Zitadelle, Moscheen und vieles andere mehr
Dies ist meine zweite Reise nach Ägypten. Ich habe das Glück, dass meine Schwester hier lebt, und ich damit nicht nur eine Unterkunft, sondern auch eine exzellente Reiseführerin habe. Die Wohnung liegt etwas außerhalb vom Zentrum in einem Hof mit sehr schönen traditionell anmutenden Häusern.
Sogar auf dem Dach gibt es verzierte Kuppeln.
Der Blick vom Dach ist malerisch.
Unter den runden Kuppeln auf Straßenhöhe wohnt das Federvieh der Besitzer.
Bei all den kunsthandwerklichen Arbeiten, die es überall auf den Suqs (Märkten) gibt, macht es Spaß seine Wohnung geschmackvoll einzurichten.
Einige Sehenswürdigkeiten, für die beim letzten Mal keine Zeit war, stehen auf meiner Liste. Meine Schwester muss arbeiten und so mieten wir für mich ein Taxi, das mich den halben Tag für ungefähr 25 Euro herumfährt. Zuerst geht’s zur Zitadelle.
Der Bau wurde 1176 vom Sultan Saladin begonnen und ist eine riesige Anlage. Später wurde die Zitadelle der Hauptsitz von Mohamed Ali, einem aus Albanien stammenden Militär, der sich während der osmanischen Herrschaft bei Machtkämpfen um Ägypten behauptet hatte und von den Osmanen als Vizekönig eingesetzt wurde. In seinem Bestreben um Ägyptens Unabhängigkeit ließ er 1811 480 Mameluken ermorden, nachdem er sie zuerst zu einem Gastmal eingeladen hatte. Mameluken waren türkische Miltärsklaven, die im Laufe der Zeit zu Macht gelangt waren und zeitweise Ägypten beherrschten. Er modernisierte die Verwaltung und die Landwirtschaft.
Die berühmte Mohamed Ali Moschee brauchte 60 Jahre bis zur Fertigstellung 1884. Mohamed Ali hat das leider nicht mehr erlebt.
Beim Betreten der Moschee muss man natürlich seine Schuhe ausziehen und Frauen sollten ihre Schultern bedeckt haben, Kopftuch braucht frau zur Besichtigung nicht.
Die Innenwände der Moschee sind prächtig mit Alabaster verziert, deshalb heißt sie auch Alabastermoschee.
Viele Besucher sind unterwegs, um sich dieses Prachtwerk anzusehen. Die Gläubigen lassen sich davon beim Beten nicht stören.
Zur Innenausstattung gehört auch eine reich verzierte Kanzel.
Auf dem Hof vor der Moschee steht ein Brunnen, in dem die Gläubigen sich zum Gebet reinigten.
Und dann ist da noch dieser Uhrenturm, der so gar nicht ins Bild passt. König Louis Philipp von Frankreich wollte unbedingt einen der beiden Obelisken aus Luxor haben und versprach Mohamed Ali dafür einen Uhrenturm. Der Obelisk steht seitdem auf dem Place de la Concorde, die Uhr im Turm hat allerdings nie funktioniert (o la la Frankreisch, Frankreisch).
Ein Blick durch die Fenster auf Kairo lohnt sich.
Auf dem Gelände steht auch die El Nasir Moschee. Sie wurde im 14.Jh. unter den Mameluken erbaut und war lange Zeit die Hauptmoschee der Zitadelle.
Bemerkenswert ist die grüne Kuppel die mit Fayencen belegt ist.
Die Suleyman Pascha Moschee liegt nah an der Mauer der Zitadelle. Sie stammt aus dem 16. Jh.
Besonders schön sind die Intarsien an Wänden und in der Kuppel.
Ich spaziere auf dem Gelände herum, das Militärmuseum interessiert mich nicht besonders, aber auf die Mauern steig ich gern und genieße den Blick über das Gelände.
