Japanreise 2008
Reisetagebuch meiner Reise von Narita nach Ôsaka
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1. Tag der Reise:
Narita, Japan,
4/2008
Da ich am ersten Tag unter der Zeitumstellung und dem Kulturschock gelitten hatte und daher nicht die Motivation finden konnte um zu schreiben, hole ich das jetzt nach.
Waehrend dem Landeanflug auf den Flughafen Narita war mir uebel, ich glaube, dass das an den geduensteten Wuerstchen lag, die es zum Fruehstueck gab. Ich ueberstand aber alles ohne Probleme.
Nachdem ich von Bord gegangen war musste ich mich gar nicht gross orientieren, ich folgte einfach der Menge. Doch dann sah ich eine Kulisse, die ich unbedingt fotografieren musste.
Dann trottete ich weiter. Mit einer Bahn ging es in ein anderes Terminal. Dort mussten wir erst mal die "Alien identification procedure" ueber uns ergehen lassen. Es musste ein Fragebogen ausgefuellt und die Ausweise vorgelegt werden. Da ich zuvor das Foto geschossen hatte, war ich nun jedoch der letzte in der Reihe, toll...
Nach der Passkontrolle kam ich zur Zollkontrolle, wo ich jedoch nur meinen gelben Zettel abgeben musste, den ich zuvor im Flugzeug ausgefuellt hatte.
Am Gepaeckband angekommen sah ich sofort meinen Packsack und musste jetzt nur noch mein Fahrrad finden. ca.3 Meter neben mir fand ich es dann, von einen Flughafenangestellten bewacht. Ich schnappte mir das Fahrrad, wechselte noch schnell meine Euros in Yen und ging dann zum Zug. Um 11.04 Uhr sollte mein Zug kommen und um Punkt 11/04 Uhr kam er auch! Sehr ungewohnt, ein puenkliches Oeffentliches Verkehrsmittel..!
Am Bahnhof Narita angekommen, wuchtete ich mein Fahrrad zum Ausgang, wo ich dann bemerkte, dass ich nichts hatte, um die Kabelbinder, welche meinen Packsack verschlossen hielten, zu oeffnen. Ich hatte die Wahl: Entweder mit dem Packsack in der einen Hand und dem Fahrrad in der anderen bis zur Pension laufen, die Kabelbinder durchkauen, oder mir irgendwo eine Schere organisieren. Letzteres tat ich dann. Kurz gefragt und schon hatte ich eine Schere!
Nun bestueckte ich mein Fahrrad und los ging es, jedoch in die falsche Richtung, wie ich eine halbe Stunde spaeter dann bemerkte... Also alles wieder zurueck und in die andere Richtung... Nach ca. 1 1/2 Stunden kam ich dann im Ryokan an. Endlich! Dort bekam ich mein Zimmer gezeigt und konnte endlich das lang ersehnte Bad nehmen und entspannen.
Ich erledigte noch einige Einkaeufe und um 20 Uhr schliesslich ging ich dann schlafen. Um 5 Uhr morgens Ortszeit wachte ich auf und ging erst mal telefonieren. Dann habe ich jetzt noch einige Zeit lang japanische Nachrichten geschaut, wo ich erfuhr, dass das Wetter in den naechsten 2 Tagen sonnig sein soll. Na dann kann ja eigentlich nichts mehr passieren...
Ja mata (tschuess, bis bald)
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 19:52:33 GMT
2. Tag der Reise
Mobara, Japan,
4/2008
Auf dem weg nach Mobara ereignete sich nichts Besonderes. Die Autofahrer die mich ueberholten hatten alle einen Sicherheitsabstand von mind. 1 Meter, die Beschilderung war gut und ueberall gab es Supermaekrkte mit essen und Automaten mit trinken.
In Mobara hatte ich dann die Wahl: Entweder weiter auf der Landstrasse entlang oder jetzt geich einen Schlafplatz suchen. Da es erst kurz nach 3 war fuhr ich weiter. Ich fuhr ueber eine Nebenstrasse nach Otaki. Diese Strasse fuehrte mich durch die dickste Pampa, ich haette nie gedacht, so etwas in Japan zu finden. Ich fuhr und fuhr und fand kein Otaki langsam fing es an zu daemmern. Kurz bevor es stockfinster wurde, hielt ich an einer kleinen Autowerkstatt. Dort unterhielten sich gerade zwei Maenner. Ich fragte sie, ob sie ein „Ryokan" oder „Minshiku" in der Naehe kennen würden. Sie schauten mich nur verwundert an und meinten, dass es so etwas hier nicht gaebe, da es hier auch keine Touristen gibt... Aber in der naehe gab es einen Campingplatz. „Gott sei Dank!" dachte ich mir. Doch dann sagte der andere Mann, dass er glaubt, dass der Campingplatz geschlossen hat... Toll, was nun? Ich schaute mich um und sah, dass im Garten des Hauses, vor dem wir standen, ein Fleck Rasen war, der groß genug fuer mein Zelt waere. Also galt es, den Mann dazu zu bringen, mir seinen Garten anzubieten. Nach einigen belanglosen Gerede, mehr mit Haenden und Fuessen als mit Worten, stellte ich die Frage. Der Mann schaute sehr verwundert und fragte, ob er das richtig verstanden haette. Ich bejahte seine Frage. Nach kurzer Bedenkzeit meinte er, dass es okay sei, er müsse nur noch seine Hunde wegsperren. Dann bat er mich nach hinten. Im Hinterhof seiner Werkstatt erstreckte sich ein geflutetes Reisfeld, neben dem eine ziemlich angenehm große Stelle Rasen war. Ich baute sogleich mein Zelt auf, unter den interessierten Blicken meines Gastgebers. Ein letztes Mal fragte er mich ob alles okay sei und ob ich nicht lieber in seinen Haus uebernachten wolle. Ich antwortete: „II des(u)." (Alles ist gut). Daraufhin verschwand er und ich kroch in mein Zelt und legte mich schlafen, zu meiner eigenen Verwunderung schon um 20 Uhr!
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Bearbeitet Thu, 31 Jul 2008 23:19:44 GMT
Tag 3:
Hota, Japan,
4/2008
Am naechsten Tag wachte ich um ca 5 Uhr auf und packte mein Zeug, denn ich hatte einen langen Weg vor mir, wie ich aber erst spaeter erkannte... An diesen Tag wollte ich von Mobara über Otaki nach Hota, wo meine Faehre nach Yokosuka ablegte. Die Strecke war ca. 40 bis 50 Kilometer lang und sollte eigentlich kein Problem darstellen, eigentlich...
Doch ich vergass, dass ich schwer beladen war und es durch ein Mittelgebierge ging. Die ersten paar Anstiege waren kein Problem, doch irgendwann begannen dann meine Beine zu streiken! Ich musste schieben. Von der Furcht getrieben, es nicht nach Hota zu schaffen und irgendwo in der Pampa verloren zu gehen, hetzte ich mich und vergass zu essen. Ich bekam einen Hungerast. In diesen Zustand konnte ich mich nicht mehr richtig konzentrieren und verfuhr mich. Da es mir einfacher erschien einfach weiter geradeaus zu fahren, als alles wieder zurueck und dann wieder durch die Berge, machte ich einen Umweg von ca.20km. Nachdem ich dann absolut keine Kraft mehr hatte und nur noch im Schneckentempo dahin kroch, machte ich eine Zwangspause. In dieser erkannte ich das Problem. Ich legte insgesamt 3 Pausen ein, in denen ich Bananen ass, viel trank und mich hinlegte.
Ab Futtsu war dann alles wieder in Ordnung und der Weg nach Hota war machbar, jedoch hatte ich riesigen Hunger! In Hota angekommen nahm ich darum erst einmal eine riesige Portion Nudelsuppe zu mir. Das Werbeschild fuer die Suppe versprach, dass sie die Gesundheit foerdert und Kraft gibt, perfekt zu diesem Zeitpunkt! Danach musste ich eine Unterkunft finden, also fragte ich die Bedienung. Die nette Dame drueckte mir einen Flyer in die Hand, auf dem der Standort eines Ryokan mit Onsen angegeben war. „So ein Bad waere jetzt genau das richtige", sagte ich mir und begab mich zum Ryokan. Dort angekommen fragte ich an der Rezeption nach, ob noch ein Zimmer frei sei. Dies war der Fall und so fragte ich noch nach dem Preis. Die Frau krickelte etwas auf einen Zettel und reichte ihn mir. Als ich ihn mir anschaute stand dort 76975, das waeren ungefaehr 700 Euro gewesen. Ich fragte, ob ich einen Taschenrechner haben koenne, sie gab mir einen. Ich tippte ihre Zahl ein und fragte „Yen?!". Sie erschrak und meinte „Iie, iie!" (Nein, nein!) und kritzelte wieder auf dem Zettel. Das was ich fuer eine 7 gehalten hatte, war in Wirklichkeit eine durchgestrichene 1. Der richtige Preis war 6975 Yen und dieser war akzeptabel. Also buchte ich das Zimmer, setzte mich dort erst mal, trank einen Tee und entspannte. Dann nahm ich mir ein Handtuch und ging zum baden zur heissen Quelle(Onsen). Dort war ich der einzige und konnte die Ruhe wunderbar geniessen! Danach ging es ins Bett. So gut wie in dieser Nacht hatte ich lange nicht mehr geschlafen!
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Bearbeitet Sat, 02 Aug 2008 22:40:55 GMT
Tag 4:
Kamakura, Japan,
4/2008
Am naechsten morgen wachte ich dann um 9 Uhr durch das Klingeln meines Weckers auf, fuer meine Verhaeltnisse viel zu frueh, aber das Fruehstueck (natuerlich japanischer, nicht europaeischer Stil) wollte ich auf keinen Fall verpassen. Ich schluepfte in meine viel zu kleinen Schlappen und zog meinen luftigen Yukata (leichter Bademantel) ueber und schlurfte in den Speisesaal. Dort wurde ich persoenlich begruesst und bekam sofort mein Essen serviert: Eine Schale Reis, Miso-Suppe, gebratenen Fisch, sauer eingelegtes Gemuese und Omelette. Gut gestaerkt wuchtete ich dann meine Ausruestung aufs Fahrrad und fuhr locker entspannt los. Nach der gestrigen Tortur wollte ich es heute etwas lockerer angehen lassen. Die erste Etappe fuehrte mich in den Hafen. Dort rollte ich locker ein und schaute mich um. Ein Hafenmitarbeiter kam auf mich zu und fragte, ob ich mit der Faehre fahren wolle. Ich sagte ja. Dann wurde er hecktisch und sagte etwas, was er aber viel zu schnell aussprach, als dass ich es haette verstehen koennen... Dann zeigte er mir vier Finger und da verstand ich: In 4 Minuten legt die Faehre ab. Ich legte mein Rad zur Seite und rannte in den Verkaufsraum fuer die Tickets. Mit dem Ticket in der Hand und meinem Rad zwischen den Beinen schaffte ich es gerade noch so an Bord der Faehre zu kommen. Die Fahre hatte exakt abgelegt, auf die Minute genau. An Deck warf ich dann noch einen letzten Blick auf die Berge von Chiba, die mich am Vortag so gequaelt hatten und freute mich auf meine Weiterreise.
Am anderen Ufer legte die Faehre in Yokosuka an. Dort ging ich von Bord und beschloss, heute nur noch bis nach Kamakura zu radeln. Die Fahrt war sehr angenehm, jedoch hatte ich Anfangs einige Probleme auf die Strasse zu kommen, die mich dann nach Kamakura fuehren sollte, Haefen sind so unuebersichtlich! Auf der richtigen Strasse angekommen, stoerte nur der rege Verkehr, ansonsten war alles locker zu bewaeltigen. Bis ich dann in Kamakura war. Dort galt es nun, mit einer duerftigen Wegskizze die Jugendherberge zu finden. Nachdem ich eine halbe Stunde gesucht hatte und noch nicht mal ansatzweise etwas gefunden hatte, fragte ich einen Mann, der gerade mit seiner Frau und seinen Kindern unterwegs war. Dieser machte den Eindruck, als wenn er den Weg kennen wurde und meinte ich solle ihn folgen. Er lief mit mir Kreuz und quer durch die Gegend und fragte schliesslich einen weiteren Mann nach dem Weg. Dieser kannte den Weg dann aber wirklich. Ich bedankte mich ueberschwaenglich bei dem Mann und ging zur Jugendherberge. Dort hatten sie noch ein Bett frei, das ich sofort beschlagnahmte, einchecken war aber erst ab 4 Uhr moeglich... Also ging ich in die Innenstadt und schaute mich dort um. Dummerweise war an diesem Tag Samstag und alles war total ueberfuellt, da Kamakura ein sehr beliebter Ort bei jap. Touristen ist.
Also beschloss ich, mir nur eine Sehenswuerdigkeit anzuschauen, den Daibutsu, den „Großen Buddha".
Der Tempel war sehr schoen an einen Berghang gelegen und von Kirschbaeumen eingefasst.
In der Mitte eines leeren Hofes stand dann eine 7Meter hohe Bronze-(oder Kupfer-) Statue. Diese war sehr fein gearbeitet und sah einfach toll aus! Ich schlenderte noch ein wenig durch die Gaerten und begab mich dann in Richtung Supermarkt. Dort kaufte ich etwas zu Essen und setzte mich damit an den Strand. Ich hatte gerade zwei Bissen von meinen Sandwich genommen, da hoerte ich einen „Schlag" und mein gesamtes Essen war voller Sand! Ich schaute in die Luft und sah einen Adler, der ueber mir kreiste. Dieser hatte versucht mir mein Essen zu klauen. Ich schnappte mir mein Essen und verschlang es dann, vor Adlern geschuetzt in einen kleinen Tempelgarten. Knirschte ein wenig, aber ansonsten sehr lecker!
Nun konnte ich dann auch mein Zimmer beziehen und setzte mich danach an den PC um diesen Text zu schreiben. Jetzt werde ich noch ein schoenes jap. Bad nehmen und dann schlafen.
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Bearbeitet Sat, 02 Aug 2008 22:50:07 GMT
Tag 5:
Moto-hakone, Japan,
4/2008
Am heutigen Tag wollte ich eigentlich nur von Kamakura nach Odawara fahren. Zuvor gab es jedoch ein echt tolles, wenn auch europaeisches Fruehstueck. Toast, den wir sogar selber mit Rand toasten konnten, in Japan eine Besonderheit! Normalerweise wird die Kruste naemlich immer entfernt. Dazu gab es zudem noch Marmelade, in Japan schon fast ein Luxusgut! Gut gestaerkt packte ich dann meine Sachen und machte mich Reisefertig. Bevor ich jedoch los konnte, bestand einer meiner beiden jap. Zimmerkameraden darauf, dass ich ein paar Postkarten und einen jap. „Glücksbringer", eine Manga-Aktionfigur, annehme, als Gegenleistung fuer die Postkarte von Frankfurt, die ich ihn am Vortag geschenkt hatte. Zudem wollte er unbedingt ein Foto mit mir schiessen. Nachdem das erledigt war, bedankte er sich mehrmals, ich tat es ihm gleich und er verschwand in Richtung Bahnhof. Nun machte ich mein Rad startklar und fuhr in Richtung Odawara los. Die Strecke fuehrte die gesamte Zeit an der Kueste entlang und war wunderbar zu fahren.
Nach einem Bruchteil der Zeit, die ich fuer diesen Tag eingeplant hatte, erreichte ich Odawara und da der Tag noch jung war, beschloss ich, noch heute den Hakone-yama (Berg Hakone) zu „erklimmen". Zuvor machte ich jedoch eine ausgedehnte Mittagspause an einem kleinen Fluss und tankte Fluessigkeit, Nahrungsreserven und Energie fuer den Weg, den ich mir nicht sehr einfach vorstellte... Das erste Stueck fuehrte mich durch ein Tal zur Stadt Hakone. Leicht ansteigend aber angenehm zu fahren. Aber ab da wurde es dann moerderisch! Der erste Anstieg war gerade noch so zu bewaeltigen, nur blöd, dass es danach bis zum Kraterrand so weiterging...
Also wechselte ich laufend zwischen fahren und schieben. Wer sein Rad liebt, der schiebt!
Nach einer Ewigkeit, auf der ich mir nicht einmal sicher war, ob ich auf der richtigen Strasse bin, erreichte ich dann endlich den Fuss des Hakone-yama. Jetzt ging die Schinderei erst richtig los! Die Strasse war dermassen steil, dass ich nicht in der Lage war auch nur kurz zu fahren, alles musste ich schieben. Zu allem Ueberfluss loeste sich auch noch eine Kappe in meinem Stiefel, die bei jedem Schritt mit dem linken Bein an meiner Ferse scheuerte. Nach kurzer Zeit bildete sich dort eine Blase, die bis zum Ziel noch erheblich wuchs. Auf dem Weg musste ich mich zwar ziemlich quaelen, aber dennoch war ich gluecklich, da ich Herausforderungen dieser Art liebe und sie mit ein Grund fuer meine Reise waren. Es war ja nur anstrengend, ansonsten war ich ja gesund und satt. Gegen 17Uhr erreichte ich dann den Kraterrand (der Hakone-yama ist ein Vulkan) und liess mich in seinen Krater rollen, sehr angenehm! Nun galt es die Jugendherberge zu finden. Ich fragte einen Angestellten eines oertlichen Bootverleihs nach dem Weg dorthin. Er deutete auf ein pinkes Haus. Also ging ich dort hin. Im Haus fragte ich dann an der Rezeption, ob dies die Jugendherberge sei. Der Mann hinter dem Tresen fragte „Warum?!". Ich meinte, wenn dies die Herberge sei, haette ich gerne ein Zimmer. Daraufhin meinte er, dass eine Uebernachtung 6500Yen (ca.50Euro) kosten wuerde, natuerlich ohne Fruehstueck. Ich wusste, dass dies keine Jugendherbergskonditionen sein konnten und meinte, dass das zu teuer sei und ging. Nun fragte ich mich weiter durch die Stadt, bis ich endlich erfuhr, dass die Jugendherberge vor einiger Zeit dicht gemacht hatte... Also ein anderes Quartier suchen. Am besten in der Touristeninfo. Aber weder ich noch irgendjemand anderes wussten, wo ich die finde koennte... Aetzend!!! Ich wurde mehrere male in die falsche Richtung gefuehrt und am Ende war es 19Uhr und ich hatte immer noch nichts gefunden. Ich hatte Hunger, es fing an zu regnen und meine Kraftreserven waren aufgebraucht, zumal ich dort alle moeglichen Steigungen hoch und runter gefahren war, um die Touristeninfo zu finden. Meine letzte Hoffnung war eine kleine Pension, die auch Auskuenfte gab. Doch die musste ich auch erst einmal finden... Nach mehrmaligen Bergauf -Bergab fand ich sie durch Zufall. Dort war jedoch auch kein Zimmer mehr frei. Doch netterweise telefonierte die Dame in der Pension fuer mich durch das ganze Dorf um eine Unterkunft zu finden. Aber vergebens. Also fragte ich sie, ob sie einen Garten haette in den ich mein „tento" (=Zelt) aufbauen koennte. Sie zeigte mir den Garten und meinte, dass die Gaeste sich dadurch aber gestoert fuehlen koennten. Also fragte ich sie, ob das leere Grundstueck gegenueber jemandem gehoert. Sie bejahte. Ich fragte ob sie diese Person fragen koennte, ob ich dort mein Zelt fuer eine Nacht aufbauen koennte. Dies war moeglich und ich war erleichtert. „Bevor ich jedoch mein Zelt aufbaue," sagte sie „moechte ich noch eine Pension probieren!". Ich war einverstanden und tatsaechlich war dort ein Zimmer frei. Haken: Die Unterkunft war ca. 3Km entfernt... Also wieder fahren! Ich stieg auf mein Rad und fuhr, natuerlich nur bergauf, die 3Km. Ich weiss bis heute nicht, wie ich das noch geschafft habe. Erstaunlich was alles geht, wenn man muss! Am Ziel angekommen, stuerzte ich erst einmal in ein Nobelhotel, das ich fuer meine Unterkunft hielt, wo ich dann freundlich rausgeworfen wurde. Das positive: Sie konnten mir sagen, wo ich genau hinmusste. Nun hatte ich die Pension erreicht und wurde von einer netten alten Dame begruesst und bekam das Haus gezeigt. Ich machte alles brav mit, auch wenn ich nur in mein Bett wollte! Dann bekam ich endlich meine (meiner Meinung nach) wohlverdiente Pause!
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Bearbeitet Sat, 02 Aug 2008 23:05:13 GMT
Tag 6:
Moto-hakone, Japan,
4/2008
Am naechsten Morgen wurde ich um 10Uhr von meinem Wecker geweckt. Draussen war es total nebelig und stuermisch.
Ich war ziemlich hungrig, da ich am Abend zuvor nur noch eine Instant- Nudelsuppe gegessen hatte. Ich freue mich somit total auf das Fruehstueck. Unten angekommen bemerkte ich, dass noch ein anderer „gaijin" (=Auslaender) in dieser Pension war. In diesem Fall war es eine junge Australierin, die in Japan Urlaub machte. Von ihr erfuhr ich, dass ich mich nicht, wie ich angenommen hatte, in einem Ryokan befand, sondern in einem sog. „Minshiku" (Familienpension/ Bed and Breakfast). Ich unterhielt mich eine ganze Weile mit ihr, immerhin war sie die erste Person seit langem, mit der ich mich halbwegs fliessend(auf Englisch) unterhalten konnte. Nach dem Fruehstueck zog ich mir meine Regensachen an, schnappte meinen Schirm und ging los, denn heute wollte ich mir die Sehenswuerdigkeiten des Hakone-yamas anschauen. Diese waren: Der Kratersee, ein Torii am See und zwei Tempel, sehr ueberschaubar... Da mir die anstrengung des Vortages noch in den Beinen steckte und ich keine Lust hatte, schon wieder im Regen zu fahren, beschloss ich, mal den Bus zu nehmen. Im Bus fragte ich, ob der Bus nach Moto-Hakone(Name des Dorfes am See) faehrt und wollte ein Ticket ziehen. Ich bekam mein Ticket, aber der Busfahrer wollte mein Geld nicht nehmen. Also setzte ich mich so hin. Waehrende der fahrt sah ich dann, dass man das Geld in eine Zaehlmaschine werfen musste, wenn man den Bus verlaesste. An der Station angekommen, wusste ich jedoch nicht wie viel und so fragte ich den Busfahrer „Ikura des(u) ka?" (Wieviel ist es?). Er grummelte und zeigte auf eine Anzeige. Ich zahlte die angezeigten 210Yen und stieg aus. In diesem Dorf scheinen alle Leute Auslaender nicht sonderlich zu moegen... Oder Touristen allgemein? Zunaechst schaute ich mir dann Hakone-Schrein an, der mir sehr gut gefiel! Da ich ein 5 Yen Stueck hatte, wollte ich dieses als Opfergabe spenden, nur leider wusste ich nicht wie.
In Japan wirft man nur 5/1Yen Muenzen in die „Opfertruhe", soviel wusste ich. Jedoch muss man zuvor eine bestimmte Bewegungsabfolge vollziehen. Diese schaute ich mir einfach von jap. Touristen ab, die auch diesen Schrein besuchten. Die Abfolge war folgende: Vor den Schrein treten, zweimal verbeugen, Muenze werfen, zweimal in die Haende klatschen, Handflaeschen aneinander halten und waehrenddessen den Wunsch denken, einmal tief und lange verbeugen, gehen. Nun opferte ich mein Geld, die Wuensche haben sich alle erfuellt, was will man mehr! Nun machte ich noch ein paar Fotos vom Schrein und dem „Torii"(„Tempeltor") am See und ging was essen.
Hierfuer waehlte ich mir eine jap. Sandwichbude, da ich auf akuten Fleischentzug war! Ich ass ein leckeres Fleischsandwich, hoerte dazu Rod Stewart und unterhielt mich mit der Bedienung auf halb-japanisch, halb-englisch. Danach schaute ich mir noch ein wenig den See an und musste feststellen, dass auf diesen See eine kitschige „Piratenschiff"-Faehre pendelte, was fuer eine Verschandelung dieses schoenen Panoramas! Das Schiff sah aus, als haetten sie es aus Disneyland geklaut. Dann war es das auch schon mit dem Sightseeing und ich fuhr wieder in die Pension. Dort schaute ich den Rest des Tages jap. Fernsehen und ass Instant-Suppen. Zum Schluss nahm ich noch ein Bad und traf vorher auf die Tochter der Vermieterin, mit der ich mich ueber alles moegliche unterhielt. Erstaunlicherweise sprach sie ziemlich gutes Englisch, ihre Mutter hingegen kaum... Im Bad bemerkte ich dann, dass draussen ein heftiger Sturm wuetete. War ich froh, dass ich doch nicht in meinem Zelt schlafen musste! Der Sturm liess die ganze Nacht ueber nicht nach.
