Guadeloupe 2004
Guadeloupe ist die größte Insel der Kleinen Antillen, wird als französisches Departement geführt, hat sich aber seinen ursprünglichen karibischen Charakter bewahrt. Die landschaftliche Schönheit und Freundlichkeit der Bewohner kann jedoch über soziale Spannungen nicht hinwegtäuschen. Während sich die Lebenshaltungskosten über dem Niveau des Mutterlandes bewegen, lebt ein Großteil der Bevölkerung (rd. 90 Prozent Schwarze und Mulatten) aufgrund niedriger Einkommen und hoher Arbeitslosigkeit in Armut.
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Fotos zum Bericht
Anreise mit Hindernissen
8/2004
Den Tip, meinen Sommerurlaub mal auf einer Insel ohne "Touristenrummel" zu verleben, hatte ich von einem französischen Geschäftsfreund bekommen. Dann gehöre Guadeloupe den Einheimischen, sowie mir und meinem mitreisenden Sohn als Besucher. Erst zum Jahreswechsel strömen die Kontinental-Franzosen in ihr karibisches Département, weil die Cote d'Azur dann zu kalt und unwirtlich sei. Also ins Internet geschaut, Hotel gebucht, Mietwagen bestellt. Böse Überraschung beim Ticketkauf: Air France, Linie, sauteuer, mit Umsteigen in Paris. Keine Alternative, kein Billigflieger. Wir stiegen frühmorgens in Frankfurt ein und in Paris Orly aus. Im regen Berufsverkehr erreichte unser Taxi eine gute Stunde später den Aeroport Paris de Gaulle zum moderaten Fahrpreis von rd. 80 Euro. Abgesehen davon, dass im Flughafen niemand meine auf Englisch und Deutsch gestellte Frage nach dem Weg zum Gate beantworten konnte, erreichten wir auf Umwegen den Airbus und mit demselben im Direktflug unser Reiseziel Guadeloupe.
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Bearbeitet Sun, 20 Dec 2009 23:47:43 GMT
Erste Eindrücke nach der Ankunft
8/2004
Der Mietwagen stand fahrbereit neben dem Flughafen Pointe-à-Pitre. Mangels Ortskenntnis und mangelhafter Wegbeschilderung lernten Vater und Sohn auf einer längeren Rundfahrt durch Grand Terre Zuckerrohr- und Bananenplantagen am Straßenrand kennen. In Gestalt einer bewaffneten Polizeistreife, die gerade eine Straßensperre errichtete, kam uns der Zufall zu Hilfe: In fließendem Französisch erläuterte eine charmante Ordnungshüterin den Weg zu unserem Hotel nahe Sainte Rose. Wir brauchten nur die Ostinsel zu verlassen, um über Pointe-á-Pitre (der Name kam uns bekannt vor) die Westinsel Basse Terre zu erreichen. Ich verstand immerhin "retour". So lernten wir schon am ersten Urlaubstag weitere Landschaften vom Auto aus kennen.
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Bearbeitet Sun, 20 Dec 2009 23:49:12 GMT
Hotel "Sucrerie du Comtel" - Oase im Grünen
8/2004
Die Doppelbungalows mit regengeschützter Terrasse sind einfach, aber zweckmäßig eingerichtet, Duschbad, Kühlschrank und Klimaanlage inklusive. Die Häuser stehen weit genug auseinander, so dass man seine Nachbarn bei Bedarf sehen, aber nicht hören kann. Zu hören gibt es trotzdem eine ganze Menge: Das Prasseln plötzlicher, sintflutartiger Regenschauer. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Kühe und Ziegen eines benachbarten Farmhauses erheben sogleich (wieder) ihre Stimmen. Reife Kokosnüsse plumpsen aus luftiger Höhe schwergewichtig auf Rasen und Wege. Unfallgefahr. Mehrmals täglich erscheint ein Hahn mit seinem Harem vor unserer Terrasse, um nach einer Nahrungsergänzung zu schauen. Gleiche Beweggründe scheint ein uns zugelaufener Hund zu haben, einem Golden Retriever nicht unähnlich. Er hat es sich auf der Terrasse gemütlich gemacht und übernachtet dort. Seine Wachdienste sind nicht umsonst. Gern teilt er mit uns die Mahlzeiten. Es dämmert.
Ein Ohren betäubendes schrilles Pfeifen setzt ein, zehntausendfach und ohne Pause. Bis es dunkel wird. Erschreckende Stille, ungewohnt. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass das Pfeifkonzert von Baumfröschen stammt, winzigen Gesellen, kaum größer als ein Teelöffel ohne Griff. Tagsüber verbergen sie sich schweigend in den Baumkronen. Die Fledermäuse, die jetzt eine Dachöffnung des unbewohnten Nachbarbungalows verlassen, machen sich recht gut vor der Lichtscheibe des Vollmondes. Sie pfeifen zwar ebenfalls, aber glücklicherweise für menschliche Ohren unhörbar. Auch die Gekkos an der Hausmauer geben Ruhe, um die Insekten nicht zu erschrecken.
Urlaub, Entspannen, Genießen - herrlich. Nur das Rattern des Ventilators im Kühlgebläse dringt durch die geschlossene Eingangstür an unser Ohr. Heute jedenfalls. Morgen Abend um die gleiche Zeit wird bei einem kurzen Unwetter der Blitz in die Versorgungsleitung der Hotelanlage einschlagen und auch den
Ventilator zum Schweigen bringen. Zwei Tage lang bei tropischen Temperaturen, bis der Schaden behoben ist. Aber das wissen wir ja jetzt noch nicht...