Einer der zahlreichen überall präsenten Aufpasser will mich rumführen auf Wegen, die sonst für Touristen nicht zugänglich sind. Natürlich gegen ein Bakschisch. Na, da bin ich gespannt. Wir klettern an der Festungsmauer entlang, gelangen über abgebröckelte Stufen in Türme. Aus den Schießscharten erhasche ich Ausblicke auf die Zitadelle…
…und auf Kairo. Der Aufpasser hat sein Bakschisch verdient.
Pünktlich wie verabredet holt mich mein Taxifahrer wieder ab und auf geht’s zur Sultan Hassan Moschee und der gleich daneben liegenden Rifai Moschee.
Am Eingang zu den beiden nebeneinander liegenden Moscheen kaufe ich eine Eintrittskarte.
Die Sultan Hassan Moschee ist ein imposantes Bauwerk aus dem 14.Jh. Ich bin bei allen Moscheen besonders beeindruckt von der Größe und der Weite dieser mittelalterlichen Gebäude. Der Innenhof wird von überdachten Hallen umgeben, in der Mitte steht der Reinigungsbrunnen.
Zum Komplex gehörten mehrere Schulen, in denen der Islam, Astronomie und Medizin gelehrt wurde. Glück hat der Sultan Hassan mit dem Bauwerk nicht gehabt, zuerst stürzte beim Bau das Minarett ein, dann wurde er ermordet und sein zum Komplex gehörendes Mausoleum hat er scheinbar nie bezogen, denn das Grab ist leer.
Die Rifai Moschee liegt gleich gegenüber, aber ich muss eine neue Eintrittskarte kaufen. Als ich meine Schuhe wie gehabt neben die Tür stellen will, nimmt ein Wächter sie mir weg und stellt sie in ein Regal, auch gut.
Diese Moschee ist neueren Datums Sie wurde 1912 erbaut und ist besonders reichhaltig ausgestattet. Hier liegen Mitglieder der ägyptischen Königsfamile bis hin zu Faruk, dem letzten ägyptische König begraben.
Ein Wächter schließt mir eine Tür zum Königsgrabmal auf und will dafür Bakschisch haben, aber ich habe Eintritt bezahlt und denke, dass Tür aufschließen inbegriffen ist.
Als ich am Ausgang meine Schuhe wieder haben möchte, soll ich für den Regalplatz auch noch bezahlen, obwohl ich ihn gar nicht wollte. Das find ich dann aber doch unverschämt und beschließe, dass auch das im Eintrittspreis inbegriffen ist.
Nun bringt mich der Taxifahrer noch in die Ibn Tulun Moschee, die älteste Moschee in Kairo. Sie stammt aus dem 9. Jh. Wie bei vielen anderen Sehenswürdigkeiten wird am Eingang die Handtasche mit einem Röntgengerät wie am Flughafen auf ihren Inhalt geprüft. Hier muss ich meine Schuhe nicht ausziehen, sondern muss in unförmige Überschuhe steigen. Meine Füße schmerzen, langsam werde ich pflastermüde. Mit letzter Kraft schleppe ich mich durch den weiträumigen Arkadengang. Auf das Minarett mit der Außentreppe schaffe ich es nicht mehr, aber ich hatte ja schon schöne Ausblicke.
Das war ein ausgesprochener Moscheentag. Später an einem Donnerstag hab ich mir auch noch die Al Azhar Moschee angesehen. Es war gerade Gottesdienst und ich betrat, diesmal mit Kopfbedeckung durch den Eingang für Frauen die Moschee, aber es war mir zu voll, deshalb blieb ich nicht lange. Zur Moschee gehört eine Universität, die in der islamischen Welt besonderes Ansehen genießt und für muslimische StudentInnen aus aller Welt offen ist, Frauen und Männer werden getrennt unterrichtet. Trotz Internet und Öffnung nach außen vertritt die Universität eine sehr konservativen Richtung.
Am nächsten Tag möchte meine Schwester mir unbedingt ein Brunnenhaus in der Altstadt zeigen. Sie kennt den Parkwächter, der ihr für ein Bakschisch immer einen Platz in der übervollen Altstadt findet und sie kennt den Wächter des Brunnenhauses, der uns einlässt, obwohl das Sabil Muhamed Ali Pascha nicht immer für Touristen geöffnet ist. Das Gebäude wurde 1820 als öffentliches Brunnenhaus errichtet, eine Madrasa (Schule) war angegliedert. Wir steigen auf einer schmalen Stiege in die Zisterne hinunter und finden uns in einem Raum mit einer unglaublichen Akustik wieder. Da lassen es sich die Musiklehrerin und die ehemalige Kantorin nicht nehmen, „Amazing Grace“ zweistimmig zu singen. Der Wächter hört von oben zu und freut sich.