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Bearbeitet Sat, 02 Aug 2008 23:10:49 GMT
Tag 7:
Fuji, Japan,
4/2008
Am naechsten Morgen regnete es anfangs immer noch. Ich beschloss erst einmal zu Fruehstuecken und dann weiter zu schauen. Nach dem Fruehstueck hatte es dann tatsaechlich aufgehoert zu regnen und ich beschloss loszufahren, noch einen weiteren Tag wollte ich nicht verlieren, indem ich warte... Also packte ich meine Sachen, verabschiedete mich von meinen Gastgebern und bepackte unter deren neugierigen Blicken mein Rad. Manchmal fuehlte ich mich wie ein Tier im Zoo, aber eigentlich gefiel es mir, dass die Leute sich fuer mich interessierten. Fuer heute hatte ich mir nur eine Sache vorgenommen: Runter von diesen Sturmmagneten-Berg zu kommen. Also fuhr ich erst mal wieder nach Moto-Hakone, wo ich in meiner lieb gewonnenen Sandwichbude ein weiteres Sandwich zum Abschied verzehrte. Ich unterhielt mich mit dem Besitzer und erfuhr, dass dieser Englisch studiert hatte. Aber gut Englisch sprechen konnte er nicht, das konnte ich aber nicht sagen. Scheinbar hatte er Spass am Gespraech mit mir, da er mir einen kostenlosen Nachtisch spendierte, voll nett! Gut gelaunt+ gestaerkt verliess ich dann Moto-Hakone und radelte den Kraterrand wieder hoch. Am Kraterrand angekommen wurde es dann richtig interessant! Vor mir lag eine steile Abfahrt auf nasser Fahrbahn, zu allem Ueberfluss auch noch mit starken Windboeen. Also musste ich den Berg gaaaanz langsam runterfahren. Ich wurde von reihenweise LKWs ueberholt, natuerlich auf einer sauschmaelen Strasse! Als ich dann von einer Boee fast ueber die Leitblanke geweht wurde beschloss ich eine kurze Pause zu machen und auf Windstille zu warten. Ich wartete jedoch vergebens, also fuhr ich extrem vorsichtig weiter. Nach einer ganzen Weile auf Messers schneide erreichte ich dann endlich Mishima, ab da konnte ich wieder entspannter fahren! Ich fuhr noch weiter bis nach Fuji, das Wetter wurde dabei bestaendig besser. 
In Fuji angekommen galt es nun noch eine Unterkunft zu finden. Leichter gesagt als getan, es gab keinen Campingplatz, keine Jugendherberge und keiner konnte mir sagen, wo ich eine andere Unterkunft finden kann. Also ging ich, verzweifelt wie ich war, in der Polizeistation nach dem Weg fragen. Hinzufuegen muss ich jedoch, das ich wusste, dass in Japan die Polizei auch fuer solche Dinge verantwortlich ist, da viele Leute bestimmte Haeuser nicht finden, da die Hausnummern nicht geordnet sind, sondern nach dem Zeitpunkt der Erbauung des Hauses vergeben werden. Also rein in die Polizeistation. In der „Station" sass ein juengerer Mann hinter seinem Schreibtisch ich stand davor, fuer mehr war jedoch kein Platz... ich fragte, wo ein Ryokan oder Hotel sei. Er schaute mich verwundert an und redete irgendwas, was ich nicht verstand. Ich sagte mein Lieblingswort „wakarimasen" (= ich verstehe nicht). Er fasste sich an den Kopf und schnaufte. Dann holte er ein Telefonbuch raus und fing an zu telefonieren. Ich verstand nichts! Dann wollte er wissen wie viel Geld ich hatte, ich zeigte ihm 10.000Yen(ca.72Euro). Er nickte und redete weiter. In der zwichenzeit kam ein kleines Maedchen, wahrscheinlich seine Tochter, durch die Tuer, die sich neben ihm befand und schaute mich verwundert an. Ich laechelte. Das freute sie so sehr, dass sie mir gleich ihre Lieblings- Spielfigur, die sie grad in der Hand hielt, zeigen musste. Ich meinte „sugoi"(=super im positiven Sinn) und laechelte wieder. Das wiederrum freute sie so sehr, dass sie unbedingt zu mir vorkommen wollte, um mir die Figur mal zu geben, damit ich sie genauer anschauen kann. Also versuchte sie sich an den Buerostuhl, auf dem ihr Vater sass, vorbeizudruecken. Ihr Vater bemerkte, was sie vorhatte und wollte sie daran hindern. Sie liess aber nicht locker, und ihr Vater musste telefonieren und sie in Schacht halten. Irgendwann war es ihm dann zu viel und er schob sie durch die Tuer, durch die sie gekommen war und verschloss diese. Kurz darauf hoerte ich dann ihr geheule, wie gemein von ihrem Vater! Nach einiger Zeit teilte der nette Polizist dann mit, dass er etwas gefunden hatte. Er fertigte eine Skizze an, die er in Englisch und in Japanisch beschriftete, warum auch immer und gab mir diese dann. Dann testete er mich, ob ich sie auch verstand und verabschiedete sich dann von mir. Ich folgte seiner Karte und erreichte ohne Probleme den Ryokan. Dieser sah ein wenig heruntergekommen aus. „Egal", dachte ich mir, „dann ist er bestimmt guenstig!". Das war er dann auch tatsaechlich und so checkte ich ein und bezog mein Zimmer. Dieses war nicht der renner, es war klein. Aber was das schlimmste war: Es roch nach Zigarettenrauch! Ich hasse diesen Geruch!!! Das war wohl Pech, jetzt hatte ich es schon gemietet... Ich setzte mich vor den Fernseher und ass ein paar Kekse. Dann kam der Mann, der die Pension leitete und meinte, dass er mir gerne das Abendessen spendieren wolle, seine Frau wuerde Curry machen, davon koennte ich etwas abhaben. Da sagte ich nicht nein. Um 9Uhr wollte er es dann vorbeibringen. In der Zwischenzeit machte ich noch ein paar Einkaeufe um meinen Lebensmittelvorrat wieder aufzustocken. Um 9 kam dann auch wirklich das Curry, dazu noch ein isotonischer Sportdrink, Reis und Tempura mit Salat. Genial!
Ich bedankte mich ueberschwaenglich. Er meinte nur, dass er einen Radfahrer gerne etwas ausgeben wuerde. Nach dem Essen schlenderte ich den Flur entlang und entdeckte, dass dort einige Mangas und ein paar nicht Jugendfreie Zeitschriften rumlagen, die man auf dem Zimmer lesen konnte, so was findet man echt nur in jap. Hotels! Am Abend schaute ich dann noch eine jap. Gameshow in der ein paar Erwachsene auf einen Campingplatz Verstecken auf Zeit gespielt haben. Fuer jeden gefundenen „Feind" gab es eine bestimmte Geldsumme. Sehr lustig! Danach ging ich satt und zufrieden schlafen.
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Bearbeitet Thu, 07 Aug 2008 22:36:27 GMT
Tag 8:
Yaizu, Japan,
4/2008
Heute habe ich mir den langen weg von Fuji nach Haibara vorgenommen etwas mehr als 60 Km. Nachdem ich um 7.30Uhr mit dem Fruehstueck fertig war, packte ich meine Sachen und machte mich gegen 8 Uhr auf den Weg.
Der Weg war ziemlich Idiotensicher, immer am Meer entlang, und nur ein Strassenwechsel, dachte ich. In Shimizu musste ich meine Route dann aber umplanen. Die Hauptstrasse Nr.1, auf der ich eigentlich entlangfahren wollte, war ab da fuer Radfahrer gesperrt. Also fuhr ich an der Kueste entlang und kam schliesslich auf eine idyllische Strasse, die genau am Meer entlanfuehrte, direkt nach Yaizu.
In Yaizu angekommen wurde es dann sehr kompliziert, ich verfuhr mich total und hatte nun null Peilung, wo ich denn eigentlich war... Ich fuhr einfach geradeaus, bis ich an eine ausgeschilderte Kreuzung kam, ab da ging es dann weiter Richtung Campingplatz. In Haibara angekommen, brauchte ich dann auch nicht lange um den Campingplatz zu finden, das einzige Problem das ich hatte war: Der Campingplatz war geschlossen!!! Was nun? Weitere 20 Km zum naechsten(evtl. auch geschlossenen) Campingplatz radeln oder eine andere Moeglichkeit zum Uebernachten finden. Bevor ich mich entschied, fragte ich noch einen einheimischen, ob niemand im Gebaeude des Campingplatzes sei. Dann fragte ich ob er den Besitzer anrufen koennte(da ich kein Telefon bei mir habe und zudem zu schlecht japanisch rede um meine Lage zu erklaeren) und fragen kann, ob ich trotzdem dort uebernachten koennte, auch wenn niemand da war. Doch statt dort anzurufen, bot er mir an, auf dem Grundstueck seines Surfladens zu campen. Gesagt getan! Da es keinen unterschied macht, ob ich nun hinter einen 75cm hohen Zaun auf einer Wiese schlafe, oder davor, schlug ich mein Zelt auf.
Das Klo des Ladens, sowie der Hammer(ein antikes Stueck) wurden mir auch grosszuegig angeboten. Zudem wurde ich von einen der Kunden ins Internetkaffee gefahren, von dem aus ich gerade schreibe. Echt nette Typen, diese Surfer! Aber nett sind die Leute in Japan im Allgemeinen.
Seit 2-3 Tagen habe ich jedoch ein echtes Problem: Das Heimweh! Ich habe das total unterschaetzt! Solange man beschaeftigt ist, ist alles in Ordnung, doch sobald man nichts zu tun hat, ueberfaellt es einen. Ich komme damit bisher nicht gut zurecht, will am liebsten direkt in einen Flieger nach Deutschland steigen! Aber ich denke(bzw. hoffe vielmehr), dass das vorrueber geht und ich den Rest meiner Reise geniessen kann, so wie die ersten 4-5 Tage.
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Bearbeitet Thu, 07 Aug 2008 22:37:40 GMT
Tag 9:
4/2008
Als ich morgens aufwachte, hoerte ich das bestaendige Trommeln des Regens auf meinem Zelt, "toll" dachte ich mir, "schon wieder einen Tag im Regen radeln...". Ich Fruehstueckte erst mal 4 scheiben Toast mit Marmelade, einen Joghurt und was ich noch so in meinen Vorratsbeutel finden konnte. Wahrend ich ass, liess der Regen nach und hoerte schliesslich ganz auf. Ich nutzte diese Chance, um mein Zeug zu packen. Kurz nachdem ich mit packen fertig war, fing es wieder an zu regnen, also doch im Regen radeln... Fuer mich ging es heute nach Omaezaki, eine Landzunge, unterhalb von Shimizu. Die Strecke war nicht sonderlich lang, jedoch war ich total durchnaesst als ich dort ankam. Jetzt musste ich noch die Jugendherberge finden die hier irgendwo sein sollte. Ich ging zum oertlichen Fischmarkt und fragte dort in einem Eiscafe, wo hier die Touristeninformation sei. Die Frau hinter dem Tresen verstand mich tatsaechlich und wies mir den Weg. In der Touristeninformation wurde mir dann eine praezise wegskizze gezeichnet, wie es in Japan offensichtlich ueblich ist. Mithilfe der Skizze fand ich die Jugendherberge dann auch sofort. Dort angekommen, erfuhr ich, dass ich der einzige Gast sei und bekam ein 3 Personen-Zimmer fuer mich alleine. Eigentlich ganz toll. Es war jedoch nicht so toll, alleine in der Jugendherberge zu sein und so packte mich erneut das Heimweh. Da es in diesen ganzen Ort keinen einzigen oeffentlichen Internetzugang gab, bestand meine einzige Moeglichkeit, mein Heimweh zu lindern darin, eine Telefonzelle zu finden. Das war schwieriger als ich dachte, ich musste ueber 1Km wegstrecke zuruecklegen um es zu erreichen. Die Telefonate die ich dann fuehrte halfen mir wirklich sehr!
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Bearbeitet Thu, 31 Jul 2008 22:44:04 GMT
Tag 10:
4/2008
Am naechsten Tag sah die Welt dann schon ganz anders aus und ich machte mich auf, die Sehenswurdigkeiten von Omaezaki zu erkunden. Diese waren: Eine Katzenstatue(winzig und wenig eindrucksvoll), der Leuchtturm(geschlossen), die Aussichtsplattform(schoener Blick aufs Meer) und der Tempel (sehr meditativ und fuer mich der Hoehepunkt der Sightseeing-Tour). Danach ging es in eine lokale Gaststaette, wo ich etwas essen wollte. Das war aber nicht ganz so einach, die Speisekarte war nur auf japanisch... Leider konnte ich die Zeichen nicht lesen. Da entschloss ich mich, einfach mal zu experimentieren. Ich suchte mir etwas aus, ging an die Theke zum bestellen und deutete auf das Gericht. Die Bedienung nickte und stellte dann eine Frage, die ich jedoch nicht verstand. Darauf war ich jetzt nicht vorbereitet. Ich schaute ihn an und er verstand, dass ich nichts verstand. Er drehte sich um und hielt mir eine Schale Reis entgegen. Ich ueberlegte: War das was ich bestellt hatte etwa nur Reis? Nein, das konnte es nicht sein, dafür war es zu teuer. Dann kam ich auf die Lösung. Er wollte wissen ob ich Reis dazu wollte. Ich fragte: "Ikura desu ka?" (Wieviel kostet es?). Er nannte mir den Preis, den ich wieder nicht verstand, da er zu schnell redete... Aber das war jetzt auch egal. Ich antwortete: "Ii desu" (Ist in Ordnung). Kurz darauf bekam ich mein essen mit Reis. Es war eine Art geschnetzeltes mit Fleisch und Gemuese, sehr lecker! Satt und gut gelaunt ging ich dann schlafen.
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Bearbeitet Wed, 18 Mar 2009 10:21:06 GMT
Tag 11:
Hamamatsu, Japan,
4/2008
Am naechsten Tag ging es fuer mich dann nach Hanamatsu, bei wolkigen Wetter, perfekt zum Radfahren, kein Sonnenbrand und trotzdem trocken, gute Mischung. Ich bepackte mein Fahrrad, legte meine Radhandschuhe auf den Gepaecktraeger, legte meinen Helm an und fuhr los. Nachdem ich den Huegel, auf den die Jugendherberge lag, runtergerollt war, legte ich meine ersten 2Km zurueck. Dann fiel mir auf, dass ich gar keine Fahrradhandschuhe an hatte. Ich ueberlegte wo ich sie hingepackt haben koennte und da fiel es mir ein: Ich hatte vergessen, sie anzuziehen. Auf meinen Gepaecktraeger waren sie nicht, also musste ich sie vor der Jugenherberge verloren haben. Ich radelte den ganzen weg (auf einer anderen, einfacheren Route) zurueck zur Jugendherberge. Dort in der Einfahrt lag ein Handschuh, von den anderen keine Spur. Ich fragte die Frau des Herbergenleiters, ob sie einen Handschuh gefunden hatte, dies war jedoch nicht der Fall. Also nochmal die ganze Strecke abfahren... Als ich ca.1,7 der 2 Km gefahren war und ich die Hoffnung den Handschuh wieder zu finden begraben hatte, lag er auf einmal vor mir. Es ist mir unerklaerlich, wie der solange auf den Gepaecktraeger bleiben konnte, wo der erste Handschuh gerademal 4 Meter durchgehalten hatte... Die Strecke nach Hanamatsu legte ich dann ohne weitere Probleme zurueck. Nach 60Km kam ich an einen perfekt gepflegten Campingplatz an. Auf einen Golfplatzaehnlichen Rasen baute ich mein Zelt auf und ging zum Meer. 
Dort ging ich dann durch einen wunderbaren Park spazieren, umringt von Familien mit ihren Kindern. 
Wieder zurueck am Zeltplatz angekommen, beschloss ich in ein Onsen (heisse Quelle) zu gehen, auch wenn mir ein wenig mulmig zumute war, da ich der einzige Europaeer weit und breit war. Doch ich ueberwandt mich und sagte mir:"Du kennst doch alle Regeln von diesen japanischen Badeanstalten!". Ich kaufte mir ein Ticket, zog meine Schuhe am Eingang aus, verstaute sie im dafuer vorgesehenen Schliessfach, zog mich aus, verstaute meinen restlichen Besitz im dafuer vorgesehenen Fach und betrat den Baderaum. Dort kippte ich mir eine Schuessel Wasser uberden Kopf, seifte mich ein, schuettete mir nochmal Wasser ueber den Kopf, seifte mich vorsichtshalber nochmal seeeeehr gruendlich ein, damit auch der letzte Mitbadende von meiner Sauberkeit ueberzeugt wird und duschte mich gruendlich ab. Dann ging es in die heisse Quelle. In den Moment in den ich das Wasser betrat, verliess der andere Badende das Wasser, bestimmt ein Zufall. Dann ging ich nach draussen, setzte mich in die heisse Quelle wo schon zwei Maenner sassen. Diese drehten mir den Ruecken zu, ein weiterer setzte sich auf den Rand, obwohl neben mir genug Platz war, ein Zufall? Dann ging ich in den (leeren) Whirlpool, keiner kam hinzu, erst als ich draussen war wurde er wieder genutzt, ein Zufall?! Wohl kaum! Aber mir war es egal, wenn die nicht mit einen gaijin (Auslaender) in einem Becken sitzen wollten, dann sollten sie es halt lassen, ich hatte dafuer wunderbar viel Platz und meine Ruhe. Nach dem Bad kochte ich dann mein Essen, rief Zuhause an und ging dann wunderbar entspannt schlafen.
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Bearbeitet Wed, 18 Mar 2009 10:48:52 GMT
Tag 12:
4/2008
Am nachsten Tag packte ich dann mein Zeug, nachdem ich vom regen Treiben ausserhalb meines Zeltes geweckt worden war, kein Wunder, es war immerhin schon halb Sieben! Wer schlaeft denn schon noch um diese Zeit an einen Sonntag...! Vor mir lag der lange Weg nach Akabane. Ich fuhr ziemlich genau 5 1/2 Std. und legte in dieser Zeit ganze 93.97 Km zurueck, ich war erstaunt! An einen Supermarkt machte ich kurz halt um mir mein Mittagessen zu kaufen. Kaum hatte ich den Laden verlassen, wurde ich auch schon von drei Japanern interviewt. Ich hatte grosse Probleme ihre Fragen zu verstehen, da sie so verdammt schnell redeten, aber irgendwie gelang es mir, sie mit meinen Antworten zufriedenzustellen (oder sie taten einfach nur so...). Die Fragen sind immer die selben: wo ich herkomme, wohin ich reise, aus welchen Land ich komme, usw. . Am Nachmittag, so gegen 3 Uhr, erreichte ich dann den Campingplatz, auf dem ich uebernachten wollte. Die Bezeichnung "Campingplatz" trifft es jedoch nicht ganz, "Ruine" wuerde viel besser passen... Ich dachte mir: "Camping for free, auch nicht schlecht, Campingplatz ist Campingplatz, ob bewirtschaftet oder nicht!". Also betrat ich das Gelaende, das frei zugaenglich war. Zu meiner Linken sah ich einen verkommenen Tennisplatz, zu meiner rechten einen vermoderten Betonklotz, der eine Turnhalle oder sowas sein sollte. "Hinter dem Gebaeude ist wohl am besten, muss ja nicht jeder sehen, dass ich hier uebernachte" dachte ich mir und ging dorthin. Hinter dem Gebaeude erwartete mich ein noch schlimmeres Truemmerfeld als vorne. Scheinbar hatten hier einige Vandalen gewuetet, ueberall lag Muell, Verbaranntes Holz+ was auch immer und die Reste von kaputten Plastik-Bistrostuehlen. Dort konnte ich auf keinen Fall bleiben und entschied mich, den Campingplatz zu verlassen, da ich nicht wollte, das meine Campingausruestung, oder gar ich selber, zum Ziel dieser Vandalen werde. Auf dem Rueckweg bemerkte ich, dass bei einen Hintereingang die Scheibe der Tuer eingeschlagen war und der Tuergriff ziemlich zerstoert worden waren. Jetzt fuehlte ich mich in meiner Entscheidung zusaetzluch bestaetigt und verliess diese Ruine, ohne einen weiteren Gedanken an eine Uebernachtung an diesen Ort zu verschwenden. Nun galt es jedoch, einen alternativen Schlafplatz zu finden. Ich erinnerte mich, dass ich auf den Weg zum Campingplatz an einen Gebaeude vorbeikam, dass wie ein Hotel aussah und fuhr dorthin zurueck. Als ich vor dem Eingang stand, stellte sich heraus, dass es tatsaechlich ein Hotel war, jedoch ein ziemlich Nobeles... Da Fragen bekanntlich nichts kostet und ich so ziemlich keine andere Wahl hatte, betrat ich das Hotel. Ich lungerte ca. 10 Min. im Eingangsbereich herum und versuchte irgendein Prosbekt zu finden, das mir Aufschluss ueber den Preis einer Uebernachtung liefern sollte. Dann wurde ich ploetzlich von einer Hotelangestellten angesprochen, die scheinbar wissen wollte, wie sie mir helfen koennte. Ich fragte in meinen spaerlich vorhandenen Japanisch:"Ippaku wa ikura desu ka?" (Wieviel kostet eine Uebernachtung?). Ich wurde auf Anhieb verstanden(ein Wunder!) und die Dame kramte einen Flyer hinter dem Tresen hervor. Auf diesen standen 3 Preise. Sie deutete auf den Ersten, was mir wiederrum gar nicht gefiel, der Preis war ca.9500Yen, hart! Ich sagte ihr auf Englisch, dass mir das zu teuer sei und schob noch die frage nach, ob der Campingplatz dicht gemacht haette. Sie nickte und meinte dann, der wuerde erst im April naechsten Jahres wieder oeffnen. "wohl kaum" dachte ich mir. Dann deutete sie mir, dass ich noch einen Moment warten solle. Sie kramte einen Stift hervor, fragte noch: "Just breakfast O.K.?" Da ich eh immer nur das Fruehstueck im Hotel nehme antwortete ich reflexartig:"Hai, ii desu" (Das jap. "O.K").l Sie schrieb nun einen neuen Preis auf, 6000Yen und meinte noch:"Just for one night,O.K.?" Ich nickte und so hatte ich ein Zimmer fuer einen halbwegs ertraeglichen Preis ergattert. Weil es scheinbar so ueblich ist, begleitete mich die Dame noch bis zu meinen Zimmer, ein im jap. Stil gehaltener Raum, konzipiert fuer 5 Gaeste, und zeigte mir noch alles. Ich bedankte mich uebergluecklich, hatte sie mir doch ein fuer jap. Verhaeltnisse gigantisches Zimmer gegeben. Sie ging zurueck in den Eingangsbereich und ich machte es mir in meinen Luxuszimmer gemuetlich. Ich kramte mir ein paar Nahrungmittel aus meinen Vorratsbeutel, schaltete den Fernseher an und lies mich auf mein Sitzkissen fallen. Nachdem ich fertig gegessen hatte (jap. Curry, in meinen Zimmer gab es einen Wasserkocher), beschloss ich in das gemeinschaftsbad des Hotels zu gehen, da es in meinem jap. Zimmern kein Bad gab. Dort traf ich wieder ein paar aeltere Herren an, die mich misstrauisch begutachteten, inzwichen war ich das aber gewohnt. Ich vollzog erneut das intensive Reinigungsritual und stig dann ins Wasser. Da das Becken ziemlich voll war, musste ich mich unmittelbar neben einen anderen Mann setzen. Dies gefiel diesem scheinbar ueberhaupt nicht, da er, in dem Moment wo ich mich setzte, aufsprang und das Becken verliess. Gut so, nun hatte ich mehr als genug Platz! Als ich den Baderaum dann verliess sah ich demselben Mann im Umkleideraum auf einer Bank sitzen. Als ich anfing mich abzutrocknen, kehrte er in den Badebereich zurueck... Nach dem Bad schaute ich noch ein wenig Fernsehen, was mir grosses Vergnuegen bereitet, auch wenn ich kein einziges Wort verstehe und ging schlafen.
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Bearbeitet Thu, 31 Jul 2008 22:48:40 GMT
Tag 13
Ise, Japan,
4/2008
Am naechsten Morgen gab es dann ein riesiges Fruehstueckbuffet! Ich war so begeistert von der Auswahl, vor allem an Gebaeck, das man in Japan sonst nur spaerlich bekommt, dass ich mich hemmungslos ueberfrass... Jetzt, nachdem ich sooo vollgefressen war musste ich noch zur Faehre radeln... Ich schaffte es, fuehlte mich aber wie ein fettes Haengebauchschwein, dass man auf ein Fahrrad gesetzt hatte. Auf der Faehre wurde es dann nicht besser. Es herrschte starker Seegang, sodass das Schiff stark schaukelte. Ich schaffte es aber, mein Fruehstueck bei mir zu behalten.
Schreibe bald weiter, muss jetzt kurz weg.
Da bin ich wieder! Von der Geschichte habe ich Hunger bekommen und war kurz was essen.