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Bearbeitet Sun, 20 Dec 2009 23:50:08 GMT
Flora und Fauna auf Guadeloupe
8/2004
Dieses Kapitel lässt sich schnell abhandeln. Aus zwei Gründen: Erstens, weil ich im vorangegangen Kapitel schon einen Großteil der heimischen Tierwelt und deren Verhaltensweisen beschrieben habe. Anreichern ließe sich die Aufzählung durch den Besuch einer Schlange im nach zwei Seiten offenen Restaurant hinter dem Tresen. Der Schrei der Serviererin hat uns er- und das Reptil verschreckt. Es ward während unseres Urlaubs nimmer gesehen. Dafür beehrten uns jeden Morgen um die gleiche Zeit Kolibris auf der Suche nach Nektar in den vielen blühenden Büschen der Garten- und Parkanlage. Zauberhafte Akrobatik der schwirrenden Winzlinge. Der zweite Grund, dieses Kapitel abzuschließen, ist das ergänzende WiKi-Informationsangebot im Internet. Was die Flora betrifft, habe ich bisher nur die Kokospalmen erwähnt. Ein Grund mehr für den wissbegierigen Leser, sich an anderer Stelle schlau zu machen.
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Bearbeitet Sun, 20 Dec 2009 23:51:36 GMT
Essen und Trinken auf der Insel
8/2004
Cuisine francaise oder einfach und gut kreolisch? Hier ergänzen sich die Küche des Mutterlandes und des überseeischen Départements auf beispielhafte Weise. Je nach Geschmack und Urlaubskasse. Mein Sohn und ich haben am Esstisch - und sei er noch so wackelig - glücklicherweise eines gemeinsam: Appetit auf alles, was aus dem Meer kommt. Wir wurden schnell an fernen Strandabschnitten und nahen Hafenmauern fündig. Gegrillten Fisch ("plate de jour") und Krustentiere bis zum Abwinken. Dazu gut gekühltes Bier oder Fruchtsäfte. Als Aperitif und Abschluss einen braunen Jahrgangs-Rum vom feinsten. Während der gewöhnliche weiße Rum im Supermarkt (für europäische Verhältnisse) spottbillig angeboten wird, kostet ein guter brauner Rum ein Mehrfaches. Etwa soviel wie ein erlesener Cognac. So sollte man ihn auch mit Hingabe genießen - handwarm im Schwenker.
Nachdem ich erfahren hatte, dass der auf Guadeloupe hergestellte Zaubertrank nicht nach Europa exportiert werden darf, nahm ich zwei Flaschen mit nach Hause. Als Freunde und Bekannte in der Heimat davon erfuhren, verdunstete der Inhalt in kürzester Zeit. Zurück zur Insel: Geflügel, auf kreolisch scharf gewürzt, sorgte für willkommene Abwechslung. Nur die Süßkartoffeln und Kochbananen als Gemüsebeilage waren gewöhnungsbedüftig. Schnell kehrten wir dann wieder zu gegrillten Langusten aus frischem Fang zurück. Wir aßen am liebsten dort, wo uns die Köchin selbst bediente und uns ihre Kinder zuschauten - in einfachen, preiswerten Lokalen mit Familienanschluss.
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Bearbeitet Sun, 20 Dec 2009 23:53:12 GMT
Frankreich - so weit entfernt und doch so nah.
Department of Guadeloupe,
8/2004
Welten trennen Frankreich und die Insel Guadeloupe in geografischer, klimatischer, kultureller, geschichtlicher und ethnologischer Hinsicht voneinander. Und doch spürt man auf unangenehme Weise die Nähe des Départements zum Mutterland. Denn die Währungseinheit ist hier wie dort der Euro. Die Lebenshaltungskosten auf der Insel haben sich denen des Festlandes mehr als angepasst, während Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung auf niedrigem Niveau verharren. Ohne ständige finanzielle Hilfe aus dem Mutterland wäre, so hört und liest man, Guadeloupe wirtschaftlich nicht lebensfähig. Versteckt im Hinterland und an den Küstenabschnitten entdeckt der aufmerksame Besucher Behausungen, die nicht einmal diesen Namen verdienen: Es sind Blech- und Holzverschläge mit Stroh oder Pappe auf dem Dach. Da wundert es kaum, dass Anfang 2009 (also fünf Jahre nach meiner Reise) Wut und Verzweiflung bei den Ärmsten der Armen zu einem Generalstreik mit Gewaltanwendung geführt haben. Die französische Regierung hat die gefährliche Situation zum Glück relativ schnell erkannt und finanziell für Beruhigung gesorgt.
Abschließend möchte ich auch an dieser Stelle meinem französischen Geschäftsfreund dafür danken, dass er mir und meinem Sohn einen weitgehend "touristenfreien" Sommerurlaub auf Guadeloupe vorausgesagte. Er hat recht behalten. Auf unseren zahlreichen Erkundungsfahrten und Wanderungen quer durch wundervolle Landschaften sind wir nur wenigen hellhäutigen Zeitgenossen begegnet. Es waren ausschließlich französische Inselbewohner.
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Bearbeitet Thu, 07 Jan 2010 09:40:01 GMT