Nun möchte ich noch die koptischen Felsenkirchen auf dem Mokattamhügel besichtigen. Der Evangelist Marcus gründete im 1.Jh. die koptische Kirche in Ägypten. Heute sind die Kopten eine Minderheit, die gelegentlich den Druck der islamischen Mehrheitsbevölkerung zu spüren bekommen. So zum Beispiel, als kürzlich aus Angst vor der Schweinegrippe auf Regierungserlass die Schweine der Kopten geschlachtet wurden, obwohl es bis dahin in Ägypten keinen Fall von Schweinegrippe gab.
Die Zabalin, die in diesem Viertel leben, sind Kopten. Sie kamen vom Land, und da sie keine andere Arbeit fanden, sortieren sie Kairos Abfall. Der liegt überall im herum und stinkt zum Himmel. Kinder spielen mittendrin. Alles sieht aus wie eine riesige Müllhalde und ich frage mich, wie Menschen in all diesem Schmutz und Gestank unter katastrophalen hygienischen Bedingungen überleben. Hier lauern ganz andere Gefahren für die Gesundheit als Schweinegrippe. Mit geschlossenenFenstern fahren wir durch das Viertel.
Heute ist koptisches Ostern und in der Kirche ist Gottesdienst. Hier ist alles sauber und der Unterschied zum Slum frappierend. An den Felswänden sind in schönen farbenfrohen Malereien Szenen aus der Bibel dargestellt.
Dies ist nur der Eingang zur Kirche.
Die eigentliche Kirche verbirgt sich unter einem großen Felsvorsprung.
Natürlich muss ich auch ein paar Souvenirs einkaufen. Dazu gehen wir auf den berühmten Khan el Khalili Bazar. Dort gibt es Schmuck, Kunsthandwerk, Kalabeas (traditionelles Kleidungsstück) in allen Farben kunstvoll bestickt und vieles mehr. Meine Schwester kennt diejunge Frau und wir können in Ruhe aussuchen, ohne wie sonst üblich, bedrängt zu werden.
Ansonsten sind die Händler etwas nervig, weil sie die vermeintlichen Touristen in ihren Shop locken wollen und einem ziemlich auf den Pelz rücken, anfassen dürfen sie fremde Frauen nicht, da kann frau einen Riesenskandal machen. Meine Schwester antwortet auf Arabisch, und damit sind wir keine unwissenden Touristen mehr, das äußert sich auch in den Preisen. Auf jeden Fall ist dieser Bazar eine Augenweide.
Nach soviel Moscheen und Kirchen ist ein Kontrastprogramm angesagt. Wir haben ein luxuriöses Abendessen mit Bauchtanzvorführung und Minikreuzfahrt im Nile Maxim gebucht. Das Nile Maxim ist ein vornehm ausgestattetes schwimmendes Restaurant.
Nur leider ist es auf Deutsch gesagt saukalt. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und wir frieren in unseren sommerlichen Abendkleidern. Das beeinträchtigt unsere Ausgehlaune etwas, aber das Büfett ist köstlich.
Und dann beginnt auch schon die Show, zuerst ein tanzendes Derwisch, dann die Prinzessin aus 1001 Nacht als Nixe aus dem Nil.
Sie tanzt sehr gut, und ich freue mich, dass wir diesmal mehr Glück haben, als bei der schlechten Vorführung vor drei Jahren im Hilton. Am Ende erfahren wir, dass die Tänzerin keine Ägypterin ist, sondern Argentinierin. Tja, so ist das mit der Globalisierung. 
Bearbeitet Tue, 26 May 2009 18:47:19 GMT



