Als ich in Tobe ankam fand ich auch sofort die Strasse die mich nach Ise fuehren sollte. Ich fuhr eine kleine Nebenstrasse entlang, da dort weniger Verkehr ist und man das Land mal abseits der Touristenstrecken zu sehen bekommt. Doch leider gibt es auf diesen Strecken ein immenses Problem: Den Abfall! In Japan scheint es, egal wo ich bisher war, ueblich zu sein, seinen Muell einfach waehrend der Fahrt aus dem Auto zu werfen. So finden sich am Strassenrand und in den Strassengraeben unmengen von Dosen, Flaschen, Verpackungen und auch so absurde Dinge wie Hentai-Mangas(Porno-Heftchen), Unterhosen und Schuhe... Ich will mir gar nicht vorstellen wie diese Dinge miteinander zusammenhaengen! Aber eines beschaeftigt mich dann doch: Ich kann es verstehen, dass jemand eine Dose wegwirft, aber seine Unterhose, mitten in der Pampa?! Ist schon ein verruecktes Land! Na ja, ich fuhr jedenfalls durch eine etwas Huegeligere Landschaft, aehnlich der vom Vortag. Jedoch bewaeltigte ich die Strecke weniger muehelos als die vom Vortag. An diesen Tag waren es nur ca. 25Km, diese fielen mir aber schwerer als die ueber 90Km vom Vortag. Dafuer gab es zwei Gruende: Erstens war ich zu vollgefressen und mit vollen Magen faehrt es sich nicht gut und zweitens hatte ich Muskelkater! Zum Glueck fand ich meine Unterkunft auf Anhieb, sodass mir weitere Qualen erspart blieben, es haette ja auch wie beim Hakone-yama enden koennnen! In der Unterkunft reservierte ich dann ein Zimmer fuer zwei Tage in einen wirklich urjapanischen Ryokan. Dann ging ich die Umgebung erkunden, hat sich so bei mir eingebuergert, es kann nie schaden, wenn man weiss wo was in der naeheren Umgebung liegt. Ich suchte zuerst die oertliche Touristeninformation, dort fragte ich dann nach Kartenmaterial und nach einen Internetzugang. Daraufhin ging es ins Internetcafe in dem ich gestern den ersten Teil dieses Textes verfasste, waehrend um mich herum eine Gruppe von jap. Senioren amerikanischen Country-Tanz uebten, eine sehr angenehme Athmosphaere! Nachdem das erledig war, besichtigte ich den aeusseren Schrein der Tempelanlage von Ise.
Nur um die Dimension dieses Tempels zu veranschaulichen sage ich, dass der sog. "Aeussere Tempel" und der sog. "Innere Tempel" ca. 6 Km auseinanderliegen! Die beiden Tempel verbindet eine Buslinie... Der aeussere Tempel umfasste einige kleine Tempel und einen grossen, die alle aus Holz gefertigt waren. Die Tempel lagen in einen Wald, welcher von drei grossen Seen und zahlreichen Wegen durchzogen war. Da der Shintoismus eine Naturreligion ist, gibt es meiner Meinung nach keine bessere Umgebung fuer die Tempel als diesen Wald mit seinen Riesigen Baeumen.
Nachdem ich mit der Besichtigung der Tempel und des Tempelarreals fertig war, suchte ich noch einen Supermarkt und ein Restaurant, wo ich zu Abend essen konnte, wollte kein Fertigfutter aus der Packung mehr zu mir nehmen. Ich fand auch eiun super Lokal, wo ich ein Menue, bestehend aus einen Gartopf mit Fleisch, Pilzen, Tofu, Nudeln und anderen, fuer mich unidentifizierbaren Gemuese, ein 0.5 Bier, 4 Tassen Tee, eine Schale Reis und eine Schale Misosuppe fuer umgerechnet ca.13,70 Euro bekam, ich finde da kann man nichts sagen!
Pappe satt und zufrieden schlenderte ich in Richtung Ryokan, wo ich wieder eine tolle jap. Gameshow schaute. Danach ging ich dann schlafen, stilecht auf einen Futon, der auf der Tatami lag, ausserst Rueckenfreundlich!
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Bearbeitet Fri, 03 Jul 2009 12:35:52 GMT
Tag 14:
4/2008
Um 7Uhr gab es Fruehstueck, in Essig eingelegtes Gemuese, Misosuppe, Fischflocken, eine Schale Reis und O-Cha (gruenen Tee). Mag fuer mancheinen unvorstellbar sein so etwas morgens zu essen, mir schmeckt es aber und es gibt Kraft fuers Radfahren, ohne wie ein Stein im Magen zu liegen. Fuer heute hatte ich mir den inneren Tempel von Ise vorgenommen, den ich natuerlich nicht mit dem, wie ich von anderen Touristen im Ryokan erfahren habe, teuren Bus, sondern mit meienm treuen Fahrrad besuchte. Ich fand auch diesen Tempel ohne Probleme, irgenwie scheint mir Ise zu liegen... Den Eingang zum Tempel bildete ein riesiges hoelzernes "Torii", hinter dem eine grosse Holzbruecke ueber einen Fluss zum Tempelareal fuehrte.
Dort wiederrum fuehrte ein riesigerWeg, welcher von Gaerten mit zurechtgestutzten Kiefern umgeben war, zum Haupttempel. Dort angekommen konnte ich es kaum erwarten, den Tempel zu betreten und zu fotografieren. Jadoch war der Zutritt nicht gestattet. Zudem war der Tempel auch nich von einen Holzzaun umgeben, sodass man nur das Dach des Tempels sehen konnte.
Also machte ich davon ein Foto und trottete enttaeuscht davon. Ich wollte auf ein paar Nebenwegen durch den idyllischen Tempelpark laufen, doch auch das war nicht gestattet, nur die Hauptwege durften begangen werden... So ein Schwachsinn! Egal... Da ich noch mehr als genug Zeit hatte, schlenderte ich die Souvenirmeile des Tempels entlang und schaute mir die ganzen unnuetzen Dinge an, die als Mitbringsel fuer die Familien gedacht waren. Nicht mein Fall. Was jedoch mein Fall war, war das Essen das dort verkauft wurde! Also ass ich mich einmal durch die Einkaufsmeile und radelte dann zurueck zum Ryokan. Von dort ging es dann noch einmal in den Supermarkt, wo ich meine Lebensmittelvorraete fuer die Tour durch die Berge von Wakayama aufstockte, denn laut Karte gibt es da nicht ein einziges groesseres Dorf. Kann mir zwar nicht vorstellen, dass es da nichts zum einkaufen gibt, aber sicher ist sicher. Danach ging es dann noch einmal in mein neues Lieblingsrestaurant, wo ich eine Sushiplatte verputzte, diesmal jedoch ohne Bier... Das Restaurant war erstaunlich: Wenn man reinkam wurde man gleich gefragt zu wievielt man ist. (Eine Standardfloskel in Japan, da ich es gefragt wurde obwohl ich ganz offensichtlich alleine war...). Anschließend bekommt man sofort einen Platz zugewiesen, wo man dann auch sogleich den kostenlosen gruenen Tee hingebracht bekommt. Auf dem Tisch befindet sich ein Schalter, der wie ein Buzzer in einer Gameshow aussieht. Sobald man ausgewaehlt hat, drueckt man auf ihn, es laeutet kurz und sogleich kommt die Bedienung und nimmt die Bestellung entgegen. Nicht mal 5 Min. spaeter kommt dann das Essen, mit der Rechnung, die dann in eine dafuer vorgesehene Halterung gesteckt wird. Wenn man fertig gegessen hat, geht man mit der Rechnung zur Kasse und bezahlt sofort. Das laeuft echt Reibungslos ab, total genial dieses Prinzip, finde ich. Morgen geht es fuer mich Richtung Berge, zum Camping, wird eine Interessante Etappe, hoffe die Steigungen sind nicht zu heftig... Melde mich wieder, wenn ich zurueck in der Zivilisation bin.
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 20:00:53 GMT
Tag 15:
4/2008
Nachdem ich ein eher karges Fruehstueck zu mir genommen hatte(ich glaube die Frau war ein wenig geizig...) radelte ich los in Richtung Berge von Wakayama. Meine erste Station auf der Tour sollte Tsu heissen. Bevor ich aber auf die Bundesstrasse kam, verfuhr ich mich wieder einmal. Diesmal landete ich inmitten eines Industriegebietes in einer Sackgasse. Ich hatte gedacht, dass ich irgendwie auf die Hauptstrasse abkuerzen koennte, aber dies war nicht der Fall und so musste ich den ganzen Weg zurueckradeln, bis fast zu meinen Ausgangspunkt. Der Umweg belief sich auf ca. 10Km... Der restliche Weg war dann aber gut zu fahren, auch wenn reger Verkehr herschte. In Tsu angekommen radelte ich weiter in Richtung Berge, langsam merkte ich, dass es bergauf ging.
In der naechsten Stadt angekommen, beschloss ich, weiter zu fahren, eigentlich wollte ich in dieser Stadt bleiben und am naechsten Tag weiter. Da der Tag aber noch lang war, beschloss ich gleich zu einen Campingplatz weiterzufahren, der auf einen Berg lag, welcher etwas mehr als 800m hoch war. Die ersten paar Kilometer waren machbar, ich kam ziemlich gut voran. Doch ab einen bestimmten Punnkt war dann Schluss, ich musste wieder einmal schieben... Es ist interessant zu beobachten, dass man, auch wenn man glaubt, keinen weiteren Schritt machen zu koennen, immer weiter voran kommt, einfach weil man keine andere Wahl hat. Die letzten 3km der Strecke wurde es dann richtig hart. Es ging so steil bergauf, dass ich kaum mehr in der Lage war, das Fahrrad die Steigung hochzuschieben. An manchen Stellen musste ich noch einmal zurueckrollen und dann mit Anlauf und Schwung die Stelle ueberwinden. Endlich auf dem Berg angekommen, galt es jetzt den Campingplatz zu finden. Das war aber alles andere als einfach, und so irrte ich lange durch die Gegend, bis ich endlich einen Menschen fand, der mir dann auch tatsaechlich den Weg sagen konnte. Hier galt es nicht, jemanden zu finden der den Weg wusste, sondern es galt irgendjemanden zu finden! Auf der ganzen Suche traf ich auf insgesamt 3 Menschen, obgleich ich mich in einen schon etwas groesseren Dorf befand. Die Atmosphaere war fuer mich die einer Geisterstadt, von denen ich dachte, dass sie nur in Western-Filmen existieren. Endlich am Campingplatz angekommen, gab es etwas außergewöhnliches zu sehen, der Campingplatz war geoeffnet! Also checkte ich ein. Die Uebernachtungsgebuehr betrug 3150 Yen (ca. 23€)! Da ich aber keine andere Wahl hatte, bezahlte ich diesen horenten Preis. Ich weiss nicht, ob das der regulaere Preis war, oder ob ich abgezockt wurde, aber im nachhinein ist es eh egal... Ich baute schnell mein Zelt auf, das ich besonders gruendlich sicherte, da fuer die Nacht Sturm angesagt war, toll... Waehrend mein Essen auf meinen Benzinkocher vor sich hin koechelte, reservierte ich ein Bett in einer Jugenherberge, fuer die Zeit der sog."Golden Week", einer Kette von nationalen Feiertagen, wo so ziemlich alle Japaner frei haben. Ich hatte schon Angst, dass in Osaka bereits alles ausgebucht sei, aber ich hatte Glueck und bekam ein Bett. Damit war die groesste Gefahr schon mal gebannt. Beruhigt, satt und zufrieden ging ich schlafen.
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 20:09:41 GMT
Tag 16:
Nara, Japan,
4/2008
Als ich am naechsten morgen aufwachte hoerte ich (mal wieder) das bestaendige Trommeln des Regens auf meiner Zeltplane. Also zog ich meine Regenkleidung an und machte mir ein Bild davon, wie stark es regnete. Draussen erwartete mich dann starker Regen, mit gelegentlichen Windboeen und zu guter letzt Nebel, der mir es gerademal erlaubte 50m weit zu gucken...
Ich hatte jedoch keine Wahl, ich musste auf jeden Fall weiter, da der Campingplatz an diesen Tag geschlossen hatte und ich ja nicht "illegal" da bleiben konnte. Also schnell die Sachen gepackt, das nasse Zelt in den Zeltbeutel gestopft und los ging es. Ich fuhr seeeehr langsam den Berg runter, da die Strecke sehr kurvenreich war und ich nicht von einen ploetzlich aus dem Nebel auftauchenden Fahrzeug plattgemacht werden wollte. Also drueckte ich ordentlich auf die Bremsen, bis ich endlich unten im Tal war. Dort liess der Regen dann auch endlich ein wenig nach, anscheinend hatten sich die Wolken am Berg abgeregnet. Als ich in die erste Stadt kam Bemerkte ich, dass ich ziemlich lange brauchte um zum Stillstand zu kommen und dass meine Bremsen beim bremsen irgenwie ein scharbendes Geraeusch erzeugten. Also hielt ich bei der nachsten Moeglichkeit an und schaute mir meine Bremsen an. Was ich dann sah erstaunte mich wirklich! Meine Bremskloetze waren runtergefahren bis zum absoluten Minimum! Normalerweise dauert das ewig, zum vergleich: Ich habe meine ersten Bremskloetze erst kurz vor meiner Tour gewechselt, das war ca. 5 Jahre nachdem ich das Fahrrad gekauft hatte. Nun ja, zum Glueck hatte ich mir ein kleines Ersatzteillager mitgenommen, in dem sich auch Bremskloetze befanden. Ich wechselte die Bremskoloetze unter dem schuetzenden Dach eines Kaufhauses. Was ein wenig stoerte waren die Verkaeufer, die mich durch das riesige Schaufenster anstarrten, als wuerde ich vor ihrer Tuer eine Bombe bauen. Na ja, ich kann sie verstehen, ich wuerde genauso gucken, wenn ein durchnaesster Japaner bei mir im Penny vor dem Fenster stehen wuerde und an seinem Fahrrad rumschraubt. Eigentlich hatte ich ja geplant, an diesen Tag nur bis in die naechste Stadt zu fahren, aber da der Regen nachliess und schliesslich ganz aufhoerte, radelte ich bis nach Nara, stolze 80Km. Dort angekommen galt es den Ryokan zu finden in den ich uebernachten wollte. Als ich an einer Kreuzung stand und fragend auf die Wegbeschreibung schaute, kam eine Frau zu mir und fragte mich wo ich hinwolle. Ich deutete auf die Karte. Sie wusste den Weg jedoch auch nicht, also fragte ich: Watashi wa doko desu ka? (Wo bin ich?). Sie guckte mich an und laechelte und teilte mir dann mit, dass sie nicht aus Nara kommt, toll... Eh ich mich versah, war die Frau auch verschwunden, nicht etwa um der peinlichen Situation zu entgehen(so wie ich es wahrscheinlich an ihrer Stelle getan haette), sondern um Pasanten anzusprechen und zu fragen, ob sie sich hier auskennen. Sie fand auch tatsaechlich innerhalb einer Minute jemanden. Dieser wusste es jedoch auch nicht, sagte aber "chizu, chizu"(Karte, Karte) und deutete nach rechts. Ich dachte: Toll, ein Stadtplan" und folgte ihm. Er wanderte jedoch in eine Apotheke und meinte zu mir, dass ich mich doch setzen solle, was ich bereitwillig tat, da ich meine Beine ganz schoen spuerte. Er verschwand hinter dem Tresen, nachdem er seine zwei Kolleginnen mit eingespannt hatte. Scheinbar nutzten sie irgendeinen Routenplaner... Nach 10Min. kam er mit einer Kollegin zu mir, in der Hand einen Stadtplan. Ich wollte ihn mir schnappen und verschwinden, da ich ihnen schon genuegend Unannehmlichkeiten bereitet hatte. Aber so laeuft das in Japan nicht! Die Kollegin bestand darauf, mir den Weg zu zeigen, ich versuchte dankend abzulehnen, aber ihr Kollege bestand auch darauf, also gab ich nach... Inzwichen hatte es wieder angefangen zu regnen. Die Apothekerin lief, mit ihrem Regenschirm in der einen und der Karte in der anderen Hand, vor mir her und ich folgte ihr, ohne irgendeine Ahnung zu haben, wohin es geht. Nach ca. 10Min. erreichten wir dann das Ryokan und um ehrlich zu sein: Alleine haette ich das nie gefunden, auch nicht mit Karte! Ich bedankte mich mehrmals und sagte, wie ich es mir von den Einheimischen abgeschaut hatte mehrmals "sumimasen"(Entschuldigung) und verbeugte mich noch dazu. Das ist das uebliche "danke-sagen" in Japan, nicht einfach "Vielen Dank"...
Im Ryokan angekommen ergatterte ich mir (mal wieder) das letzte freie Zimmer, in dem ich jedoch nur fuer eine Nacht bleiben konnte, da es fuer den naechsten Tag reserviert war. Aber das war okay, "bis dahin wird sich schon was anderes finden", dachte ich mir. Am Abend inspizierte ich erst mal die Umgebung, suchte nach der Touristeninformation und schlenderte eine Einkaufsstrasse entlang, die ich entdeckt hatte. Auf dieser Einkaufsstrasse befand sich ewas, nach dem ich schon die ganze Reise gesucht hatte, was ich aber bisher nicht gefunden hatte, eine "Spielhoelle"! Ich nahm mir fest vor, diese am Abend, nach der Touristeninformation zu besuchen. In der Touristeninformation konnte ich mir dann ein Zimmer organisieren , jedoch wieder nur fuer eine Nacht... Egal, dann halt am naechsten Tag wieder in die Touristeninfo... Am Abend ging es dann erst mal was Essen, und danach in die Spielhoelle. In dem Gebaeude war es unglaublich laut, ueberall blinkte es und es war sehr warm. Die perfekte Atmosphaere fuers zocken! Ich spielte an Trommeln, fuhr Rennen und versuchte Suessigkeiten zu angeln. Das war alles sehr amuesant. Dann war mein Kleingeld verpulvert und ich ging, gut gelaunt "Heim", legte mich, wie fast jeden Abend, noch einmal in die Wanne, bevor es dann ins Bett ging.
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 20:25:44 GMT
Tag 17:
Nara, Japan,
4/2008
Am naechsten Tag musste ich um 10Uhr das Ryokan verlassen, das war nicht so frueh, aber dafuer konnte ich im anderen Ryokan erst um 16Uhr einchecken... Was also mit dem Gepaeck und dem Fahrrad machen? Ich ging erst mal zu den anderen Ryokan, konnte mir ja schon mal anschauen, wo ich hin musste. Das Gebaeude war ziemlich vergammelt, aber das war ich inzwichen ja gewohnt. Ich klingelte, aber die Klingel funtionierte nicht, also ging ich zur Touristeninformation um die Zeit zu ueberbruecken und suchte mir dort ein Zimmer fuer den naechsten Tag. Dort (ein andres Infobuero) empfahl man mir die Jugendherberge. Ich wusste nicht, dass es in Nara eine Jugendherberge gab und stimmte bereitwillig zu, zumal diese wirklich guenstig war. Ich fragte gleich ob fuer heute auch noch ein Bett frei war. Dies war der Fall und so buchte ich das Bett fuer zwei Tage. In der anderen Unterkunft musste ich dann absagen, aber es war kein Problem fuer den Besitzer, wahrscheinlich hatte er inzwichen schon wieder 20 andere Anfragen... Der Weg zur Jugendherberge fuehrte mich durch halb Nara, im stroemenden Regen... Ich hatte Zeit, also stellte ich mich unter und strich auf der Stadtkarte von Nara die Sehenswuerdigkeiten an, die ich anschauen wollte. Nachdem ich das erledigt hatte und der Regen immer noch nicht nachgelassen hatte, beschloss ich einfach im Regen weiterzulaufen. Mit dem Schirm in der linken und dem Fahrradlenker in der rechten Hand versuchte ich den Weg zu bewaeltigen. Jedoch war es unmoeglich, das Fahrrad mit nur einer Hand zu lenken, geschweigedenn im Gleichgewicht zu halten. Nachdem mir das Fahrrad zum dritten mal auf den Buergersteig geknallt war, bekam ich einen Wutanfall und fluchte vor mich hin, am liebsten haette ich das Fahrrad einfach irgendwo ins Gebuesch geworfen. Jedoch konnte ich mich wieder beruhigen und beschloss erst mal Nervennahrung zu mir zu nehmen, Reisbaellchen und Schokolade. Da stand ich dann wieder unter einen Dach eines Supermarktes und wartete, dass der Regen aufhoert, das tat er aber natuerlich nicht... Also gabs nur eins, den Regenschirm zusammmenfalten und nur in der, inzwichen nicht mehr sehr gut impraegnierten, Regenjacke loslaufen. Nass bis auf die Knochen kam ich dann in der Jugenherberge an. Dort wurde ich schon erwartet und konnte sofort mein Zimmer beziehen, obwohl es gerade mal 13Uhr war. Ich zog mir schnell trockene Sachen aus meinen echt zuverlaessigen und vor allem wasserdichten Packtaschen an und ging, mit meinen Schirm bewaffnet, los um die Stadt zu erkunden. Als erstes stand der "Daibutsu"(grosser Buddha) auf dem Plan, der ca. 15m hoch ist und im groessten Holzgebaeude der Welt untergebracht ist.
Alles war ueberdimensioniert und der Buddha selber war zwar gross aber nicht schoen, der in Kamakura hat mir da wesentlich besser gefallen, auch wenn er kleiner war. Nachdem ich mich auf der festgelegten Route durch die Touristenmassen geschlaengelt hatte, machte ich erst mal eine Esspause.
Danach ging ich auf einen Huegel wo sich der Glockenturm des Klosters befand, ein einfaches Gebaeude mit einer wirklich schoenen Glocke! Nun konnte ich mich wieder frei bewegen und schlenderte ueber kleine Nebenpfade, die an Seen und schoenen Gaerten vorbeifuehrten zur grossen Pagode von Nara. In der Naehe der Pagode befand sich ein Tempel, der ebenso wie der Daibutsu zum Weltkulturerbe zaehlt. Leider war der Tempel wegen renovierungsarbeiten geschlossen, also schaute ich mir nur die Pagode an, was auch nur von aussen erlaubt war.
Im Regen ging ich dann Richtung Jugenherberge zurueck, machte den inzwichen obligatorischen Abstecher in den Supermarkt, und setzte meinen Weg fort. Kurz vor der Jugenherberge, spuerte ich dann einen Schmerz in meinem Ohr, der dann urploetzlich weg war. Ich dachte mir:"Was war denn das?!" und schaute mich um. Dann sah ich einen kleinen Apparat, der rot blinkte und ich dachte mir, dass der das vielleicht war. Am naechsten Tag, als ich wieder an diesem Haus vorbei ging, inzwichen hatte ich vergessen, dass dieses Geraet da stand, bekam ich die Bestaetigung. Ich horte ein klacken und dann war da wieder dieser tolle Schmerz im Ohr. Die naechsten Tage machte ich dann einen grossen Bogen um dieses Haus! Am Abend unterhielt ich mich dann mit jeden „gaiijn", den ich der Hergberge finden konnte. Diese waren: Ein lesbisches Paar aus Belgien und eine Daenin. Mit den Lesben konnte ich nicht lange reden, da sie ins Bad wollten. Mit der Daenin hingegen unterhielt ich mich laenger. Anfangs nur ein paar Minuten vor dem Fernseher in der Lobby, dann spaeter noch einmal im Speisesaal. Die war echt interessant! In Daenemark besitzen ihre Eltern eine Farm und dort arbeitet sie mit, aber nur die haelfte des Jahres, den Rest kann sie machen was sie will. Also beschloss sie alleine fuer 4 Monate nach Japan zu reisen! Genial! Hier reiste sie dann mit der Bahn und spaeter mit dem Bus, da ihr die Bahn auf Dauer zu teuer wurde. Alle grossen Stadte hatte sie nun schon gesehen und wollte jetzt noch einen Bekannten in Tokyo besuchen. Sie war nun schon 3 Monate in Japan. Das machte mir echt Mut, mein Heimweh war wie weggefegt! Wir schauten dann noch ein Fotoalbum an, dass ihr Bruder vor ihrer Abreise fuer sie gemacht hatte. Wir waren so in das Gespraech vertieft, dass wir ganz die Zeit vergassen und am Ende um halb eins noch redeten. Als ich ihr die Uhrzeit nannte lachte sie und meinte, sie muesse morgen um 6Uhr aufstehen um ihren Bus zu bekommen. Ich entschuldigte mich, dass ich sie so lange aufgehalten hatte. Sie meinte, dass es ihr sehr sut gefallen haette mal wieder mit jemanden ueber die Heimat reden zu koennen und dass das okay sei. Am naechsten morgen fiel mir dann ein, dass wir die E-Mail Adressen haetten austauschen konnen, leider war sie da schon weg...
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 20:40:43 GMT
Tag 18:
Nara, Japan,
4/2008
Am naechsten Tag wollte ich mich dann mal ein wenig abseits der Haupt-Touristenrouten bewegen und beschloss, in das Handwerksviertel Naras zu gehen. Da mir jedoch nur noch eine Weltkulturstaette fehlte, beschloss ich, als ich bereits auf den Weg war, einen Abstecher in den sog. "Kasuga-Wakamiya-Schrein" zu machen. Dieser Tempel ist bekannt fuer seine 3000! Laternen die sich im und um den Tempel finden. Der Tempel war nicht besonders gross und sehr schoen inmitten des Waldes gelegen.
