und fragte - na was wohl?
Das hatten wir ja schon am ersten Abend am Golf erlebt. Hier fiel mir eine andere Ausrede ein: "That's my sleeping son Wolf. We are the first time travelling through your wonderful Country. On the way to Miami I just became tired and therefore I made a Stopp to get Freshness for the morning". "No Sir, do it otherwhere, but not here", war die kurze, aber bestimmende Antwort.
Also gut, wir verließen unseren Schlafplatz in Richtung Innenstadt. Als ich eine Feuerwache sah, erinnerte ich mich an den Hinweis "Take care" des Sheriffs von der Golfküste und fuhr sogleich auf das Gelände. Keine Minute später kam ein Feuerwehrmann an den Wagen und fragte nach meinem Befinden. Antwort zum auswendig lernen: siehe oben. Er entdeckte meine Zigaretten auf dem Beifahrerssitz (mein Sohn schlief querliegend auf der Rückbank). Wir rauchten gemeinsam und sprachen über Gott und die Welt - ich vor allem über die Gastfreundschaft der US-Bürger. Daraufhin passte er auf unser Auto und dessen Insassen auf, und ich konnte endlich neue Kraft im Schlaf finden.
Kommentare (0)
Bearbeitet Thu, 07 Jan 2010 16:23:52 GMT
Letzte Nacht bei Mickey Mouse
Orlando, Vereinigte Staaten
Wir sind natürlich nicht nach Miami gefahren, sondern dorthin, wo sich Alt und Jung vergnügen: Orlando. Auch hier scheiterte der Versuch, ein Hotel für eine einzige Übernachtung ausfindig zu machen. Da in der restaurierten "Altstadt" von Orlando bis spät in die Nacht einiges an Entertainment geboten wird, stiegen Vater und Sohn erst gegen Morgen in's Auto, das wir in einem Parkhaus abgestellt hatten. An Schlaf war nicht zu denken. Einer streng blickenden, aber im Nachhinein liebenswerten Aufsichtsdame konnte ich jedoch mit einer Dollarnote eine Aufenthaltsgenehmigung abtrotzen. Merke: Übernachtungen unter freiem Himmel , in der Nähe von Toilettenhäusschen am Strand, auf dem Gelände von Feuerwachen und in Parkhäusern sind in Florida streng verboten. Auch kurze Wegstrecken außerhalb geschlossener Ortschaften sind abends unbedingt mit dem Auto zurückzulegen. Nicht aus Sorge um die eigene Sicherheit als Fußgänger, sondern mit Rücksicht auf die besorgten Ordnungskräfte. Positiv: Wir haben überall am Tage Gastfreundschaft und nachts Hilfsbereitschaft - auch von Uniformträgern - erlebt. Auch deshalb habe ich Florida in bester Erinnerung.
Am Morgen gaben wir unseren Mietwagen ab, flogen dieses Mal mit Zwischenstopp in Detroit weiter nach Frankfurt am Main und waren glücklich, ein Stückchen Nordamerika intensiv erlebt und genossen zu haben. Mit Fotos kann ich in diesem Reisebericht nicht dienen, weil ich damals noch mit Rollfilm fotografierte. Sobald ich die Negative finde und erfahre, wie man diese digitalisiert ins Internet bringt, werde ich das nachholen.
Kommentare (0)
Bearbeitet Thu, 07 Jan 2010 16:27:28 GMT