Mit seiner kraeftigen orange-roten Farbe hob er sich stark vom Gruen des Waldes ab, ohne dass dieser Komplementaerkontrast die Wirkung des Gesamtbildes erschlug (Das waere meine Wortwahl in einer Kunst-LK Arbeit gewesen, die Nachwehen...). Jetzt gehts aber wieder normal weiter. Die vielen Laternen waren entweder aus Stein(ausserhalb des Tempels) oder aus Kupfer/Bronze(innerhalb des Tempels). In der Mitte des Tempels stand eine alte Kiefer, an welcher ein Schild angebracht war. Diese Kiefer war laut Schild ca. 1000 Jahre alt! Sie hatte mehrere Kriege und Braende im Tempel ueberstanden! Ich versuchte mir das vorzustellen und war einfach ueberwaeltigt.
Nachdem ich einige Zeit in den Laternengaengen herumgelaufen war, beschloss ich, weiter in das Handwerkerviertel zu gehen.
Als erstes besichtigte ich dort das Kunsthanwerkszentrum von Nara, ein Museum mit kostenlosen Eintritt! Das Museum war sehr schoen und interessant gestaltet!
Es wurden unter anderem Kalligraphien, Holzarbeiten, Toepferarbeiten, die Herstellung von traditionellen Alltagsgegenstaenden und vieles anderes mehr gezeigt. Ausserdem gab es viele Exponate.
Von allem was ich bisher in Nara gesehen hatte, gefiel mir dieses Museum am besten! Als naechstes sollte es zu einer Toepferei gehen, wo ich den Herstellungprozess der Toepferarbeiten, die mir so gut gefallen hatten, vor Ort beobachten wollte. Jedoch war ich nicht in der Lage, die Toepferei zu finden, das Gebaeude, welches die Toepferei haette sein sollen, sah nicht aus wie eine... Also liess ich das bleiben. Auf meinem Rueckweg fand ich dann durch Zufall etwas sehr interessantes: Die Rekonstruktion eines traditionellen Handwerkerhauses. Das liess ich mir natuerlich nicht nehmen und ging sofort hinein. Am Empfangschalter erkundigte ich mich nach dem Eintrittspreis. Auch dieses Gebaeude war zu meinen Erstaunen kostenlos! Also nichts wie rein! Das Haus war einfach genial konstruiert! Da im alten Japan, die Haeusser nach der breite ihrer Fassade besteuert wurden, war dieses Haus ziemlich schmal. Im ersten Raum fand sich das Wohnzimmer, dahinter gleich ein zweiter Raum, welcher durch Schiebetueren vom ersten getrennt wurde. Waren die Schiebetueren geoeffnet, hatte man einen doppelt so grossen Raum. An der linken Seite des zweiten Raumes befand sich eine sog."Kastentreppe" welche in den zweietn Stock fuehrte. Diese Kastentreppe war mich zahlreichen Faechern und Schubladen versehen, sodass man zusaetzlichen Stauraum gewann. Im oberen Stockwerk befand sich ein riesiger Raum, in welchen Sachen gelagert, getrocknet oder was auch immer gemacht werden konnte, ein Multifuntionsraum. Zurueck im Erdgeschoss kam man In einen dritten Raum, der ebenso aussah wie der Erste und Zweite und wieder mit einer Schiebetuer abgetrennt werden konnte. Verliess man diesen Raum durch die rechte Schiebetuer, so kam man in die Kueche, welche sich sozusagen in einen ueberdachten Hof befand. Alles in Ofennaehe war Feuerfest, ueber dem Ofen gab es hoch gelegene Fenster, durch welche der rauch entweichen konnte. Hinter der Kueche befand sich der Brunnen und ein kleiner Garten, in welchen sich, in je einen kleinen Raum, das Bad und die Toilette befand. Hinter dem Garten befand sich ein weiterer "Multifunktionsraum", welcher wiederrum in zwei Raeume unterteilt werden konnte, dahinter widerrum ein sepperates Gebaeude, welches als Vorratskammer diente. 
Dieses Haus erstaunte mich zutiefst, da es bis ins letzte Detail durchdacht war! Danach ging es zurueck in die Jugendherberge. Den Weg dorthin nutzte ich fuer einen Spaziergang durch Viertel, die ich noch nicht gesehen hatte. In der Jugendherberge packte ich dann meine Sachen, denn am naechsten Morgen sollte es nach Kyoto gehen.
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 21:08:54 GMT
Tag 19:
Kyōto, Japan,
4/2008
Heute sollte es nach Kyoto gehen, das kulturelle Herz Japans. Die Tagestour war auf ca. 45Km angesetzt, locker zu schaffen an einen ganzen Tag. Gleich zu Beginn meiner Tour verfuhr ich mich jedoch mal wieder. Diesmal waren es nur ca. 5Km, ich werde besser! Dann ging es aber ohne weitere Umwege nach Kyoto. Das Wetter war schoen, es hatte zum Glueck aufgehoert zu regnen. Als ich in Kyoto ankam musste ich mich erst einmal orientieren, in so einer grossen japanischen Stadt war ich bisher noch nicht gewesen. Es galt, zur JR (Japan Railway)-Station Kyoto zu kommen. Zum Glueck fuehrte eine Hautstrasse in die Naehe des Bahnhofes. So blieb es mir erspart, mich durch kleine Gassen zu suchen. Am Bahnhof suchte ich dann als erstes die Touristeninformation. Dort bekam ich einen Stadtplan und die Beschreibung des Weges zu den beiden Jugendherbergen. als ich fragte, ob in den Herbergen noch plaetze frei seien, wurde mir mitgeteilt, dass man hier dafuer nicht zustaendig sei und ich doch bitte zur Touristeninformation auf der anderen Seite der Station gehen sollte. Ich fragte, wie man da hin kommt. Der Mann laechelte und meinte, ich solle einfach ueber die Treppen gehen. Ich zeigte auf mein Fahrrad und meinte, dass es zu schwer sei um es die Treppen hochzutragen. Er sagte:"Ah so desu ka?" (Eine Floskel die Verwunderung oder so ausdrueckt) und malte mir den Weg auf meine Karte. Ich durfte einen schoenen Umweg fahren und kam dann endlich auf der anderen Seite der Station an. Dort konnte ich einen Lageplan entnehmen, dass sich die Touristeninformation im 2. Stock des Gebaeudes befand, toll... Also doch schleppen?! Nein! Ich fand einen kleinen aber feinen Aufzug, in den ich und mein Fahrrad gerade so hineinpassten. In der 2. Etage angekommen, wurschtelte ich mich und mein Fahrrad irgendwie aus dem engen Fahrstuhl, unter den erstaunten Blicken einiger auf den Fahrstuhl wartender Japaner. An der Touristeninformation fragte ich dann, ob in der Herberge nun ein Platz frei sei oder nicht. Der unfreundliche Herr hinter dem Tresen meinte nur, dass er das nicht wuesste und sie davon abgesehen auch keine Reservierungen machen wuerden. Wenn ich eine Auskunft haben wollle, solle ich doch in der Jugendherberge anrufen. Ich dachte wehleidig an den Service in Nara, wo alles so einfach gewesen war... Also galt es nun in der JH anzurufen. Ich waehlte die Nummer der Jugendherberge, welche weiter Ausserhalb lag, da ich dachte, dass es wahrscheinlicher ist, dort einen Platz zu finden. Am anderen Ende der Leitung antwortete jedoch nur ein Anrufbeantworter und teilte mir irgendetwas auf japanisch mit, was ich aber nicht im Ansatz verstand. Es half alles nichts, ich musste direkt zur JH fahren. Der Weg dorthin war ziemlich lang, laenger als ich gedacht haette und fuehrte mich durch halb Kyoto. An der Jugendherberge angekommen, musste ich feststellen, dass dort wo die Herberge eigentlich sein sollte, nur eine riesige Baustelle war. Bei Einheimischen erkundigte ich mich, ob die Herberge wirklich dort sei. Sie bejahten es, nun hatte ich ein echtes Problem! Ich fragte die beiden Herren ob sie eine Unterkunft in der Naehe kennen wuerden. Sie meinten, die Strasse abwaerts gaebe es ein Mishiku(jap. Bed&Breakfast), malten mir die Kanji dafuer auf und schickten mich laechelnd meines Weges. Also zum Minshiku. Ich radelte einen schoenen, idyllischen Weg entlang und kam an einen kleinen See vorbei.
Dort traf ich auf einen anderen Gaijin. In der Hoffnung, dass er Tourist war und irgendwo hier in der Umgebung sein Quartier hat, fragte ich ihn. Er sagte, dass er kein Tourist sei und dass er mir auch nicht sagen koennte, wo ich den Minshiku finden kann, da er selber das erste mal in dieser Gegend sei und sich verlaufen habe... Also fragte ich einige Einheimische und schliesslich fand ich den Minshiku auch. Dort fragte ich nach einem Zimmer fuer eine Nacht, aber es war alles ausgebucht. Also weiter. Da ich aber keine Lust hatte, den ganzen Weg zurueckzufahren, der nochdazu bergauf ging, hielt ich an einer Telefonzelle. Ich hatte genau vier 10Yen Muenzen zum telefonieren, max. 4 Anrufe also. Der erste Anruf ging an einen Ryokan ganz in der Naehe. Ausgebucht. Also einen anderen etwas ausserhalb. Auch ausgebucht. Warum auch immer rief ich dann die andere Jugendherberge an. Diese hatte dann auch tatsaechlich noch ein Zimmer frei. Jetzt musste ich schnell sein. Ich fragte, wie lange ich maximal bleiben koenne, sie meinten 4 Tage. Das war nicht genau das was ich wollte, ich wollte 6 Tage bleiben, aber egal, es war okay. Ich gab schnell meine Personalien durch und sagte noch schnell, dass ich gleich vorbei komme, dann war die Verbindung weg, perfektes Timing! Da ich jetzt einen Platz zum uebernachten hatte, war ich wesentlich entspannter, was die Bewaeltigung des Rueckweges anging. Die andere Jugendherberge lag am entgegengesetzten Ende der Stadt, aber das war mir jetzt egal! Ich ass zwei Bananen, eine halbe Tafel Schokolade und machte mich auf den Weg. Diese Herberge fand ich ohne grosse Probleme. Als ich dort ankam schaute ich auf meinen Tacho um die Tageskilometer abzulesen und ich staunte nicht schlecht, hatte ich es doch geschafft allein durch das Verfahren und die Sucherei meine Tageskilometer von geplanten 45Km auf knapp 80Km zu bringen! Ich scheckte ein und legte mein Gepaeck ab, danach erkundete ich die Umgebung. Ich fand ein Restaurant fuers Abendessen, eine Spielhoelle und mehrere Supermaerkte. In den "Restaurant", dass eher ein Imbiss war ging ich dann Abends guenstig Curry essen, danach noch in die Spielhoelle und schliesslich zurueck in die Herberge, wo ich mich satt und zufrieden schlafen legte.
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 21:55:16 GMT
Tag 20:
Kyōto, Japan,
4/2008
Fuer heute stand der sog. "Philosophenweg" als erste Etappe auf dem Plan. Dieser Weg fuehrt an einen kleinen Bach entlang und sollte einen Spaziergang wert sein, laut meinen Reisefuehrer. Da mich der Name magisch anzog, liess ich mir das natuerlich nicht nehmen. Ich lief von der Jugendherberge bis zum Anfang dieses Weges, obwohl, eigentlich startete ich vor dem eigentlichen Philosophenweg, aber trotzdem am Bach. Der Weg dahin dauerte ca.30Min. und fuehrte mich direkt aus der Stadt in eine ruhigere Gegend. Ich kam an schoenen Tempeln vorbei und genoss die Ruhe um mich herum. Als ich am Bach ankam, lag ein schoener kleiner Weg vor mir, wo man die Wahl hatte, ob man auf Trittsteinen oder auf dem Schotterweg laufen wollte. Ich entschied mich fuer die Trittsteine. Der Philosophenweg war wirklich sehr schoen. Zu seiner rechten hatte man den kleinen, leise dahinplaetchernden Bach und ueber einem ein Dach aus Blaettern und Blueten verschiedenster Baumarten. Selbsverstaendlich waren auch Kirschbaeume vorhanden, welche auf einen Weg in Japan nie fehlen duerfen!
Diese Baeume standen gerade in voller Bluete und waren wirklich schoen anzusehen. Der Weg fuehrte zum sog. "Silbernen Pavillon", welchen ich mir, wenn ich schon gerade in der Gegend war, natuerlich anschauen wollte! Leider war auch dieser wegen Renovierungsarbeiten geschlossen... "Dann eben nicht", dachte ich mir und lief den tollen Philosophenweg zurueck.
Zurueck in der Jugendherberge nahm ich mir mein Fahrrad und radelte zur "Nijo-jo", der Burg von Kyoto. Diese wurde als Machtdemonstration vom, zu dieser Zeit herschenden, Shogun gebaut und sie demonstrierte enorme Macht! Die Burg erstreckte sich ueber ein riesiges Areal und bestand aus einer aeusseren und einer inneren Burg. Sowohl die aeussere als auch die innere Burg waren mit einer hohen, massiven Steinmauer und einen Wassergraben von ca.5m Breite gesichert.
In dem Areal der ausseren Burg befand sich der Wohn- und Regierungssitz des Shogun, von welchen aus er seine Truppen befehligte und Gaeste empfing und wo er natuerlich auch lebte. In der inneren Burg gab es eigenntlich nichts weiter, ein paar Gebaeude, deren Sinn mir aber unbekannt bleiben sollten... Der Sitz des Shogun war unglaublich praechtig und gross! Doch zugleich war alles auch irgendwie schlicht. Die Raeume waren mit Tatami-Matten ausgelegt, die Waende mit praechtigen Malereien versehen und die Decken holzvertaefelt. Insgesamt wurden in den gesamten Gebaeude 800 Tatami-Matten verlegt, also eine riesige Flaeche(eine Tatami Matte ist ca. 150cm mal 50cm gross). Der Eingang war mit sehr aufwaendigen Schnitzereien versehen, wie ich sie in der Art noch nie gesehen hatte, eben typisch japanisch, schwer zu beschreiben...
Was mir besondere Freude bereitete war der Boden des Gebaeudes. Dieser sah aus wie ein ganz normaler Holzboden, wenn man aber ueber ihn lief, quietschte er. Toll, ein alter Boden, der schon halb vergammelt ist und deshalb quietscht, werden manche denken, aber das Quietschen war Absicht! Unter jeder Holzleiste befanden sich Naegel, welche hinuntergedrueckt wurden, wenn man ueber die jeweilige Holzleiste lief. Diese scharbten dann an einem anderen Metallstueck, wodurch dieses Quietschen entstand. Dieser Mechanismus hatte den Sinn, Eindringlinge, welche mit Vorliebe im Schutz der Dunkelheit in das Schloss eindrangen, zu ertappen, bevor sie den Shogun abmurksen konnten. Sehr raffiniert! Mein Spass bestand jetzt darin, mich ueber diesen Boden zu bewegen, ohne Geraeusche zu erzeugen. Dies gelang mir auch halbwegs, aber hin und wieder quietschte es doch, egal wie sehr ich mich bemuehte... Und ein Quietschen haette gereicht um mich zu entlarven..! Wie man vielleicht gemerkt hat, war ich von diesen Schloss absolut begeistert, aber ich Liste jetzt hier nicht alle Details auf, die mich begeistert haben, sonst wird das hier echt noch ein Roman!
Da ich nach dem Besuch der Burg so gut gelaunt und voller Tatendrang war, besichtigte ich noch den "Kiyomizudera-Tempel", der fuer seine riesen Terasse mit der ausgekluegelten Stelzenkonstruktion darunter bekannt ist. Von diesen Tempel sollte man einen schoenen Blick ueber ganz Kyoto haben, was ich mir im Sonnenuntergang besonders schoen vorstellte.
Da es nun bald 17Uhr war und die Sonne um 18.10Uhr anfaengt unterzugehen, war ich perfekt in der Zeit! Ich besichtigte noch den Tempel und machte eifrig Fotos. Um 17.45 Uhr possitionierte ich mich mit meiner Kamera auf der Terasse und wartete darauf, dass die Sonne den Bergkamm hinter Kyoto beruehrt. Um Punkt 18Uhr wurde ich dann... aus dem Tempel geworfen. Also nicht nur ich, sondern alle Touristen, da der Tempel um 18Uhr schliesst, so etwas idiotisches! Ich hetzte durch die Gegend, auf der verzweifelten suche nach einen Platz um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Jedoch fand ich keinen sonderlich guten, oder zumindest keinen der mit dem Tempel vergleichbar war. Das aergerte mich wirklich!
Um meinen Kummer zu heilen, radelte ich direkt in mein neues "Stammlokal". Dort verspeisste ich eine Schale Reis mit gebratenen Fleisch und ging in die Herberge zurueck, wo ich noch eine tolle Sendung schaute, in der Leute vera...lbert wurden, wie versteckte Kamera, nur ein wenig extremer, wie fast alles andere in Japan auch...
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 22:06:09 GMT
Tag 21:
Kyōto, Japan,
4/2008
Am naechsten Morgen wurde ich wieder, wie jeden morgen, durch die schrille Mikrofondurchsage des Herbergenleiters geweckt, der mit seiner schrillen Stimme irgendwas auf Japanisch erzaehlte, was ich nicht verstand... So viel weiss ich: Es war immer dasselbe! Nachdem die Lautsprecherdurchsage zu Ende war, wollte ich mich noch einmal umdrehen und weiterschlafen, das wurde aber von meinen netten Zimmerkammeraden vereitelt, welche sich so laut unterhielten, dass an weiterschlafen nicht mehr zu denken war... Schlecht gelaunt stand ich auf und fruehstueckte. Nachdem ich das erledigt hatte, ging ich zurueck ins Zimmer und sah, dass vor dem Bett neben mir Fahrradpacktaschen lagen. Ein ziemlich duenner Junge stopfte etwas in diese Taschen. Ich ging zu ihn und fragte ihn, ob er mit seinen Fahrrad reisen wuerde. Er bestaetigte dies und gleich fing ich an, mich angeregt mit ihm zu unterhalten, war er doch der erste "Mitstreiter" den ich bisher getroffen hatte. Ich erzaehlte ihm, dass ich von Narita aus hier nach Kyoto geradelt sei und dass ich weiter nach Osaka wolle. Er war erstaunt. Ich dachte mir: "Auch nur so ein Wochenendradtourist..." und war ein wenig enttaeuscht. Um sicher zu gehen fragte ich ihn, wo er herkomme und wo er hinwolle. Er meinte, er sei aus Osaka und wolle nach Hokkaido! Nach Hokkaido! Also da hatte er eindeutig mehr vor als ich! Ich war erstaunt, zumal wenn man seine Ausruestung beachtete. Er hatte Stoffpacktaschen, ein Mini-Zelt, eine duenne Isomatte und eine Stofftasche. Er fragte mich, ob er mein Fahrrad ansehen koenne, ich willigte ein, in der Hoffnung auch sein Fahrrad zu Gesicht zu bekommen. Unsere Fahrraeder glichen sich erstaunlich! Beide Mountainbikes, beide rot und beide eher einfach, ohne viel schnick-schnack. Er hatte jedoch 3 Lampen an seinen Fahrrad, scheinbar ein Sicherheitsfanatiker. Ich schaute ihn dann noch zu, wie er sein Fahrrad bepackte und war ensetzt! Die Packtaschen klickte er ganz normal an den Gepaecktraeger, die Stofftasche und die Isomatte befestigte er dann aber nur mit einer Schnur. Das Gepaeck war schief gepackt und zum kroenenden Abschluss machte er dann statt einen Knoten eine Schleife in das Seil. Die Schnuere des Stofftasche hingen hinunter. Ich wiess ihn darauf hin, da ich nicht wollte, dass sich diese in seinen Speichen verfangen. Er bedankte sich und fuhr, nachdem er ein Foto von mir mit sich gemacht hatte, heiter los.
Ich stellte mir vor, wie er durch den Regen fuhr und dann nach der langen Tagestour festellen muss, dass sein Zelt, sein Schlafsack, seine Klamotten, einfach alles nass ist. Na ja, er ist ja im eigenen Land unterwegs und kann seine Tour jederzeit abbrechen. Wuerde mich echt interessieren, ob er es bis nach Hokkaido schaffen wird.
Nun machte ich mich aber auf zum Kaiserpalast. Auf den Weg dorthin, fiel mir ein, dass in der Naehe des Palastgartens ein Hotel sein sollte, das laut meinem Reisefuehrer guenstig und gut sein soll. Da ich ja noch eine Unterkunft fuer 2 Tage suchte, schaute ich dort vorbei. An der Rezeption erfuhr ich, dass tatsaechlich noch ein Zimmer frei war, ich bin schon ein Glueckspilz! So ersparte ich mir weiteres, nervenzehrendes Suchen und ging gut gelaunt zum Kaiserpalast. Dort konnte ich aber nicht einfach eintreten, nein, ich musste erst einmal in ein Buero und eine Genehmigung beantragen. Dafuer wurde mein Ausweiss kontrolliert, ich musste meine Personalien angeben und zum Schluss wurde von allem noch mal eine Kopie angefertigt. Dann bekam ich den Passierschein, musste dann noch einmal den Ausweis am Eingang vorzeigen und war dann endlich im Schloss. Das Schloss betrat ich (ebenso wie die anderen auslaendischen Touristen) durch den Eingang der Diener, der Rangniedersten.
In einen Warteraum lief dann ein kleines Video und nachdem dieses zu Ende war begann die Tour. Das Schloss bestand aus drei "Sektoren":1. Den weltlichen Teil, 2. Den spirituellen Teil und 3. Den Teil in den die Familie des Kaisers lebte. Das gesamte Schloss war von einer hohen ueberdachten Mauer umgeben und erstreckte sich ueber ein riesiges Areal.
Wir besichtigten den Weltlichen und den spirituellen Teil, der Teil in dem die Familie lebte blieb uns verwaehrt, warum auch immer...
Auf der Tour erfuhr ich, dass das Schloss mehrere Male komplett abgebrannt war und exakt so wie vorher wieder aufgebaut wurde. Ein Feuer wurde durch eine Feuerwerksrakete ausgeloest, die 2Km entfernt abgeschossen wurde und ungluecklicherweise auf dem leicht entflammbaren Dach des Kaiserpalastes landete.
Seitdem ist jegliches Feuerwerk in Kyoto verboten... Nach der Besichtigung des Kaiserpalastest beschloss ich zur naechsten "Top-Sehenswuerdigkeit" zu gehen, den sog. "Goldenen Pavillon".
Ich denke der sollte so ziemlich jeden ein Begriff sein. Also radelte ich dort hin. Ich zahlte meien Eintritt und da stand ich nun, vor dem Pavillon. Ich macht ein paar Fotos und wollte mir ihn ganauer anschauen, was nicht moeglich war. Nach innen konnte man auch nicht schauen, da er verrammelt war. "Also..." dachte ich mir "...gehe ich halt ein wenig durch den Garten.". Ich fand einen kleinen Weg, den ich folgte. Ich lief 5 Min., dann passierte ich ein Tor. Ich war voller Erwartung, was nun kommen wuerde, ein Steingarten? Ein See? Ein Bambushain? Nein, es erwarteten mich Souvenirshops. Da begriff ich: Ich hatte das Gelaende des Pavillons soeben verlassen. Da es nur einen Weg gab, konnte ich auch nicht falsch gegangen sein, dieser kurze Weg und der Pavillon war schlicht und ergreifend alles, was es dort gab. Enttaeuscht und ein wenig veraergert fuhr ich zurueck in die Herberge. Was ich an den jap. "Top-Sehenswuerdigkeiten" am meisten hasse ist, dass man einfach durchgeschleust wird, wie ein Rind durch ein Gatter. Das ist nicht die Art von Besichtigung, die ich mag. Also mied ich ab jetzt die "Top-Sehenswuerdigkeiten", zumal ich die wichtigsten sowieso schon gesehen hatte...
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Bearbeitet Thu, 17 Sep 2009 22:18:00 GMT
Tag 22:
Kyōto, Japan,
4/2008
An diesen Tag bin ich zum sog. "Fushimiinari-Schrein" gefahren. Das besondere an diesem Tempel ist, dass ein Weg, der von tausenden von "Toriis"(Eines bildet den Eingang zu einen Shinto Schrein) "ueberdacht" ist. Diese reihen sich bis zum Gipfel eines Berges dicht aneinander. Als ich am Tempel ankam, sah ich jedoch zunaechst keine Toriis, also wanderte ich durch die Gegend, bis ich endlich den Anfang fand.
Dann ging ich den Weg hoch zum Gipfel. Dieser war ziemlich lang, wieviele Kilometer weiss ich nicht, und ging steil bergauf. Zahlreiche Nebenwege gingen von den Hauptweg ab und ich liess es mir natuerlich nicht nehmen, diese entlangzulaufen. Man wusste nie, was einen erwartet. Beim ersten Nebenweg kam ich in einen sehr idyllischen Bambuswald, etwas, was ich noch nie, ausser auf Fotos gesehen hatte.
Andere Nebenwege fuehrten mich zu "Friedhoefen", auch wenn diese kaum so wirken, und zu zahlreiche kleinen Nebentempel. Nach langen, steilen Marsch kam ich dann am Gipfel an, der fuer mich aber nicht wie einer wirkte, da es aber nur noch nach unten ging, musste er es gewesen sein... Auf der halben Strecke meines Abstiegs (hoert sich ja an wie eine Erstbesteigung eines 8000ers...)fand ich einen wunderbaren Aussichtspunkt, von dem aus man auf Kyoto hinabschauen konnte. Ich setzte mich dort auf eine Bank und liess meine Gedanken schweifen, eine tolle Erfahrung, einfach so lange man moechte, wo man moechte ohne irgendeinen Grund zu sitzen und in sich hinein zu horschen!
Meine innere Stimme teilte mir mit, dass ich in diesen Moment absolut zufrieden war. Dann ging es weiter Richtung Anfang des Weges(ich wollte nicht "bergab" schreiben). Dort angekommen, schlenderte ich noch an einigen Souvenirshops, an einem See mit Schildkroeten und einen witzigen Tempel mit Froschstatuen vorbei. Dann setzte ich mich auf mein treues Gefaehrt und fuhr zum "Campus Plaza", wo man kostenlos fuer 1Std. ins Internet kann. Da ich dann schon in der Gegend wae, wo die Pagode von Kyoto stand, machte ich einen Abstecher dorthin. Die Pagode ist 54m hoch, wenn ich mich richtig erinnere, und gilt laut Reisefuehrer als Symbol Kyotos. Das lasse ich mal so dahingestellt, ich habe noch nie vorher von ihr gehoert... Die Pagode war zwar gross, aber das war auch alles. Braun in braun, ein wenig verwittert stand sie da und durfte, wie sollte es anders sein, nicht betreten werden. Ich machte ein paar Fotos und fuhr anschliessend weiter. Ich verbrachte nur ca. 20min bei der Pagode, das sagt wohl alles... Dann ging es zurueck in die Jugendherberge, wo ich mein Fahrrad abstellte. Anschliessend ging ich in die Einkauspassage von Kyoto, die ich in 15min. zu Fuss erreichen konnte. Sehr praktisch! Diese ist nicht vergleichbar mit unserer Zeil, sie ist so, wie ca. 10 mal unsere Zei, da die gesamten Nebenstrassen auch riesige Einkaufspassagen sind. Ich habe es nicht geschafft, jede Passage anzuschauen, obwohl ich den halben Tag dort verbrachte... In diesen Einkaufsviertel konnte man wirklich alles kaufen, was man brauchte und vieles, was man nicht brauchte... Diese Einkaufsstrasse ist eine wahres Konsum-Mekka, ueberall wird man verfuehrt Geld auszugeben, hier konnte man wirklich arm werden. Ich kaufte mir an diesen Tag ein paar rote Chuks, da meine Chucks schon langsam zerfallen und einen Hut, warum, weiss ich selber nicht genau, ein impulsiver Akt... Natuerlich ging ich auch in eine Spielhoelle, welche sich als eine verbesserte Version der Spielhoelle entpuppte, die ich vorher besucht hatte. Dort gab es ein Schlagzeug-Spiel! Das ganze sah aus wie ein handelsuebliches E-Drumset(hoffe jeder weiss wie so ein Teil aussieht...), links neben den Becken befand sich ein Schlitz fuer das Geld und vor einem flimmerte ein Bildschirm. Nachdem man 100Yen (ca.72cent) eingeworfen hatte, konnte man aus einer ganzen Liste von Liedern eines auswaehlen, zu dem man dann das Schlagzeug spielen konnte. Natuerlich gab es verschiedene Schwierigkeitsstufen. Ich waehlte mir als erstes "Fat Lip" von "Sum41" aus, ein Lied, das ich wirklich sehr mag und legte los. Auf einfach klappte es auf anhieb ganz gut. Also steigern! Nun waehlte ich mir "Paranoid" von "Black Sabbath" aus, auch eines meiner Lieblingslieder und los gings! ... oder auch nicht..! Ich versagte jaemmerlich! Das Lied war zu schnell und zu schwer. Aber jetzt ging der Spass erst richtig los! Da ich mich herausgefordert fuehlte. Und ich liebe Herausforderungen! Also spielte und spielte ich, bis ich schliesslich die Note "A" bekam, das bestmoegliche. Das war jedoch nur auf "einfach" also galt es jetzt, "mittel" zu bewaeltigen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen war dann mein Kleingeld erschoepft und ich verliess, ein wenig unzufrieden, die Spielhoelle. An dieser Stufe beisse ich mir bis jetzt immer noch die Zaehne aus! Aber ich werde besser! Danach ging es wieder in die Herberge, wo ich ein paar Australier traf. Ich begann gleich ein Gespraech mit ihnen, in dem ich erfuhr, dass sie an einem Schueleraustausch teilnahmen und nun auf den Nachhauseflug warteten. Da sie durch das ganze Land gereist waren, waren sie nun in der Herberge, da es nicht in jeder Stadt eine Patnerschule gab. Spaeter stellte sich dann raus, dass ich mir ein Zimmer mit ihnen teilte. Der eine Australier konnte sogar ein wenig Deutsch sprechen, da er es 4 Jahre in der Schule belegt hatte. Es war zwar ungefaehr so gut wie mein franzoesisch (also schlecht...) aber dennoch verstaendlich. Es erstaunte mich sehr, dass in australischen Schulen deutsch gelehrt wird! Nach dem Gespraech nahm ich mein, inzwichen allabendliches, Bad und ging anschliessend schlafen.
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Bearbeitet Fri, 18 Sep 2009 21:00:43 GMT
Tag 23:
Kyōto, Japan,
4/2008
Heute musste ich die Jugenherberge verlassen und in das "Palace-Side Hotel" umziehen. Und wie haette es anders sein koennen, natuerlich regnete es..! Also wieder warten, dass der Regen nachlaesst. Ich setzte mich auf die Terasse eines Supermarktes und wartete, bis das Wetter tatsaechlich besser wurde. Am Hotel angekommen, war es natuerlich zu frueh um mein Zimmer zu beziehen, ich konnte erst ab 14Uhr(was schon ziemlich frueh ist) einchecken, da ich aber bis 9Uhr in der Herberge ausgecheckt haben musste, war es jetzt erst 10Uhr. An der Rezeption fragte ich, ob ich mein Gepaeck irgendwo im Hotel lassen koenne. Die Dame an der Rezeption meinte, ich solle es einfach hier stehen lassen, es wuerde dann auf mein Zimmer gebracht werden. So einen Service war ich nach Camping und Jugendherberge gar nicht mehr gewohnt. Dankend nahm ich an. Da ich nun noch einiges an Zeit hatte, zog ich los und erkundete meine neue Umgebung. Viel gab es dort aber nicht... Direkt vor dem Hotel den Palastgarten, den kannte ich aber schon, ansonsten nur Firmengebaeude und Wohnhaeuser. Dann bemerkte ich plötzlich, dass ich meinen Schirm in der Jugendherberge vergesen hatte. Also wieder zurück in die Jugendherberge. Da ich zu Fuss unterwegs war und keine Lust hatte zum Hotel zurückzulaufen und mein Rad zu holen, diesmal zu Fuß... Der Weg zog sich ganz schön hin und wie sollte es anders sein, begann es zu regnen, nicht viel und auch nicht sonderlich lange, Gott sei Dank! In der Jugendherberge angekommen schnappte ich mir den Schirm, erklärte der Küchendame, welche die einzige Person zu dieser Tageszeit war, welche anwesend war, was ich vergessen hatte, nämlich meinen "kasa". Sie verstand es auf Anhieb und ich konnte ohne Verzögerungen von Dannen ziehen. Ich begab mich wieder einmal in die Spielhölle, die ich inzwichen wirklich lieb gewonnen hatte und spielte wieder einmal mein Lieblingsspiel, das mit den E-Drums. Nach 3 Spielen hatte ich jedoch keine Lust mehr und beschloss ins Hotel zurückzugehen. Dort setzte ich mich an den PC in der Empfangshalle und schrieb fleißig an meinen Tagesberichten weiter. Am Abend schaute ich dann einen amerikanischen Baseballfilm auf einem englischsprachigen Programm, das Erste während meiner gesamten Reise! Danach legte ich mich schlafen.
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Bearbeitet Fri, 18 Sep 2009 21:08:18 GMT
Tag 24:
Kyōto, Japan,
4/2008
Am Abend zuvor hatte ich mir fest vorgenommen, so lange zu schlafen wie es geht, also das erste Mal auf meiner Reise auszuschlafen. Aber natürlich war das nicht möglich, da ich gegen 10 Uhr von einer Sirene, oder irgend etwas in der Art geweckt wurde. Da ich erst gegen 1Uhr ins Bett gegangen war, konnte für mich nicht die Rede von "ausschlafen" sein, das beginnt bei mir erst ab 12Std. und aufwärts. Also frühstückte ich in aller Ruhe meine Nahrungsmitelreserven, welche ich am Vortag gekauft hatte, und ging dann los in Richtung Innenstadt. Ich hatte auch heute keine große Lust mir etwas anzuschauen. Vor dem Mc Donalds, welcher sich bei der nächsten Kreuzung befand, blieb ich stehen und bemerkte, dass das Logo ein gelbes "M" auf braunen Untergrund war und nicht wie üblich auf roten. Ich hatte schon davon gehört, die Begründung dafür ist äußerst interessant: Die japanische Regierung vertritt die Ansicht, dass das knallige Rot des Logos das ästhetische Gesamtbild Kyotos empfindlich stören würde. Die traditionelle Farbe für Kyoto ist Holzbraun. Da die japanische Regierung in solchen Sachen keine Ausnahme macht, musste auch ein internalionales Megaunternehmen wie Mc Donalds nachgeben und das Rot des Logos in Braun umändern. Interssant, oder?

Von dieser Kuriosität machte ich natürlich sofort ein Foto und weiter ging es in Richtung Innenstadt. Ich gelangte wieder einmal in meine lieblings Einkaufstraße, in welcher ich ein "Depato" besuchte, einen jap. Department-Store, oder einfach: Ein großes Kaufhaus. Meine Freundin hatte zu mir gemeint, so etwas solle man einmal gesehen haben, also nichts wie rein. Als erstes ging ich in das Kellergeschoss, wo, ebenso wie bei uns, Lebensmittel verkauft wurden. Jedoch war die Lebensmittelabteilung wesentlich größer und wirklich erstklassig mit Personal besetzt. Es gab einen Infoschalter, an dem gleich zwei freundliche Damen standen und ihre Hilfe anboten, oder, wenn gerade keiner hilfe brauchte, fröhlich lächelten und jeden an ihnen vorrübergehenden Kunden mit einer perfekt ausgeführten Verbeugung begrüßten oder einfach nur in die leere lächelten, wenn auch kein Mensch weit und breit da war. Das nenne ich mal eine Arbeitseinstellung! In der Lebensmittelabteilung gab es viele verschiedene Stände, somit erinnerte diese eher an einen Markt. An jeden Stand standen mindesten zwei Angestellte, die alle lächelten, einen grüßten, oder sich für etwas entschuldigten, dass nie geschehen war, halt überfreundlich. Dazu fällt mir ein Spruch einer Japanerin ein, die ich später in Osaka traf. Sie sagte: "Bei uns ist der Kunde Gott!". Gott! Nicht König, sondern Gott! Da sie über sehr gute Englischkenntnisse verfügte denke ich auch nicht, dass ihr einfach nicht ein weniger übertriebenes Wort eingefallen ist, sondern vielmehr, dass es tatsächlich so ist! Besonders interessant: Sie hatte selber mehrere Jahre in einem Depato gearbeitet. In der Lebensmittelabteilung wurde so ziemlich alles verkauft, was man in der traditionellen jap. Küche so braucht. Im 1. Stock war dann, ebenfalls wie bei uns, die Modeabteilung für Frauen. Diese beschränkte sich jedoch nicht nur auf eine Etage, sondern erstreckte sich über den 1.-4. Stock, kein Wunder, dass meine Freundin die Kaufhäuser so toll fand. Da ich selber nicht drauf stehe mich mit Frauenklamotten zu kleiden, übersprang ich diese Etagen. Im 5. und der Hälfte des 6. Stockwerkes befanden sich dann die Männermoden, jene identischen Anzüge und Krawatten, die ich so verabscheuungwürdig finde, da sie sich wirklich alle gleichen, tote Farben, selber Schnitt, in Europa laufen wir im Vergleich dazu wie Papageien herum! Also übersprang ich auch diese Etagen und gelangte nun in die Spielzeugabteilung, welche schon eher mein Fall war, so traurig das auch ist... Dort schlenderte ich an Unmengen von Spielzeug vorbei, sehr interessant! Die Spielwaren teilten sich die 6. Etage mit den Ausläufern der Herrenmode. Im 7. Stock fand ich dann eine Restaurantmeile, in der viele verschiedene Restaurants mit japanischen und internationalen Speisen lockten. Leider war das Essen dort viel zu teuer, zumindest für mich... Dann bewegte man sich über zwei leere Mini-Etagen zum Dach. Dort erwartete einen ein kleiner Vergnügungspark, mit Karusellen. Lokomotiven und den ganzen anderen Zeug. Direkt daran schloss sich dann die Spielhölle an, die ich mir anschaute, in welcher ich aber ausnahmsweise nicht spielte, gab auch nichts so interessantes.
Zudem fand man auf dem Dach ein Gartencenter! Dort konnte man so ziemlich alles vom Stiefmütterchen bis zur jap. Ziertanne kaufen, wahnsinn! In dem Gartencenter war ein kleiner Park angelegt, mit ein paar Sitzgelegenheiten, einen englischen Zierrasen und natürlich Getränkeautomaten. Nun dachte ich mir, wenn ich schon mal in solch einen gigantischen Kaufhaus bin, sollte ich auch die Aussicht geniessen. Dies war jedoch nicht möglich, da alle anderen Kaufhäuser ebenso hoch oder gar höher waren... Somit ist das was ich als riesig empfunden habe in Japan normaler Alltag... Da es nun schon später Nachmittag war, beschloss ich zurück ins Hotel zu gehen, zumal ich eh nicht wusste, was ich nun noch machen sollte... Auf dem Rückweg zum Hotel lief ich dann an einem Gebäude vorbei, vor dem ich am Tag zuvor einige sog. "Cosplayer" gesehen hatte. Cosplayer sind Personen die sich als Comic-, oder in diesem Fall besser gesagt als Mangafiguren verkleiden und ihre Kostüme dann auf irgendwelchen Veranstaltungen präsentieren. Also blieb ich an diesen Gebäude stehen und schaute, ob ich wieder einmal ein paar von diesen lustigen Gestalten zu sehen bekomme. Aber an diesen Tag waren weit und breit keine zu sehen... Da ich ja noch ein wenig Zeit hatte wollte ich mich in den Garten dieses Gebäudes legen und entspannen (obwohl ich mich eigentlich gar nicht angestrengt hatte...). Als ich eintrat, bemerkte ich, dass ich im "International Manga Museum Kyoto" war. Super, da wusste ich sofort, was ich den Rest des Tages machen würde, nämlich Mangas lesen! (Kleine Info: Mangas sind jap. Comics) Also ging ich zu einen der in Japan üblichen Ticketautomaten und zog mir für 500Yen eine Eintrittskarte, zeigte sie einer Dame vor und war dann im Museum. Natürlich bekam ich am Eingang eine Übersichtskarte über das Museum, Stilecht im Manga-Style. Es gab in diesen Museum eine sog. "Wall of Manga" in der tausende von Mangas aufgereiht waren, in allen möglichen Sprachen. Natürlich durfte man diese lesen, wenn man den Eintritt gezahlt hatte. Ich wollte aber zuerst das Gebäude erkunden. Ich wanderte durch die Flure und die einzigen zwei Dinge die ich dort fand, war die Kinder-Manga-Ecke im 1.Stock und die Hauptausstellung im 2.Stock. Da mich die Kinderecke nicht sonderlich reizte, ging ich gleich in die Hauptausstellung, diese war jedoch ein Flopp! Es ging um die Entwicklung der Comic-Kunst in China und Südkorea. Eigentlich ganz interessant, aber dort waren zu wenig Exponate und zu wenige englischsprachige Tafeln. Somit habe ich von den wenigen Exponaten nur die hälfte begriffen, schade! Aber ich hatte ja noch die "Wall of Manga", mit der ich mich Tage hätte beschäftigen können. Ich hatte aber nur ein paar Stunden. Ich schnappte mir sofort den Band 21. von "Naruto" in deutsch, danach den ersten Band von "Spiderman" in englisch und zu guter letzt einen Band von "Inu Yasha" in Deutsch, glaube ich, kann auch englisch gewesen sein, ich habe eh alle Sprachen wild durcheinander gebraucht... Als ich dann den letzten Band fertig gelesen hatte, schaute ich auf meine Uhr und musste feststellen, dass es schon 19.30Uhr war, an sich kein Problem, doch ich war nur im T-Shirt unterwegs und die Sonne war schon seit einer Stunde untergegangen... Also machte ich mich auf in Richtung Hotel. Auf den Weg dorthin habe ich sehr gefroren, ich hasse Kälte! Im Hotel angekommen zog ich mir meinen Pulli an, packte meine Sachen und ging an den PC in der Empfangshalle und schrieb weiter an meinen Berichten.
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Bearbeitet Fri, 18 Sep 2009 21:45:45 GMT
Tag 25:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Am nächsten Tag wachte ich auf und war saumüde, zudem war ich erkältet, hatte mich am Abend zuvor ganz eindeutig verkühlt. Meine Nase lief und ich hatte Husten, die unappetitlichen Details lasse ich jetzt mal weg. Ich hatte jedoch keine Wahl, ich musste auf jeden Fall nach Osaka. Also schlüpfte ich in meine Radlerkleidung, schnappte mir mein Gepäck und begab mich in die Lobby. Ich gab den Schlüssel ab, beglich meine Rechnungen und setzte mich noch einmal an den PC, um den genauen Aufenthaltsort der Jugendherberge in Osaka zu finden. Von miener Freundin hatte ich die Information erhalten, dass Osaka eine sehr unübersichtliche Stadt sein soll. Da ich keine Lust auf suchen hatte, plante ich meine Route sehr genau, wenn ich eines auf dieser Reise gelernt hattte, dann, dass sich exakte Routenplanung mehr als lohnt. Die Zeit die man dafür braucht spart man am Ende um ein vielfaches. Nachdem ich die Route nun wirklich absolut durchgeplant hatte, ging es los. Laut Routenplaner sollte sich die Jugendherberge in einen Sportstadion befinden, das konnte ich nicht glauben. "Das kann ja heiter werden", dachte ich mir, "wenn schon der Ort an den sich die Herberge befinden soll nicht richtig angezeigt wird...". Nun bestückte ich mein Fahrrad, inzwichen ging mir das locker von der Hand. Ich sattelte auf und kämpfte mich durch den stellenweise wirklich sehr dichten Verkehr Kyotos. Aber da ich in Frankfurt aufgewachsen war und auch hier das Fahrradfahren gelernt hatte, war das für mich nicht weiter schlimm. So manchen könnte ein LKW, der dicht an der Lenkerstange vorbeirauscht, eine Schweißperle auf die Stirn zaubern, mir war das aber echt egal, jedoch überraschte es mich doch, was für einen Sog so ein LKW produziert, wenn er an einem vorbeifährt... In Kyoto passierte ich nun die Unterführung, die unter den Gleisen der "JR Kyoto Station" entlangführte, mein erster Wegpunkt, soweit so gut. Auch weiter gelang mir mein Weg und so schaffte ich es, Kyoto zu verlassen, ohne mich auch nur einmal zu verfahren! Unglaublich! Nun folgte ich der Landstrasse 171, bis ich auf die 170 abbiegen konnte, auch dieses Stück gelang mir ohne Zwichenfälle. Nun wurde es aber echt interessant. Ich sollte der 170 folgen und dann auf die 165 abbiegen, doch bevor ich die 165 erreichte, musste ich die 170 verlassen, da sie über eine Brücke führte und die japanischen Städteplaner wohl vergessen hatten, einen Radweg mit einzuplanen... So kam es, dass am Anfang der Brücke ein Verbotsschild stand, das Fußgängern (verständlich), Fahrradfahrern (ohne Radweg auch verständlich) und Rikschas (wer kommt auf so eine absurde Idee, eine Brücke mit einer Rikscha zu befahren?!)verbot, die Brücke zu befahren/ zu begehen... Interessant, eben typisch Japan! Aber dieses Problem war mir während meiner Reise schon einmal begegnet und so dachte ich, naiv wie ich war, ich könnte auch in diesen Fall einfach so lange unter der Brücke entlangfahren, bis ich zum anderen Ende der Brücke kam. Jedoch hatte ich vergessen, dass ich mich in den zweitgrößten Ballungsgebiet Japans befand..! Hier gab es das Problem, dass wirklich jeder Flecken Erde, also auch der unter einer Brücke, bebaut, eingezäunt oder sonstwie verplant war. Also fuhr ich nach links, einer Straße nach, die Brücke ging jedoch weiter geradeaus. Also war ich wohl falsch, oder?! Aber es war der einzige Weg den ich finden konnte, "Na ja", dachte ich mir, "irgendwann wird die schon wieder auf die 165 führen, oder zumindest auf die 170..!" Da ich mir aber unsicher war, schaute ich auf meine Roadmap, die in Japan den lustigen Namen "Mapple" trug (auf der Vorderseite war ein Apfel zu sehen, also Map+ Apple= Mapple, sehr originell!). Typisch Japan, ich habe mich jedes mal amüsiert, wenn ich diese Karte ausgepackt habe! Diese Karte meinte, dass die Nebenstraße 21 auf die 163 führen musste, also folgte ich der 21, auf der ich mich glücklicherweise befand. Doch die Freude war schnell vorbei! Auf einmal stand ich an einen Bahnhof und die Straße ging einfach nicht mehr weiter. Die Karte am Bahnhof half mir auch nicht weiter, ich verstand tatsächlich nur noch "Bahnhof". Also radelte ich alles wieder zurück, auf der verzweifelten Suche nach einem Verkehrsschild, das mir irgendeinen Hinweis auf meinen Aufenthaltsort liefern sollte. In der Ferne erspähte ich dann ein Schild und radelte glücklich drauf zu. Auf den Schild sah man einen Pfeil der nach links deutete, auf die 170! Ja, ich hatte es geschafft! Ich hatte die verfluchte Brücke umfahren! Ich wusste zwar nicht wie, aber ich hatte es geschafft. Ich fuhr weiter und sah ich eine Sache, die mir sehr bekannt vorkam. Dann eine weitere und noch eine... Verdammt! Ich war diese Strecke schon einmal gefahren! Und schließlich stand ich wieder vor der Brücke, wo ich losgefahren war..! Somit war ich, laut Tacho 4Km zurück und weitere 4Km wieder "zurück" zur Brücke gefahren... Wieder mal 8Km Umweg! Nun hatte ich die Schnauze voll und folgte Stur der Brücke! Ich fuhr gegen die Hauptverkehrsrichtung, Kreuz und quer über Hauptstrassen durch kleine Tunnel und kleine Wege und erreichte so irgendwie die Abfahrt der 170 und konnte dieser weiter folgen. In Japan ist man als Radfahrer manchmal echt der Arsch! Die einzigen die dieses harte Schicksal mit ihnen teilen sind wohl die Rikscha-Fahrer... Es gab keine Schilder, nichts, das auf den richtigen Weg hinwies! Aber egal, es musste weitergehen! Ich kam nun endlich auf die 163, folgte dieser und überschritt dann endlich die Stadtgrenze von Osaka! Durch Osaka kam ich ohne Orientierungsprobleme, jedoch war es echt hart dort zu fahren, da es nich genügend Platz für Räder auf der Straße gab und die Radwege entweder von Fußgängern frequentiert oder einfach mit irgendwas vollgestellt waren. Also kam ich nur im Schneckentempo voran. Nach langer fahrt, auf der ich realisierte, dass es klüger ist, sich einfach nicht aufzuregen, sondern die Dinge einfach so zu akzeptieren wie sie sind, erreichte ich den Park. Im Park fuhr ich dann ganz entspannt etwas schneller, da genügend Platz war, endlich mal! Dann tauchte vor mir ein Auto aus einer Einfahrt auf und versperrte mir den Weg. Ich machte eine Vollbremsung und mein Fahrrad schliderte zur Seite weg, ich sprang ab und hüpfte auf einen Bein weiter, bis ich zum Stillstand kam, ohne hinzufallen! Ich weiß selber nicht, wie ich das genau geschafft hatte. Die Autofahrerin die am Steuer saß(es war tatsächlich eine Frau, nicht nur eine böse Unterstellung von mir) senkte ihren Kopf und starrte auf ihren Lenker, als hätte sie nichts mitbekommen, da sie das Muster ihres Lenkradleders genau in diesem Moment untersuchen musste... Typisch japanisches Verhalten bei Fehlern, hatte ich schon in dem Buch "Darum nerven Japaner" als Beispiel gelesen. Hier das Originalzitat aus dem Buch:"... Ich brauste mit dem Auto auf eine Kreuzung zu, auf der ich Vorfahrt hatte. Aus der Querstraße kam ein Wagen, dessen Fahrerin es offensichtlich eilig hatte und noch schnell in die Straße einbiegen wollte, aus der ich kam. Als sie mich bemerkt hatte, bremste sie nicht etwa ab und ließ mir die Vorfahrt. Nein, sie senkte den Kopf und schaute auf ihre Pedale. So sah sie mich nicht mehr, sah nicht, wohin sie fuhr, aber drängte sich mit voller Geschwindigkeit vor mich in die Straße, so dass ich direkt in sie hineingefahren wäre, hätte ich nicht quietschend abgebremst. Sie blickte mir nicht in die Augen, weil sie durch Augenkontakt zugegeben hätte, daß ihr ihre Aktion bewußt war. So wirkte es , als wäre sie ohnmächtig geworden, und als hätte für die zehn Sekunden des Einbiegevorgangs ein böser Geist die Kontrolle über das Auto übernommen. War diese Frau nicht genial?..." Dieses Buch kann ich nur empfehlen, es enthält so viel wahres, wie ich während meiner Reise festgestellt habe. An dieses Zitat musste ich in diesem Moment denken und musste sogleich lächeln. Ich war gut gelaunt, obwohl ich gerade nur knapp einem Unfall entgangen war. Besonders bitter: Ich war bisher nicht einmal getürzt, aber auf den letzten 100m meiner gesamten Tour passierte das. Aber eigentlich war es ja kein Sturz, zumindest für mich, für mein Fahrrad schon... Aber am Rad war alles heil, also weiter. Am Stadion angekommen musste ich mich erst einmal orientieren.
Ich schaute ich mein Routenheftchen. In diesem Moment kam ein Mann auf mich zu und fragte mich auf Englisch, ob ich die Jugendherberge suchen würde. Ich bejahte. Er deutete nach links und meinte dann "Hundred Meters". Ich bedankte mich und radelte in diese Richtung. Ich sah auch prompt das Schild, das den Eingang der Herberge kennzeichnete. Ich schnappte mein Gepäck, schloss mein Rad ab und betrat das Stadion. Die Herberge war tatsächlich im "Nagai-Stadion", irre! Im 3.Stock... Zum Glück gab es einen Aufzug! Ich fuhr hoch, checkte ein. Alles war sehr ordentlich und neu. Ich zahlte sofort für 11 Nächte mit Frühstück, danach war ich fast pleite... Die Küche konnte ich kostenlos benutzen, das Internet kostete 100Yen(0,75€) für 10 min. ! Sauteuer!!! Das Zimmer hatte 6 Betten, von denen kein einziges belegt war. Zudem gab es einen Balkon. Das Gemeinschaftsbad war sehr schön, weshalb ich auch gleich, nachdem ich mich vorher gereinigt hatte, in das heiße Wasser stieg und entspannte. Ich merkte nun meine Erkältung ein wenig mehr, die Anstrengung war wohl nicht das beste, aber nun hatte ich es ja geschafft. Ich rief danach noch schnell Zuhause an um zu sagen, dass ich gut gelandet war. Das Internet war mir zu teuer. Anschließend erkundete ich die Umgebung. Dort gab es viele Supermärkte, Pachinkohallen, Restaurants und den wunderschönen "Nagai-Park". Jedoch kein Gamecenter, schade... Und was viel schlimmer war: Es gab auch scheinbar kein Internetcafe... Ich beschloss am nächsten Tag in der Touristeninformation nach dem nächstgelegenen Internetcafe zu fragen. Ziemlich fertig legte ich mich dann schlafen.
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Bearbeitet Wed, 23 Sep 2009 22:11:57 GMT
Tag 26:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Am heutigen Tag wollte ich dann erst einmal zur Touristeninfo, da ich keinerlei Kartenmaterial von Osaka hatte, auf den die Sehenswuerdigkeiten der Stadt abgebildet waren. Da der Weg dorthin jedoch ziemlich weit war, benutzte ich hierfuer mein Fahrrad. Die Touristeninfo war an der sog. Tennoji Station. Dort angekommen muste ich erst einmal einen Parkplatz fuer mein Fahrrad finden, in Bahnhoffsnaehe nicht gerade einfach! Es gab viele Staende, an denen man jedoch 150 Yen zahlen musste, aber das sah ich schlicht und einfach nicht ein! Am Ende fand ich dann noch einen legalen und dennoch kostenlosen Platz fuers Rad. In jap. Grosstaedten muss man aufpassen, denn es ist nicht ueberall erlaubt sein Fahrrad anzuschliessen. Wenn man gegen diese Regel verstoesst, wird das Fahrrad „abgeschleppt" und man muss es ausloesen. Das kostet ca. 3000Yen (ca.22,50€).
Nachdem das nun erledigt war, galt es die Touristeninfo zu finden. Diese fand ich auch auf Anhieb und es war auch nur eine Person vor mir, ein aelterer Herr. Locker stellte ich mich an und wartete ca. 20 min. bis ich dran kam! Der Mann fragte alle Sachen dreimal nach, sodass sogar ich am Ende die Antwort wusste, obwohl ich kaum japanisch spreche! Dann war ich endlich an der Reihe und fragte nach einer Stadtkarte von Osaka. Die Dame schaute mich erstaunt an und gab mir dann ein Exemplar, das jedoch unbrauchbar war, da es nur einen kleinen Teil der Stadt zeigte. Ich fragte nach einer anderen, einer fuer Touristen. So eine hatte sie aber nicht und nun teilte sie mir auch mit warum: Dies war die Bahnhofsinfo und nicht die Touristeninfo..! Also hatte ich umsonst so lange angestanden! In der Touristeninfo bekam ich dann meine Karte. Nun nutzte ich diese Gelegenheit noch gleich dazu, zu fragen, ob man sein Fahrrad mit in den Zug nehmen koenne. Dies war weder im Zug der JR(JapanRailway) noch in anderen Zuegen erlaubt... Meine letzte Chance war der Bus. Dort war es erlaubt, jedoch muss ich mein Fahrrad in eine spezielle Fahrradtasche packen. Nur wo sollte ich die herbekommen? Die Dame in der Info zeichnete mir in meinen Stadtplan die Orte ein, an denen ich Fahrradgeschaefte finden konnte, in denen ich nach einer solchen Tasche fragen kann. Ich begab mich zum ersten Fahrradladen. Der Mann in diesem Laden teilte mir mit, dass sie keine Art von Fahrradtaschen im Sortiment haetten. Daraufhin fragte ich ihn, wo ich denn so eine Tasche kaufen koenne. Er antwortete wieder, dass sie solche Taschen nicht verkaufen. Ich wiederholte meine frage in einen deutlicheren Ton. Dann verstand er auf einmal und schickte mich wieder in den Bahnhof, aus dem ich kam. Dort sollte sich im 8.Stock ein Geschaeft befinden, in den ich eine Radtasche bekommen kann. Also wanderte ich zurueck zum Bahnhof und begab mich zum Fahrstuhl, der mich in den 8.Stock befoerdern sollte. Am Aufzug angekommen, stellte ich mich vor die Tür und drueckte den Knopf zum Fahrstuhl rufen. Ich ging hinein und wurde dann von einer Dame gefragt, in welchen Stock ich wolle. Ich antwortete, dass ich in den 8. wolle. Sie laechelte und meinte, dass das nicht moeglich sei, da die Geschaefte noch zu haetten. Ich fragte, wann sie denn oeffnen wuerden. Sie meinte um 11Uhr. Ich schaute auf meine Uhr, es war 10.57Uhr... Ich stieg aus dem Aufzug und wartete brav die 3min. und stieg dann wieder in den Aufzug. Die Dame laechelte und fragte in welchen Stock ich wolle... Ich antwortete, dass ich noch immer in den 8.Stock wolle. Im Sportladen angekommen, musste ich erfahren, dass auch dort keine Tasche zu kaufen war. Zuvor bekam ich jedoch noch das gesamte Sortiment an Packtaschen, Regenueberzuegen und alle anderen taschenaehnlichen Gegenstaende gezeigt. Frustriert ging ich in ein Internetcafe, um meiner Wut mit tippen Luft zu verschaffen. Das Internet kostete ca. 3€ pro Stunde, teure Sache, der Fahrradparkplatz noch mal ca. 1€... Da das Internetcafe zudem noch weit weg von der Jugendherberge war, beschloss ich von nun an nicht mehr jeden Tag zu schreiben, das ist mir einfach zu teuer und umstaendlich gewesen. Auf dem Rueckweg zur Herberge kam ich an den letzten Fahrradladen vorbei, der mir in meine Karte eingezeichnet worden war. Dort fand ich tatsaechlich eine Huelle fuer mein Rad, zwar fuer 3900Yen (ca.30€) aber das war mir jetzt egal. Ich wollte sie gleich mal ausprobieren. Dies wurde mir aber vom Verkaeufer verwaehrt. Dann ging in einen 100Yen- Shop, die wirklich alles verkaufen, was man im Alltag brauchen kann. Ich kaufte Noppenfolie, Klebeband und Pappe. Im Anschluss suchte ich dann nach einem Gamecenter, da ich auf akuten Trommelentzug war. Ich fand auch tatsaechlich eins, nur leider waren die Sticks total abgewetzt... Ich versuchte es trotzdem, aber die Basedrum war auch defekt, also hoerte ich auf. Auf dem Nachhauseweg fand ich dann noch einen Super!Markt (im wahrsten Sinne des Wortes!), in dem ich mir Zutaten fuer Reisbaellchen kaufte (Lachs, Wasabi, Reis). In der Herberge bereitete ich diese dann zu, genug fuer 2Tage. Der Reis der ueber war, wurde zusammen mit Spaghetti und Tomatensauce zu meinem Abendessen.
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Bearbeitet Wed, 23 Sep 2009 22:23:03 GMT
Tag 27:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Heute wollte ich mir die Attraktionen von Osaka anschauen, als erstes hatte ich mir das Meerwasser-Aquarium ausgesucht, welches das groesste Meerwasserbecken der Welt hat. Da ich noch immer ziemlich krank war, beschloss ich die U-Bahn zu nehmen. Ich legte meinen Mundschutz an, was in Japan ueblich ist, wenn man sich erkaeltet aus dem Haus begibt, und ging in Richtung Ausgang. An der Rezeption fragte mich ein Herbergenmitarbeiter, wo ich hingehe. Ich antwortete, dass ich ins Osaka-Aquarium wolle. Als er das hoerte, machte er mich auf eine Combikarte aufmerksam, mit welcher ich den ganzen Tag U-Bahn fahren kann und noch den Eintritt inklusive habe, natuerlich billiger als die Sachen sonst kosten wuerden. Dankend nahm ich an und machte mich auf den Weg. So bezahlte ich nur 2400Yen, normalerweise haette ich 2000Yen Eintritt+ 360Yen pro Bahnfahrt zahlen muessen. Am Aquarium angekommen erwartete mich ein kitschig buntes Gebaeude, welches auf mich nicht sonderlich ansprechend wirkte.
Im Inneren gab es einen Rundgang durch die verschiedenen Oekosysteme des sog. „Feuerrings", der sich entlang der Pazifikkuesten erstreckt. Die Tiere die zu sehen waren, waren nicht allzu besonders, die meisten kannte ich schon aus dem Frankfurter Zoo, jedoch waren die Informationstafeln, welche gluecklicherweise zweisprachig waren(Japanisch/Englisch), umso interessanter. Ich war der einzige, der sich alle Tafeln durchgelesen hat, die Japaner haben lieber Fotos geschossen und sich aufregende Tiere angeschaut.
Alles in allem war das Aquarium fuer das was geboten wurde zu teuer. Da ich eine Tageskarte erworben hatte, beschloss ich, mir noch ein paar andere Sehenswuerdigkeiten anzuschauen. Als naechstes stand der „Osaka-Tower" auf dem Programm, laut Touristenfuehrer das Wahrzeichen Osakas. Am Tower angekommen erwartete mich ein haessliches Beton-Stahl-Etwas.
Um nach Oben zu fahren und den Ausblick zu geniessen, musste man 600Yen zahlen. Das war es mir jedoch Wert und so ging es hoch hinaus fuer mich, unglaubliche 91Meter... Oben angekommen erwarteten mich haufenweise Verkausstaende, Automaten und Heerscharen von Touristen. Ich schoss ein paar Fotos, schaute mir den Gluecksbringer an, den alle Japaner in diesem Turm mind. einmal streichelten und ging wieder.
Anschliessend erkundete ich das Gebiet rund um den Osaka-Tower, sehr viele Touristenfallen und teure Restaurants. Japaner reisen eben um zu Essen, alles andere ist nur Rahmenprogramm. Da ich mich ich sonderlich gut fuehlte, beschloss ich, zurueck zur Herberge zu fahren. Dort angekommen setzte ich mich in den Park und spielte ein wenig Mundharmonika. Anschliessend ass ich zu Abend, die Reisreste vom Vortag, ein wenig matschig, aber immer noch gut im Geschmack! Zum Abschluss spielte ich dann noch einmal Mundharmonika und ging schlafen.
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Bearbeitet Wed, 23 Sep 2009 22:30:02 GMT
Tag 28:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Am naechtsen Morgen erwartete mich dann ein europaeisches Fruehstueck, was leicht jap. gepraegt war. Es war eher spaerlich, schmeckte jedoch wunderbar. Dazu gab es Kaffee so viel man trinken konnte, der sogar gut schmeckte, auch wenn Japan nicht so ein Kaffeetrinker-Land ist. Meine Erkaeltung hatte ich immer noch nicht auskuriert, meine Nase war verstopft und mein Husten war verschleimt. Daher hatte ich absolut keine Lust(und Kraft) etwas zu unternehmen. Also beschloss ich mein Fahrrad Probe zu packen. Das Fahrrad passte auch tatsaechlich in die Tasche, jedoch musste ich den Gepaecktraeger abmontieren, dieser passte aber mit in die Tasche. Das Vorderrad musste auch ab und so wurde die ganze Sache noch enger... Dann konnte ich mich motivieren in den 100Yen-Shop in der Naehe zu gehen. Diese Shops sind in Großstaedten zahlreich und unschlagbar guenstig! Dort kaufte ich mir einen Baseball aus Gummi und zwei Schutzfolien. Am Stadion warf ich den Ball gegen eine Wand, um mich wenigstens ein wenig zu bewegen. Danach wieder Mundharmonika. Als ich so vor mich hinspielte sprach mich ein Mann an. Er wirkte leicht alkoholisiert. Er fragte mich, woher ich kommen wuerde. Ich antwortete, dass ich aus Deutschland kaeme. Auf diese Antwort entwickelte sich ein Gespraech, das insgesamt 1 Stunde dauerte. Der Mann hiess Tadachi und meinte, ich koenne ihn Tadi nennen. Er erzaehlte mir, dass er vor ca.15 Jahren einmal in Europa gewesen sei, 10 Jahre in Italien und kurz in Skandinavien, Deutschland und England. Er sprach noch halbwegs gut Englisch, jedoch war sein italienisch wesentlich besser, nur das verstand ich nicht... Jetzt, so teilte er mir mit, arbeite er in der Industrie, genauer gesagt in der Friteusen-Produktion. Als er auf den Rueckflug von Europa nach Japan war, musste er in Pusan(Suedkorea) insgesamt 3Std. auf seinen Weiterflug nach Japan warten, wie er meinte nur, da er Japaner sei. Das konnte ich ihn sogar glauben, da sich Japaner und Koreaner wirklich sehr schlecht verstehen. Laut ihm moegen Japaner sogar die Chinesen mehr als die Koreaner... Die Wirtschaft in Japan waere seit langem auf Abwaertskurs, er selber sei froh, dass er ueberhaupt noch einen Job hat. Die jungen Leute wandern laut seiner Aussage alle vom Land in die grossen Staedte, vor allem nach Tokyo, da dort die Arbeitschancen am besten sind, wesentlich besser als in Osaka. Zum Abschuss meinte er zu mir, dass er sehr froh ueber das Gespraech mit mir sei, da er nur ca. einmal im Jahr die Chance haette, Englisch zu sprechen. Ich war dankbar fuer die Informationen aus erster Hand. Erstaunlich, wie interessant sich so ein Gespraech doch entwickeln kann, wenn man es nur zulaesst und es nicht abblockt, nur weil die Person einem nicht ganz geheuer ist! Nach dem Gespraech hatte ich erst mal Hunger und kaufte mir etwas im Supermarkt in der Naehe. Danach verbrachte ich den Rest des Tages in der Herberge, das Baseballspielen ist mir nicht bekommen, meine Erkaeltung wurde heftiger.
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Bearbeitet Wed, 23 Sep 2009 22:35:20 GMT
Tag 29:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Als ich Morgens aufwachte, fuehlte ich mich total kaputt! Nicht nur dass ich immer noch krank war, nun schmerzte mir auch noch mein Arm vom Baseball werfen... Jedoch musste ich die Herberge zwischen 10 und 15Uhr verlassen, wie ich vom Herbergenpersonal erfuhr. Nach dem Fruehstueck und zwei Tassen Kaffee fuehlte ich mich auch ein wenig besser. Ich ging in den Nagai-Park, direkt vor der Tuer, den ich inzwischen sehr lieb gewonnen hatte. Dort fand ich ein schoenes kleines Olivenhain, in das ich mich setzte und erst mal weiter eine Runde schlief, waehrend ich Musik hoerte.
Als ich wieder wach wurde war nicht sonderlich viel Zeit vergangen, also beschloss ich, etwas zum essen und trinken zu kaufen. Als ich wieder an meinem Olivenhain war, kam ein Mann auf mich zu, der nach seiner Aussage 70 Jahre war und fragte mich: „From the States?". Ich antwortete: „Iie, doitsu-jin des(u)." (Nein, ich bin Deutscher.). Er war geradezu euphorisch und meinte, er haette deutsch studiert. Es entstand ein langes und aeusserst interessantes Gespraech. Er selber ist koreanischer Abstammung und hat an der hoechst angesehenen Uni in Tokio studiert, was mich wundert, da er ja Koreaner ist... Dort studierte er Griechisch und Latein, bekam aber keine Anstellung an der Uni, wie er es sich erhofft hatte, wie er meinte, weil er Koreaner sei und die japanischen Kollegen ihn nicht wollten. Das sei nur ein Beispiel, er wuerde schon sein ganzes Leben diskriminiert, da seine Familie mit Nord-Korea sympathisiert. Er selber ist aber Japaner, da er in Japan geboren wurde. Er mag Deutschland sehr, da es „ein Land mit grossen Denkern ist, groessere als sonst irgendwo auf der Welt" sei. Er selber konnte einmal deutsch, nun hat er fast alles vergesssen, jedoch konnte er noch hervorragend Englisch, besser als ich... Auf Englisch unterhielten wir uns dann noch ueber Goethe und Nietzsche, bei Nietzsche genauer ueber den sog. „Uebermenschen". Er selber haette dieses Werk auf Deutsch gelesen, ebenso wie Goethes „Faust" (1+2!) und andere wichtige Werke, die selbst ich nicht alle kannte! Jedoch hat er Japan noch nie verlassen, da ihm die Einreise verwehrt wuerde, wenn er dies taete. Sehr tragisch, wenn er sich so fuer Deutschland und andere europaeische Laender interessiert! Jetzt lebt er im koreanischen Viertel, das man in Osaka in der Naehe vom Nagai-Park findet. Zum Abschluss meinte er zu mir, dass er sich sehr gefreut haette mit mir zu reden und er sich noch gerne weiter unterhalten haette, wenn er nicht noch einen Termin haette. Zum Abschluss sagte er mir noch, dass er die Ansicht vertritt, dass Japaner rassistische Menschen seien. Diese Meinung vertrete ich nicht, jedoch habe ich auch einen ganz anderen Zugang zur japanischen „Welt" wie er... Nach dem Gespraech ging ich zurueck in die Jugendherberge und setzte mich vor dem Fernseher. Da kam eine aeltere Dame auf mich zu und bat mir zwei Pflanzenblaetter an. Sie sagte „O-sushi des(u)!" (Das ist Sushi!). Ich nahm dankend an. In den Blaettern fand ich Reis mit Fisch, die Blaetter waren nicht zum Verzehr gedacht. Aus meinem Zimmer holte ich dann eine Postkarte von Frankfurt als Dankeschoen, worueber sie sich sehr freute. Anschliessend schaute ich dann noch eine Sendung ueber die auf Katastrophen geschulte Feuerwehr von Tokyo, die meiner Meinung nach die am besten ausgeruestete ist, die ich je gesehen habe! Diese Sendung war echt fesselnd, wie diese Menschen anderen unter Einsatz ihres Lebens helfen! Wenn man bedenkt, dass manch einer sich zu schade ist, anderen auch nur mal beim Tragen des Kinderwagens einer Mutter an einer Treppe zu helfen, fragt man sich doch echt, was da zu viel verlangt ist! So wenig Zeit, Kraft oder sonst irgendwas kann man doch gar nicht haben und aehnliche Situationen gibt es mehr als genug. Das war, was mir durch den Kopf ging und woran ich mich immer erinnern werde, wenn irgendjemand Hilfe braucht, egal wer er ist und woher er kommt und welchen sozialen Status er hat, das ist mir egal, wir sind im Grunde doch alle schlicht und einfach eines: Menschen! Danach ging ich schlafen, sehr spaet, aber um einige Erkenntnisse reicher!
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Bearbeitet Wed, 23 Sep 2009 22:42:57 GMT
Tag 30:
Ōsaka, Japan,
4/2008
An diesen Tag besichtigte ich „Osaka-jo", in Deutsch: "Die Burg von Osaka". Ich war noch immer krank, weshalb ich die U-Bahn nahm. Das Ticket zu bekommen erwies sich als das erste Problem. In Japan zahlt man keinen Pauschalpreis fuer eine Bahnfahrt wie in Deutschland, sondern man zahlt einen bestimmten Preis, der sich nach der zurueckgelegten Strecke richtet, zumindest war es in Osaka so. Nun galt es die richtige Station in dem Gewirr aus Bahnlinien und jap. Schriftzeichen ausfindig zu machen... Nicht sehr einfach! Aber zum Glueck hatte ich eine mit romanischen Buchstaben beschriftete Bahnkarte aus dem Tourismusbuero bei mir. Nachdem ich nun die Haltestelle gefunden hatte, galt es die Automaten zu bedienen. Das war auch nicht gerade einfach, aber machbar. Ich musste erst auf die englische Sprachfunktion umstellen, dann auf den Betrag, der fuer die bestimmte Haltestelle faellig war druecken und zum Schluss das Geld in eine Schale werfen, aus der es in den Automaten fiel und gezaehlt wurde. Ich bekam mein Ticket und das Wechselgeld. Nun musste ich nur noch die Schranken passieren und die richtige Linie finden, was aber einfach war, da diese mit Farben markiert waren. Nun wartete ich auf den Zug und spielte waehrenddessen mit meinen MP3-Player rum, ein grosser Fehler, wie ich spaeter feststellen musste! Der Zug kam und ich stieg nichts boeses ahnend ein. Als der Zug losfuhr schaute ich mich zufaellig um, neben mir standen zwei Frauen. Nun drehte mich, da standen wieder ein paar Frauen, lustiger Zufall! Dann liess ich meinen Blick schweifen, auch nur Frauen, lustig! Was fuer ein riesen Zufall, dass ich in einem Wagon war, in dem sich nur Frauen befanden! Zufall..? Da daemmerte es mir! Ich hatte gehoert, dass es in Tokyo Wagons gibt, in die nur Frauen duerfen, da es oefters zu Grabschereien in den ueberfuellten Zuegen kam. Panik erfasste mich, konnte es sein, dass ich in solch einen Wagon gelandet war?! Traurige Gewissheit brachte dann ein rosa Schild an der Wand: „Women only!". Wie konnte mir das passieren?! Ich zog mir meinen Hut ins Gesicht, zog meine Haare hinter den Ohren raus und betete. Es dauerte ewig, bis die naechste Station erreicht war, zum Glueck flog ich nicht auf!!! An der naechsten Station stieg ich aus und nahm den Wagon hinter diesem, der zum Glueck kein Frauenwagon war, noch mal haette ich das nicht ueberstanden! Die Japanerinnen hatten mich wohl fuer eine haessliche Europaeerin/Amerikanerin gehalten, lange Haare haben schon Vorteile! Nachdem dieses kleine Abenteuer ueberstanden war, konnte ich das riesige Gelaende der Osaka-jo erkunden. Diese Burg war riesig, ebenso ihre Befestigungsanlagen, welche meiner Meinung nach aber nicht sehr klug angelegt waren. Dies hatte auch einen Grund, wie ich spaeter erfuhr. Die Burg von Osaka war vielmehr eine Machtdemonstration des Shoguns als eine Anlage, die einen Krieg ueberstehen sollte.
In der Burg fuhr man zuerst nach ganz oben, in das sog. „Observatorium". Von dort hatte man einen super Blick ueber die Burganlage und teile Osakas. Dann ging es abwaerts. Auf dem Weg nach unten bekam man die Lebensgeschichte des Erbauers der Burg erzaehlt. Dieser Mann war echt krass drauf! Nachdem er endlich, nach langer Zeit einen leiblichen Sohn gezeugt hatte, liess er seinen Adoptivsohn, seine Frau und seine anderen Maitressen umbringen, um die Macht seines leiblichen Sohnes zu sichern!

Nachdem ich die Burg und das Gelaende besichtigt hatte, begab ich mich in das Buisiness-Viertel von Osaka. Dort schaute ich mich nach Mitbringseln um und ass ein paar Donuts bei „Mister Donut". Anschliessend fuhr ich nach Namba, wo ich mich ueber die Fahrradmitnahme im Bus erkundigte. Die Dame, die mir behilflich war, fragte, wie viel mein Fahrrad denn wiegen wuerde. Ich antwortete: „17 Kilo!". Sie laechelte und meinte anschliessend, dass sie es dann nicht mitnehmen koennten, da nur Raeder bis 15Kilo erlaubt seien... Ich konnte sie auch nicht davon ueberzeugen, dass 2Kilo doch keinen Unterschied machen. Also blieb mir jetzt nur noch die Bahn..! Diese war dann zwar teurer, dafuer gab es keine dummen Vorschriften. Zudem konnte der Zug nicht im Stau stecken bleiben. Also kaufte ich sofort ein Ticket fuer den sog. „Haruka-Express", der direkt von Tennoji-Station, ganz bei mir in der Naehe, abfuhr. Zurueck in der Herberge las ich eine englische Zeitung. Anschliessend traf ich die Dame vom Vortag wieder, die mir diesmal ein super leckeres Kraeuterbaguette schenkte. Hinzu kam eine weitere Frau, im selben Alter und wir unterhielten uns, jedoch nur auf Japanisch... Dementsprechend war auch das Gespraech eher kurz. Zum Abschluss goennte ich mir dann noch ein Bad, welches wunderbar entspannend war.
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Bearbeitet Wed, 23 Sep 2009 22:53:49 GMT
Tag 31:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Auch heute liess ich den Tag wieder locker angehen, zuerst Fruehstueck und dann lesen im Park. Da mir das jedoch nach einer Weile zu langweilig wurde, ging ich zur Tennoji-Station, der Bahnstation, von der aus mein Zug zum Flughafen ging. Dort schaute ich schon einmal nach dem Gleis, auf dem mein Zug gehen wuerde und wann dies sein wuerde. Auf Gleis 15 um 6.37Uhr, brutal! Um auf Nummer sicher zu gehen, ging ich zu der lieb gewonnenen Bahnhofsinfo, wo ich diesmal nicht eine Ewigkeit warten musste. Dort bestaetigte man mir, dass der Zug um 6.37Uhr gehen wuerde, dann konnte ja eigentlich nichts mehr schief gehen! Anschliessend besuchte ich ein Depato, das wirklich gigantisch war, sogar noch groesser als das in Kyoto! Es hatte insgesamt 10 Etagen und da ich Zeit hatte, schaute ich mich ausgiebig um. Auf dem Rueckweg ging ich dann in ein Curry-Lokal, das mich schon am Vortag angelacht hatte. Ich waehlte einen sanften Schaerfegrad, der mir jedoch volkommen reichte. In der Sosse war Thunfisch. Sehr lecker, jedoch ein wenig teurer als die anderen Curry-Lokale. Aber das zahlte ich gerne, zumal der Service erstklassig war. Auf dem restlichen Nachhauseweg probierte ich dann eine Abkuerzung, die ich mir ueberlegt hatte. Ich verlief mich total, so sehr, dass ich keine andere Moeglichkeit fand, wieder zurueck zu finden, als den gesamten Weg wieder so zurueck zu laufen, wie ich ihn gekommen war. Das zog sich! Endlich wieder am Park angekommen kaufte ich erst einmal fuers Abendessen ein: Eier, Scampys(viel guenstiger wie in Deutschland), Cherrytomaten und ein Dessert. Daraus machte ich mir ein Omelett, dazu noch Ketchup, der in Japan immer ueber ein Omelett kommt. Waehrend dem Essen wurde ich dann wieder gefragt, woher ich komme, diesmal von einem jungen Japaner, der gut Englisch konnte. Wie ich von ihm erfuhr, war er 5 Monate in England gewesen, wo ihm aufgefallen sei, dass die Englaender Snops seien. Die Irlaender hingegen seien wesentlich sympathischer. Zudem erfuhr ich von ihm, dass die sog. "Golden Week" dieses Jahr nicht eine Woche ging, sondern dass 2 Tage frei sind, dann 3 Tage gearbeitet wird und dann 2wieder 3 Tage frei ist. Haette ich das mal frueher gewusst, dann haette ich doch noch weiterreisen koennen! Nach diesem Gespraech, das sich ueber 2-3Stunden erstreckte ging ich in mein Zimmer, wo ich bemerkte, dass ich einen Zimmerkameraden bekommen hatte. Dieser war auch ein junger Japaner, welcher jedoch kaum Englisch konnte, was ein laengeres Gespraech unmoeglich machte. Nach dem vorhergegangenen langen Gespraech kam mir das jedoch ganz recht! Anschliessend ging ich schlafen.
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Bearbeitet Mon, 28 Sep 2009 21:33:40 GMT
Tag 32:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Waehrend dem Fruehstueck wurde ich wieder gefragt, woher ich komme. Daraus entwickelte sich ein kleines Gespraech, da mein Gegenueber jedoch so schlecht Englisch konnte, wie ich Japanisch, wurde daraus nichts. Nach dem Essen ging ich in mein Zimmer, wo ich prompt wieder angesprochen wurde. Der neue Gespraechspartner konnte besser Englisch und teilte mir mit, dass er auf dem Weg nach Sapporo ist, eine Stadt auf Hokkaido, im Norden von Japan. Er ist ein grosser Ski-Fan, teilte er mir mit. Sein Traum sei es, einmal in die Schweiz zu reisen um dort Ski zu fahren. Obwohl er 35 Jahre alt war, sah er sehr jung aus, wie Mitte 20, haelt Skifahren so jung?! Werd ich wohl selber nie erfahren... Morgens war ich von ihm geweckt worden, da er den Rollo hochgerollt und im Zimmer telefoniert hatte. Echt nervig, aber sagen kann man ja nichts, vielleicht ist das ja normal so... Oder sie machen es, weil niemand etwas sagt, das naechste mal sage ich etwas!
Anschliessend setzte ich mich in den Park und ueberlegte mir, was ich nun machen wollte. Da nun die Golden Week begonnen hatte, war so ziemlich ganz Japan unterwegs, weshalb Sightseeing nicht in Frage kam. Also beschloss ich, noch einen weiteren Tag zu relaxen, gesund war ich nun schon wieder fast vollstaendig. Ausserdem war ich von diesen schoenen Park absolut fasziniert, er lud zum verweilen ein.
Gestern musste ich mich eines der wenigen Male ueber einen Japaner aergern. Die alte Frau, die mich schon am Tag zuvor angesprochen hatte, redete heute wieder mit mir. Gestern hatte ich nichts verstanden, sie konnte nur japanisch. Heute versuchte sie es wieder mit japanisch, was natuerlich wieder nicht klappte. Aber das regte mich nicht sonderlich auf, viel schlimmer war, dass sie mich anredete, als ich gerade meine E-Mails checkte. Zunaechst einmal haute sie mir zur Begruessung auf die Schulter, es tat nicht weh, aber ich erschreckte mich furchtbar! Das Internet ist sauteuer, 100Yen fuer 10Minuten! Ich hatte nur 200Yen, davon schon 100Yen verbraucht. Sofort fing sie an zu reden. Ich verstand nichts, aber das war mir nicht sonderlich wichtig. Ich meinte zu ihr "E-Mail!" und zeigte auf den PC. Anschliessend tippte ich weiter. Dann bekam ich schon wieder einen Klaps auf die Schulter. Ich drehe mich um und die alte Dame schaute mich boese an. Sofort nach dem boesen Blick fing sie dann wieder an zu reden. Ich wusste nicht mehr weiter! Ich zeigte auf den Zeitzaehler, welcher noch 1 Minute anzeigt und strecke ihr anschliessend meine letzte 100Yen Muenze entgegen. Anschliessend beschloss ich sie zu ignorieren. Sie schnatterte nun noch etwas auf Japanisch, was weiss ich nicht, aber sie verschwand anschliessend. Endlich! Doch der Zeitzaehler zeigt nur Minuten an, weshalb er ablief, bevor ich fertig war, da ich nicht wusste wie viel Zeit mich meine aufdringliche japanische Gespraechspatnerin gekostet hatte und in der letzten Minute keine Sekunden angezeigt wurden. Also musste ich mir an einen Automaten irgendetwas kaufen, was ich nicht wirklich brauchte, und das auch noch mit einem 1000Yen Schein bezahlen! Ich kaufte mir etwas fuer 150Yen, also 850Yen Wechselgeld. Das wurde mir natuerlich nicht in einer 500Yen, drei 100Yen und einer 50Yen Muenze zurueckgegeben, sondern in 100, 50 und 10Yen Muenzen! Zum ausrasten! Jetzt hatte ich nicht nur ein unnoetiges Getraenk, was noch zu verkraften gewesen waere, sondern auch noch einen Haufen Kleingeld, mit dem ich nicht anzufangen wusste (ausser mit den 100Yen Muenzen). Ich vollendete meine E-Mail und schloss den Account. Die letzeten 8 Minuten konnte ich auch nicht mehr nutzen... Wieder verschwendetes Geld! Alles dank dieser netten alten Dame, furchtbar!
Nachdem ich im Park geschlafen, Musik gehoert und gegessen hatte ging ich zurueck in die Herberge, wo ich schon einmal die Sachen einpackte, die ich nicht mehr brauchen wuerde. Zum Abendessen war wieder einmal meine neue neue Lieblings-Suppe angedacht, Udon mit süß eingelegten frittierten Tofu. Beim Abendessen sass mir eine junge Japanerin gegenueber und schaute Fernsehen. Ich ass ein wenig Suppe und dann meinte sie zu mir, ob mich der Fernseher stoeren wuerde. Ich verneinte und fragte sie, ob sie nicht am Vortag auch schon hier gesessen haette. Sie hatte tatsaechlich am Vortag dort gesessen, da war ich mir sicher, ich hatte sie bemerkt als ich mich mit einem Japaner unterhalten hatte (siehe Tag 31). Dies bestaetigte sie mir auch noch einmal. Sie meinte, dass sie gehoert haette, dass ich mich mit meinem (eben erwaehnten) Gespraechspatner ueber das deutsche Schulsystem unterhalten hatte. Sie selber sei sehr begeistert von dem deutschen Waldorfschulen. Das erstaunte mich doch sehr! Aber da ich auch sehr am japanischen Schulsystem interessiert war, versuchte ich meinen Teil zum Gespraech beizutragen. Jedoch bin ich kein besonders grosser Fan von Waldorfschulen, weshalb mein Resumee ihr nicht sonderlich gefallen haben wird. Was sie mir ueber die japanischen Schulen, besonders ueber die Oberstufe erzaehlte, gefiel mir wahrscheinlich ebensowenig. Jede Schule ist darauf bedacht, moeglichst viele ihrer Schueler an die Uni zu schicken, wobei sich jede Schule eine bestimmte Uni aussucht, auf die dann am besten alle Schueler kommen sollen. Da jede Uni verschiedene Testfaecher hat, ist dies fuer die Schulen sinnvoll. Fuer die Schueler eher nicht, da diese nur intensiv in diesen paar Faechern unterrichtet werden. Wenn zum Beispiel die Pruefung in Mathe, Japanisch und Englisch gehalten wird, lernen die Oberstufenschueler in den letzten drei Jahren im wesentlichen nur diese Faecher. Die anderen laufen vernachlaessigt nebenher, oder werden erst gar nicht unterrichtet. Nicht sehr sinnvoll moechte ich meinen. Dementsprechend sieht auch der Stundenplan aus: Drei Faecher und ansonsten nichts. Das deutsche Schulsystem war fuer sie sehr schwer zu verstehen, sie kam mit der Dreigliedrigkeit nicht zurecht. Zudem fand sie es, wie es auch bei uns in der Diskussion ist, unfair gegenueber den schwaecheren Schuelern.
Als naechstes befassten wir uns dann mit der Politik. In Japan ist es, ihrer Aussage nach, nicht ueblich ueber Politik in der Oeffentlichkeit zu reden. Auch in der Familie finden keine politischen Diskussionen statt. Fuer mich nur schwer vorstellbar, da bei mir Zuhause das taegliche Tagesschau-Gucken ebenso selbstverstaendlich ist, wie danach ueber die Inhalte zu reden. Das erstaunte sie wiederum. Das einzige was man zum Thema Politik wissen muesse, waere, wer gerade Prime-Minister ist, welcher Partei er angehoert waere jedoch schon wieder zu viel des Guten. Das hiesse bei uns, dass man zwar Angela Merkel kennt, jedoch nicht weiss, dass sie in der CDU ist, sehr schwer vorstellbar! Demonstrieren ist in Japan absolut unvorstellbar! Ich erwiederte, dass ich aber einen Bericht im japanischen Fernsehen gesehen haette, in dem in Japan, genauer Tokyo, gegen die Olympischen Spiele in China und fuer ein freies Tibet demonstriert wurde. Sie laechelte mich nur an und meinte:" Das waren keine Japaner, das waren Exiltibeter, Japaner demonstrieren nicht!" Da war ich erneut baff!
Als naechstes erfuhr ich einiges ueber sie selber. Sie reist durch ganz Japan. Ihr Ziel ist es, alle 47 Praefekturen zu besuchen, geniale Idee! Um sich diesen Traum zu verwirklichen, hatte sie zuvor zwei Jahre ohne Urlaub so viel gearbeitet wie sie nur konnte. Dann hatte sie das Geld zusammen und ist nun einige Zeit unterwegs. Was ich natuerlich als erstes fragte war, ob sie denn keine Angst haette, dass sie keinen Job mehr findet, wenn sie eine so große Luecke in ihrem Lebenslauf hat. Sie antwortete, dass sie sich da keinerlei Sorgen macht, da es fuer junge Japaner kein Problem ist, jederzeit einen neuen Job zu finden. Waere das in Deutschland doch auch nur so wunderbar! Das brachte mich auch gleich auf das naechste Thema. Mir war aufgefallen, dass es fuer alle moeglichen Sachen angestellte gab, also kein Wunder, dass man leicht einen Job findet. Als ich ihr jedoch von den deutschen Service-Verhaeltnissen erzaehlte und dann auch noch von einer Service-Wueste sprach war sie Fassungslos. Sie konnte das nicht glauben und machte mich auf einen Spruch aus dem Einzelhandel aufmerksam. Dieser lautet: " Der Kunde ist in Japan nicht der Koenig, sondern Gott!" Um ehrlich zu sein, so kam ich mir wirklich vor! Wer einmal wirklich toll einkaufen moechte, dem empfehle ich Japan. Es ist entspannend! So kann man zum Beispiel, wenn man genug Japanisch kann, im Supermarkt Packungen oeffnen lassen, um zu probieren, ob einem das Produkt schmeck. Waehrend man das Produkt verkoestigt, macht ein speziell geschulter Verkaeufer Rezeptvorschlaege. Wenn einem das Produkt nicht schmeckt, sagt man etwas hoeflich abweisendes, wie z.B.: "Ich glaube ich schaue mich noch einmal um" und geht weiter, keiner wird es einem uebel nehmen! Des weiteren gibt es speziell geschulte Begrusser am Ladeneingang, die in speziellen Kursen lernen, wie man sich richtig verbeugt und Wettbewerbe im Einpacken von Geschenken, was in japanischen Kaufhausern immer ein kostenloser Service ist. Als ich meinte, dass man in Deutschland seine Geschenke meist selber einpackt/einpacken muss, meinte sie:"Und was ist wenn man das nicht kann oder nur schlecht kann? Das geht doch nicht, das man ein schlecht verpacktes Geschenk ueberreicht!" Ich antwortete ganz trocken:" Wenn man nicht gut im Geschenke verpacken ist, hat man Pech gehabt und muss es mit einem kleinen Witz auf eigene Kosten beim Ueberreichen glaetten." Das war fuer sie erneut unvorstellbar.
Als sie mich fragte, was ich auf meiner Reise schon alles gemacht haette, meinte ich: Viele Tempel angeschaut, die Natur genossen und nette Leute kennengelernt, das uebliche eben. Sie fragte:"Und was hast du so gegessen?" "Gegessen...ja gegessen hatte ich schon so manches." Sie meinte nur:" Was hast du da und da gegessen, und da, und da..." Ich meinte, ueberall mehr oder weniger das selbe..." Da fiel es mir wieder ein: Ich hatte schon einmal gehoert, dass Japaner reisen, um zu essen und nicht wie wir Deutschen um andere Kulturen zu sehen. Als ich ihr das sagte, dachte sie erst, ich wolle sie verarschen, als sie dann merkte, dass ich es ernst meinte, schuettelte sie den Kopf und meinte, dass sie das nicht verstehen koenne.
Nach einigen Stunden Gespraech fanden wir am Schluss dann doch noch etwas, was in Deutschland besser ist als in Japan. Die Bio-Produkte sind zahlreicher und billiger. Als ich ihr von Bio-Kaese und Bio-Milch erzaehlte, war sie begeistert. Sie ist eine Kaese-Liebhaberin, teilte sie mir mit. Als ich ihr dann den Preis dieser Produkte nannte war sie erstaunt. Wenn man bedenkt, dass ein kleiner Kaese in Japan umgerechnet 3€ kostet und ein deutscher Bio-Kaese nicht einmal die Haelfte in der selben Groesse, kann man ihre Reaktion verstehen. Ich fand es jedoch erstaunlich, dass Fisch in Japan so viel billiger ist als in Deutschland. So hat halt jeder seins...
Unser ewig langes Gespraech wurde jaeh beendet, als sie zufaellig auf die Uhr schaute und bemerkte, wie spaet es schon war. Sie meinte, dass sie noch ein Bad nehmen wolle, bevor dieses geschlossen werde und ging. Ich selber ging sofort schlafen. Am naechsten morgen sah ich sie dann nicht mehr, anscheinend war sie schon morgens abgereist, wieder hatte ich die Gelegenheit verpasst mit jemandem die E-Mail Adresse auszutauschen... Sehr aergerlich, da sie ein wirklich sehr interessante Gespraechspartnerin gewesen war!
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Bearbeitet Mon, 28 Sep 2009 21:53:10 GMT
Tag 33:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Heute bin ich in das Elektronik-/ Maennerviertel Osakas gefahren. Ich nahm dafuer mal das Fahrrad. Da ich wieder gesund war, war das kein Problem. Obwohl, ganz so einfach war es nicht, es war furchtbar schwuel, somit wurde es mir jedoch ein wenig erschwert. Als ich im Viertel angekommen war, lief ich ueber den oertlichen Markt. Dieser hat zwar gestunken, sah jedoch aeusserst appetitanregend aus. Auf den Weg verlief ich mich ein wenig, jedoch hatte das den Vorteil, dass ich ein Internetcafe fand, in dem ich meine E-Mails checken und meinen Blog aktualisieren konnte. Besonderer Vorteil: Das Internetcafe war fuer Osaka sehr guenstig. Anschliessend suchte ich wieder nach dem Weg, den ich eigentlich von Anfang an hatte nehmen wollen. Nach kurzer Zeit des Suchens fand ich ihn dann auch. Das Viertel war nicht abwechslungsreich, jedoch gab es so typisch japanische Laeden, die Manga-Merchandise und Mangas in Massen anboten. Ich hielt mich lange in einem dieser Laeden auf. Was mir dabei auffiel: Alles war unverschaemt teuer! Die Versuchung war gross etwas zu kaufen, der Geiz jedoch groesser, so dass ich mir nichts kaufte, auch auf die Gefahr hin, dass ich es nach meiner Heimreise bereue. Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Figuren wirklich erstaunlich gut gearbeitet waren, sehr detailliert und sehr liebevoll bemalt. Daher kam wahrscheinlich der hohe Preis... Auf dem Rueckweg schaute ich dann, wie inzwischen jeden Tag, im Supermarkt vorbei. Heute wollte ich mir gebratene Nudeln mit Muscheln und Ei machen. Als Nachtisch sollte es Mango geben. So gesund wie waehrend meiner Reise habe ich noch nie gegessen... Aber gesundes Essen ist in Japan halt das guenstigste Essen. Am Abend sass ich ungewohnterweise mal wieder alleine da, die Frau von Vorabend war wohl schon abgereist, auch wenn sie gemeint hatte, dass sie erst in fuenf Tagen abreist. Vielleicht hatte ich sie falsch verstanden, oder sie konnte mich einfach nicht leiden und ist gefluechtet. Aber die Ruhe tat auch mal gut, in den letzten Tagen hatte ich ja mehr als genug Konversation betrieben. Abends traf ich dann in meinem Zimmer auf einen neuen Zimmerkameraden, mit dem ich mich, wie sollte es anders sein, mal wieder unterhielt. Dieser hiess Goro, was, wie er mir erklaerte, ein sehr alter japanischer Name sei. Da er aussergewoehnlich gut Englisch sprechen konnte, fragte ich ihn, wie das kommt. Er antwortete mir, dass er 1 Jahr in den USA gewesen war. Nun arbeitet er bei einer Werbefirma, wofuer er Englisch ja taeglich braucht. Er kommt aus Tokyo und ist mit dem Bus nach Osaka gefahren um das Grab seiner Großmutter zu besuchen. An diesem Tag war ihr 3.Todestag. In Japan ist Ahnenverehrung sehr wichtig. Allgemein werden in Japan aeltere Menschen mehr geachtet,, als es in Europa der Fall ist. Dort gellten sie als weise, Hueter der traditionen und Respektpersonen. Hier werden sie eher als Ballast angesehen und das "Alt-werden" allgemein als Sackgasse. Natuerlich kann man das nicht pauschalisieren, jedoch scheint mir persoenlich dies die Situation zu sein. Auch in den Medien wird dies des oefteren eroertert. Zurueck zu Goro: Wie gesagt war er mit dem Bus angereist und wie er meinte, war das eine Tortur. Jedoch auch wesentlich guenstiger als z.B. der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Er konnte waehrend der gesamten Fahrt nicht schlafen. Wenn ich mir nur vorstelle, mehrere Stunden lang in einem Bus entlang der sich durch die Landschaft windenden Strassen Japans zu kurven, dann wird mir sofort schlecht! Darum lobe ich mir das Fahrrad, das ist zu langsam, als dass mir schlecht werden kann. Ausserdem ist es gesuender und besser fuer die Umwelt! Da er in der Nacht zuvor kaum geschlafen hatte, wollte er jetzt aber schlafen gehen, was mir ganz recht kam, da ich auch schlafen wollte.
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Bearbeitet Mon, 28 Sep 2009 22:00:26 GMT
Tag 34:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Am heutigen Morgen passierte etwas absolut Aussergewoehnliches: Ich wachte zum ersten Mal vor meinen japanischen Zimmerkameraden auf! Ich trottete zum Fruehstueck und setzte mich danach ins Foyer und las eine englischsprachige Zeitung. Es war richtig angenehm mal wieder die vertrauten lateinischen Buchstaben in zusammenhaengender Textform zu lesen. Dies war eine der Sachen, die ich vor meinem Reiseantritt niemals fuer moeglich gehalten haette. Ich las die gesamte Zeitung, jeden Artikel und genoss es in vollen Zuegen. Waehrend des Lesens kam mein Zimmerkamerad vom Vorabend zu mir und unterhielt sich wieder mit mir. Er wollte zurueck nach Tokyo fahren. Bevor er ging, drueckte ich ihn noch eine meiner Visitenkarten in die Hand. Die Erste, die ich waehrend meiner ganzen Reise bis dahin losgeworden war. Die ganze Zeit davor hatte ich es immer vergessen... Anschliessend wollte ich das "Museum of Natural History" besuchen. Dieses befand sich im Nagai-Park, also praktisch direkt vor der Tuer. Jedoch war es aeusserst schwierig, sich Zugang zu diesen Gebaeude zu verschaffen, da man erst durch ein anderes Gebaeude musste, dann ein Stueck durch den botanischen Garten und anschliessend in ein anderes Gebaeude. Als ich das endlich verstanden hatte stand dem Erlebnis Museum nichts mehr im Wege.
Das Museum war interessant, leider waren nur die Ueberschriften der Informationstafeln auch auf Englisch, die Texte nur auf Japanisch. Die Ausstellung war folgendermassen aufgebaut: Zuerst bekam man einen Ueberblick ueber die Flora und Fauna von Osaka, dann ueber die Erdgeschichte und schliesslich ueber die Auswirkungen menschlicher Eingriffe in der Natur. Der erste Teil war eher langweilig, die folgenden jedoch sehr aufwaendig und liebevoll gemacht. Am besten war der Teil, der auf Kinder ausgelegt war. Dieser war mit viel Spielzeug und vielen animierten Bildern gestaltet. Die Spielzeuge waren so toll, dass ich auch nicht von ihnen lassen konnte.
Als ich das Museum verliess, machte ich den Umweg durch den botanischen Garten, wo ein Trinkbrunnen stand. Da ich durstig war, ging ich zum Trinkbrunnen und drueckte vorsichtig auf den Knopf, der den Brunnen aktivierte. Sogleich kam mir eine Fontaene entgegengeschossen. Da es mir unmoeglich schien, den Wasserhahn zu benutzen, ohne im gesamten Gesicht nass zu werden, liess ich es sein. Als ich mich vom Brunnen wegbewegte, ging ein Junge auf den Brunnen zu. Er drueckte, ebenso wie ich, auf den Knopf und ebenso wie bei mir, kam ihn eine Wasserfontaene entgegen geschossen. Doch er war nicht bestrebt, so wie ich, es sein zu lassen. Stattdessen hielt er seinen Kopf ueber den Brunnen, natuerlich den Mund ueber die Strahloeffnung und betaetigte den Schalter erneut. Das Wasser kam aus dem Brunnen geschossen und er wurde total nassgespritzt. Ich konnte mir mein Lachen nicht verkneifen und suchte schnell das Weite. Schadenfreude ist eben die schoenste Freude! Nach diesem Erlebnis ging es wieder mal in den Supermarkt, wo ich mir Sushi kaufte, in Japan ein unglaublich billiges Essen. Ausserdem kaufte ich mir japanische Sandwiches. Die Besonderheit, die sie von "normalen" Sandwiches unterscheidet ist, dass bei den japanischen die Kruste immer abgeschnitten wird. Fuer mich absolute Verschwendung, aber trotzdem lecker! Zum essen begab ich mich wieder an meinen Lieblingsplatz, den Olivenhain. Zurueck in der Herberge zog ich mir meine "tabi-ji" an, die ich in Nara gekauft hatte, entleerte meine Hosentaschen und ging in den Park. Dort joggte ich erst ein wenig und sah dann ploetzlich einen Blumenkuebel aus Beton vor mir auftauchen. Ich fragte mich, ob ich es schaffen wuerde, ueber ihn zu springen. Statt lange nachzudenken tat ich es einfach und schaffte es auch. Nun war ich auf den Geschmack gekommen. Ich joggte kreuz und quer durch den Park und sprang ueber jedes Hindernis das ich fand. Ich kletterte auf Baeume, sprang ueber kleine Mauern und Steine und genoss es, wieder voll Leistungsfaehig zu sein. Als ich auf einen Baum sass beobachtete mich ein kleiner Junge. Ich laechelte ihn zu, woraufhin er sich zu seinen Vater umdrehte und ihn etwas erzaehlte. Der Vater drehte sich um und schaute unglaeubig durch die Gegend. Als er mich sah, erschreckte er sich so stark, dass er einen Schritt nach hinten machte, als haette er fast das Gleichgewicht verloren. Ich nehme an, dass sein Sohn ihn gesagt hatte, dass da ein auslaendischer Mann im Baum sitzt, was ihn sein Vater nicht glaubte. Aber um mitzuspielen drehte er sich halt mal um. Als er mich dann, wieder seines Erwartens, im Baum sitzen sah, erschreckte er sich fuerchterlich. Ich hatte meinen Spass daran und Schwang mich sogleich unter den misstrauischen Blick des Vaters an einen Ast vom Baum und joggte los. Nass geschwitzt kam ich wieder in die Jugendherberge und wollte mir ein Bad goennen. Auf dem Weg zum Bad traf ich auf einen anderen meiner Zimmerkameraden. Dieser fragte mich, ob ich schon etwas fuers Abendessen geplant haette. Ich antwortete, dass ich mir Sushi gekauft hatte. Er erwiderte, dass das doch sicher zu wenig sei und fragte, ob ich nicht lieber mit ihm in eine typisch japanische Bar gehen wolle. Ich hatte natuerlich Lust, auch wenn ich leichte Bedenken hatte, dass sein Angebot womoeglich zweideutig gemeint sein koennte. Aber die Neugierde auf echt japanisches Bar-Feeling gewann. Er war so hungrig, dass er sofort los wollte, also nichts mit baden... Ich zog mir schnell ein anderes T-Shirt und eine andere Hose an und dann gingen wir los. Wir fuhren mit der U-Bahn in das Elektronik-Viertel Namba. Nach ein wenig suchen fanden wir eine Bar, die ihn zusagte. Ich hatte eh keine Ahnung... Also nichts wie rein. In der Bar setzten wir uns an einen Zweiertisch und bestellten, zuerst die Getraenke und dann das Essen, wie ueblich. Das Essen war jedoch alles andere als ueblich! Wir bestellten uns Sashimi (rohen Fisch), gebratene Nudeln auf suedkoreanische Art, gegrillte Fische, frittierten Tofu, gekochten Tofu und Yaki-Tori (Huehner-Spiesse). Die Besonderheiten: Zuerst einmal bestellten wir zusammen, daher mussten wir uns die Gerichte auch teilen. Ist auch so gedacht. Zwangsläufig mussten wir dann auch zusammen bezahlen. Des weiteren waren die Nudeln scharf und das Sashimi roh, aber das war mir schon bekannt. Was selbst mir neu war, waren die gegrillten Fische, die komplett mit Kopf, Graeten und Flossen gegessen wurden und dass die Yaki-Tori aus Huehnerfleisch, Huehnerhaut und Huehnerinnereien bestanden. Ich probierte natuerlich alles und es war echt lecker! Anschliessend bestellte ich mir noch Sake. Der war natuerlich auch lecker! Wir unterhielten uns ueber das japanische Berufsleben, Beziehungen, usw. und tauschten unsere E-Mail Adressen aus. Alles in allem war das ein echt toller Abend, super Atmosphaere, super Essen und sehr interessant. Bevor wir das Restaurant verliessen, zahlte er die gemeinsame Rechnung, die wir anschliessend durch zwei teilten. Angeheitert, satt und um einige Erfahrungen reicher, machten wir uns auf den Rueckweg in die Herberge. Waehrend unserer Gespraeche erfuhr ich unter anderem, dass ein japanischer Angestellter in der Regel von 9-21 Uhr arbeitet, wenn er in einer leitenden Position ist sogar unter Umstaenden von 9-1Uhr, 5 Tage die Woche! Somit besteht ihr Leben nur aus Schlaf und Arbeit. Er wolle nicht so leben, meinte er, zumal er die europaeischen Verhaeltnisse kennt, die er wesentlich angenehmer findet. Er hatte einige Zeit in London gearbeitet, was ihn gut gefallen hatte. In London war ihn aufgefallen, dass viele Englaender schon Erfahrungen mit illegalen Drogen hatten. Ich erzaehlte von den Deutschen Verhältnissen, wo Kiffen unter Jugendlichen weit verbreitet ist. Er war erstaunt und versicherte mir, dass er noch nicht einen einzigen Japaner kennen gelernt haette, der Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht hat. Dies erstaunte mich wiederum. Am naechsten Morgen reiste er ab. Am Abend unterhielt ich mich dann noch mit einen neuen Zimmerkameraden aus Schottland, den ich aber aufgrund seines Akzents kaum verstehen konnte. Nach diesem ereignisreichen Tag legte ich mich zufrieden schlafen. Solche Begegnungen hatte ich mir von meiner Reise erhofft!
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Bearbeitet Thu, 17 Dec 2009 12:07:38 GMT
Tag 36:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Um 5.30Uhr morgens klingelte dann wie erwartet mein Wecker. Zu meiner grossen Verwunderung war ich jedoch ueberhaupt nicht muede... Wahrscheinlich war ich zu aufgeregt. Nachts hatte ich etwas unruhig geschlafen, es war sehr warm und ich war durstig, jedoch auch zu faul/muede um aufzustehen. Da ich schon alles vorbereitet hatte, machte ich mich sofort los. Ausser mir war niemand wach, der Besitzer der Herberge hatte extra fuer mich das Tor offen gelassen. Ich stellte meinen schweren Packsack in den Aufzug und liess es so ins Erdgeschoss fahren. Das Fahrrad und meinen Rucksack musste ich die Treppe runter tragen, das war schon schwer, so schwer, dass ich mich fragte, wie ich den Packsack zusaetzlich dazu noch bewaeltigen sollte. Unten angekommen nahm ich meinen Beutel, warf ihn mir ueber die linke Schulter, die Fahrradtasche ueber die rechte und den Rucksack nach vorne vor die Brust, hinten haette er mich zu sehr gestoert. Auf dem Weg zur Bahnstation merkte ich, dass noch einige Rentner unterwegs waren, die emsig Sport trieben. Ein alter Mann joggte an mir vorbei, ein anderer fuhr Inlineskates und eine alte Frau machte Bauchbretter auf einer Parkbank, der Wahnsinn! Dieser Einstellung und ihrem gesunden Essen verdanken die Japaner ihr langes Leben, da bin ich mir sicher! Ich hatte jedoch keine Zeit, sie laenger zu bestaunen, ich musste noch eine Strecke zuruecklegen, die mir mit diesen Gepaeck gar nicht gefiel, da ich nur im Schneckentempo voran kam. Ich musste mehrmals stoppen, da das Gepaeck einfach zu schwer war! Ich schaffte es jedoch rechtzeitig an der Bahnstation anzukommen, hatte mehr als genug Zeit eingeplant, ca. 30min. fuer ca. 400m... Als ich am Gleis stand, taten mir die Schultern ziemlich weh. Kein Wuunder, denn wie ich spaeter ausrechnete, wog mein Packsack 20kg, mein Fahrrad 18kg, mein Rucksack 9kg und ein kleiner Handbeutel nochmal 4kg, darin befand sich die Melone. Also kam ich auf insgesamt 51kg, ich selber wiege gerademal 63kg... Aber die Fahrt war ja noch nicht vorbei, immerhin musste ich noch einmal umsteigen, naemlich an der Tennoji-Station. Auf dem Weg dorthin wurde es voller, was mir unangenehm war, da ich mit meinem Gepaeck sehr viel Platz einnahm, aber was sollte ich machen... An der Tennoji-Station kam ich an Gleis 8 an und musste eine Treppe hoch, dann zu Gleis 15 laufen und anschliessend wieder eine Treppe runter. Ich mobilisierte meine letzten Kraefte um das ganze Zeug die Treppe hoch zu bekommen, oben schleifte ich es einfach ueber den Boden. Man kann sich, glaube ich, gut vorstellen, wie seltsam und verwundert mich die Leute am Bahnhof anschauten. Am Gleis wartete ich auf den sogenannten "Haruka-Express", der mich direkt von dieser Station zum Flughafen bringen sollte. Am Gleis merkte ich, dass ich furchtbar geschwitzt hatte und zog meinen Pulli aus, jetzt war es eh egal, was die anderen noch dachten. Der Zug kam wie immer puenktlich, ich hatte mich schon so daran gewoehnt, dass es einfach selbstverstaendlich wurde. Im Zug landete ich natuerlich im falschen Abteil, aber ich hatte absolut keine Lust, das ganze Gepaeck quer durch den ganzen Zug zu schleppen, zumal ich bezweifle, dass ich durch die engen Gaenge gepasst haette... Also legte ich mein Gepaeck in die Gepaeckaufbewahrung im Eingangsbereich und hockte mich daneben. Auf dem Weg zum Flughafen ass ich dann noch eine Tuete mit japanischen Knabberzeug, das ich waehrend meiner Reise wirklich lieb gewonen hatte, da es mir die noetigen Energieschuebe versetzt hatte, als ich sie benoetigte. Nach ziemlich genau 30 min. erreichte ich dann den Flughafen. Die Ueberfahrt war genial. Der Flughafen von Osaka ist auf einer kuenstlich aufgeschuetteten Insel errichtet worden, somit war diese Insel nur ueber eine einzige Bruecke zu erreichen, uber die nur Zuege und Kraftfahrzeuge fahren durften.
Als ich aus den Zug ausstieg, hatte ich mir zuvor schon den Kopf zerbrochen, wie ich nun den Schalter meiner Fluggesellschaft finden sollte, aber ich hatte vergessen, dass ich in Japan war. Als ich meinen Blick hob, sah ich sofort eine große, uebersichtliche Informationstafel, auf der die Lage aller Fluggeseellschaften vermerkt war. Diese Sachen werde ich echt vermissen! Erleichtert machte ich mich auf den Weg, na ja, fast, haette ich kein Gepaeck dabei gehabt... Ich musste zum Terminal "North". Ich schnappte mir einen der bereitgestellten Gepaeckwagen und machte mich auf den Weg. Doch nach kurzer schneller Fahrt kam ich wieder ins Stocken, ich musste nun ein Stockwerk nach oben. Die Wagen waren auf der Rolltreppe jedoch nicht erlaubt, also alles wieder runter vom Wagen und hoch damit. Zum Glück gab es eine Rolltreppe! Oben angekommen ging es ans einchecken. Hier hatte ich auf Risiko gespielt: Ich hatte meinen Gepaecksack auf genau 20kg abgewogen, das was erlaubt war, hatte dafuer aber einen ziemlich schweren Rucksack und einen Beutel in der Hand... Fuer mein Fahrrad musste ich dann noch 13100Yen zahlen, was ziemlich guenstig war, da der Kurs des Yen gerade im Keller war. Nachdem ich diesen anstrengenden ersten Teil meiner Reise hinter mich gebracht hatte, goennte ich mir noch einen letzten gruenen Tee aus der Flasche. Dann ging es fuer mich durch die Sicherheitskontrolle. Diese war wesentlich lockerer als die in Deutschland, bei mir hatte der Metalldetektor nicht angeschlagen, obwohl ich das selbe an hatte wie beim Abflug in Frankfurt, wo ich gefilzt worden war... Die zwei Handgepaeckstuecke waren wohl auch kein Problem, Glück gehabt! Nun war alles erledigt und ich konnte mich vollstaendig entspannen. Ich wartete auf den Beginn des Boardings und hatte Zeit nachzudenken. Einerseits war ich froh wieder nach Hause zu meiner Familie und meiner Freundin zu kommen, andererseits vermisste ich dieses wunderbare Land schon jetzt... Ich hatte das Gefuehl, doch nicht alle Chancen genutzt und alles erledigt zu haben, was ich mir vorgenommen hatte. Also hakte ich diesen Gedanken vorerst ab, spaeter sollte er mich dann wieder einholen. Inzwischen bin ich mir sicher, dass ich so etwas noch einmal machen muss!
Im Flugzeug hatte ich einen Gangplatz, der Platz neben mir war frei und der Platz daneben war von einer aelteren Dame besetzt, also sehr komfortabel fuer mich! Vor mir sass eine Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern. Die Kinder waren laut, das machte mir aber nichts, Kinder sind halt so und ich denke sie haben auch das Recht so zu sein. Ausserdem hatte ich ja Ohrstoepsel. Die Kinder waren echt niedlich, jedoch haben sie sehr lange und oft geweint, warum weiss ich nicht, ich konnte ihre Sprache nicht gut genug. Zwischenzeitlich war ich mir jedoch nicht mehr ganz sicher, ob einige der Geraeusche die sie von sich gaben nicht doch Lacher waren, die sich wie Weinen anhoerten, moeglich waer es ja... Nun widmete ich mich den Unterhaltungsprogramm, welches jedoch nicht sehr gut war. Also las ich ein Buch, das ich mir im Duty-Free-Shop gekauft hatte. Nach einer Weile kam ein japanischer Film, den ich schauen wollte. Der war echt gut, sehr bewegend! Danach las ich wieder. Wie man leicht erkennen kann, zog sich der Flug, es war langweilig! Ich blaetterte in einer der Zeitschriften, die dort rumlag und sah, dass man sich eine Konsole leihen konnte. Das tat ich natuerlich sofort! Toll, was es heute alles gibt! Dann gab es essen, japanisch, ich war froh, nicht gleich wieder dieses uebliche Flugzeugessen zu bekommen. Nach einer Weile gab es dann das zweite Essen, diesmal italienisch. Das war ungewohnt und so, wie Flugzeugessen eben ist. Dann war ich in Helsinki. Dort wurde mir klar, dass ich nun noch ein zweites mal durch die Sicherheitskontrolle mit meinen zwei Gepaeckstuecken musste. Die Sicherheitskontrolle war diesmal strenger, alles wurde geroengt. Dann wurde ich gebeten, meinen Rucksack zu leeren. Ich dachte, jetzt bekomme ich doch noch etwas abgenommen. Der Sicherheitsbeamte teilte mir aber mit, dass mein Rucksack nur zu dicht gepackt sei und sie ihn deshalb nicht richtig durchleuchten konnten. Der Sicherheitsbeamte schaute etwas verwundert, als er sah, was ich alles in meinem Rucksack hatte, aber ansonsten war alles in Ordnung. Nun hatte ich nur noch ein Problem, ich bekam das Zeug nicht mehr problemlos in den Rucksack... Ich stopfte und drueckte rum und am Ende passte es dann irgendwie. Nun musste ich noch eine Stunde auf meinen Anschlussflug warten. Als ich zum Terminal lief, traf ich auf ein japanisches Ehepaar. Ich hatte aus versehen den Mann angerempelt und schon aus Gewohnheit "sumimasen" gesagt. Daraufhin hatte mich der Mann gefragt, ob ich japanisch sprechen koennte. Ich antwortete den Satz, den ich Japan am meisten gesagt hatte: "Hotondo nihongo o hanasemasen" ( Ich spreche kaum japanisch). Sie erzählten mir, wohin sie wollten, ich konnte es aber nicht ganz verstehen, weshalb ich nachfragte. Sie waren begeistert und erzaehlten weiter. Am Ende verabschiedeten sie sich und der Mann klopfte mir auf die Schulter. Nach dieser Begegnung rief Zuhause an um mitzuteilen, dass mein Flug keine Verspaetung haben wird. Das letzte Stueck war echt anstrengend, ich war total muede, aber konnte nicht schlafen. Also langweilte ich mich noch ein bisschen. In Frankfurt gelandet, ging ich zur Gepaeckausgabe und wartete auf mein Gepaeck. Mein Fahrrad war recht schnell da, der Rest dauerte etwas laenger, aber auch nicht ewig, obwohl es in Japan schneller gegangen war.
Nun war ich wieder in meiner Heimat bei meiner Familie und auch froh darueber, aber jetzt wurde alles wieder wie gewohnt, normal eben. Das war echt angenehm, da ich nun wieder jeden Abend wusste wo ich schlafen wuerde und nicht erst suchen muss, aber das Abenteuer ging auch verloren. Jetzt ist die Frage was einem lieber ist. Ich habe seitdem oft an meine Reise gedacht und mir Gedanken darueber gemacht. Aber sicher weiss ich es noch immer nicht... Aber ich habe ja noch mein ganzes Leben Zeit, das herauszufinden! Und das werde ich!
Ende (bis zur nächsten Reise!)
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Bearbeitet Thu, 17 Dec 2009 14:35:13 GMT
Tag 35:
Ōsaka, Japan,
4/2008
Gleich nach dem Aufstehen verabschiedete ich mich von den Tokyoter, mit dem ich am Tag zuvor unterwegs war. Er wollte gleich frueh morgens losfahren, um zeitig wieder in Tokyo zu sein. Wir tauschten unsere E-Mail Adressen aus um auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. Er meinte, ich solle schreiben, sobald ich wieder in Deutschland bin, das werde ich, habe ich mir fest vorgenommen. Nach dem Fruehstueck machte ich mich auf den Weg, heute wollte ich in das sogenannte “Museum of housing and living”. Da ich am Vorabend die Bahnen der JR (Japan Railway) fuer mich entdeckt hatte, die nochmal besser als die U-Bahn ist, nahm ich sie heute. In Japan ist der Nahverkehr privatisiert und in viele verschiedene Anbieter verteilt. Der groesste ist JR, daneben gibt es einige andere. Ich entschied mich also fuer den “Marktfuehrer”, der guenstiger und vor allem noch sauberer ist. Die Bahnstation von der aus ich losfuhr war fuer mich der Inbegriff der Inkarnation einer perfekten Bahnstation. Der Boden so blank geputzt, dass man sich darin spiegeln konnte(ehrlich!), nirgends Muell, und hinter einer Glasscheibe an den Schranken am Eingang, stand ein Bahnangestellter in perfekt angelegter Uniform. In einer Ecke standen mehrere Fahrkartenautomaten, an denen ich mir meine Karte kaufte. Ich steckte sie in den dafuer vorgesehenen Schlitz in der Passierschranke. Nachdem ich diese passiert hatte schaute mich der Bahnangestellte an, verbeugte sich und sagte:” Domo arigato gozaimasu!”(Vielen herzlichen Dank!). Ich war baff! So etwas hatte ich noch nicht erlebt und haette auch nie gedacht, dass es so etwas gibt! Die Zuege waren dann den Standard der Station entsprechend. Das alles, nur guenstiger als in Deutschland, warum geht das dann hier nicht, obwohl wir mehr zahlen?! Als ich dann mit dem Zug die “Tennoji Station” erreichte, erlebte ich, was Bahnfahren in Japan wirklich bedeutet. Auf einmal stiegen unglaublich viele Menschen in die Bahn und einige warteten noch vor dem Zug. Ich dachte mir:”Die muessen dann wohl auf die naechste Bahn warten...” Falsch gedacht! Ich spuerte einen Ruck und auf einmal standen keine Menschen mehr vor der Bahn, dafuer war es im Zug unglaublich eng geworden. Scheinbar waren die beruechtigten “Schieber” zum Einsatz gekommen, Bahnangestellte, die nur angestellt sind, um die Leute, die vor der Bahn stehen, noch irgendwie in die Bahn zu quetschen. Dadurch hat im Zug wirklich keiner mehr in Platz gehabt. Neben mir stand eine Japanerin, die mir gerade mal bis zur Schulter ging. Diese musste ihren Kopf mit dem Gesicht zur Decke strecken, um Luft zu bekommen. Ich hatte eine(fuer diese Verhaeltnisse) komfortable Position, ich konnte frei atmen, ich zaehlte zu den groessten, war aber nicht der groesste. An der Bahnstation angekommen, musste ich mich erst einmal orientieren. Ich stand vor einem grossen Hochhaus, da konnte das Museum nicht sein. Also lief ich weiter, konnte das Museum aber nicht finden. Am Ende stand ich wieder vor dem Hochhaus. Laut Karte musste es hier sein. Also ging ich hinein, fand aber nichts Museumsartiges, nur den Eingang zu einer Bank. Auf einer Wandtafel fand ich das Museum dann endlich verzeichnet. Es sollte laut dieser Tafel im 8-10 Stock sein. Unglaublich! Ein Museum im Obergeschoss eines Hochhauses, das haette ich mir nie traeumen lassen! Das Museum beherbergte ca. 10 Gebaeude in Originalgroesse und zahlreiche Modelle. Die 10 Gebaeude waren so angeordnet, dass sie ein japanisches Dorf aus der Edo-Zeit nachbildeten. 
Ich streifte durch die engen Gassen und sah die “Ein-Zimmer-Haeuser” der Armen, “normale” der Haendler und das Haus des reichesten Mannes in diesem Dorf, das des Apothekers.
Ich haette nie gedacht, dass der Apotheker der reichste Mann in der Stadt sein koennte, so kann man sich taeuschen... Im Dorf gab es einen regelmaessigen Wechsel von Tag und Nacht. Nachts wurde gefeiert, tagsueber war geschaeftiges Treiben durch entsprechende Geraeusche nachgestellt.
Auf der Strasse lief ein Mann entlang, der den anwesenden Kindern alte japanische Spielsachen naeher brachte. Zu meinem Erstaunen funktionierte das sogar, die Kinder waren fasziniert! Als ich das Dorf fertig besichtigt hatte, begab ich mich in das naechste Stockwerk. Dort war die Staedteentwicklung im Laufe der neuzeitlichen Geschichte (ab Edo-Zeit) anhand von Modellen dargestellt. Sehr interessant!
So wurden auch in Japan nach dem Krieg Plattenbauten errichtet, aus blanker Platznot. Diejenigen, die in einen solchen Gebaeude keinen Platz bekamen, lebten mit ihren Familien in den Wracks ausgebombter Linienbusse, die sie in “Mini-Wohnungen” umbauten.

Dort lebten sie dann, bis sich eine andere Bleibe fand, sehr einfallsreich! Nach diesem Stockwerk war das Museum leider schon zu Ende (das Edo-Dorf beanspruchte zwei Etagen). Auf meinem Rueckweg beschloss ich, anstatt sofort wieder in die U-Bahn zu steigen, noch einen Bummel ueber die in der Naehe befindliche Einkaufspassage zu machen. Dort fand ich ein Schuhgeschaeft, in den ich ein Paar Schuhe als Mitbringsel kaufen wollte. Jedoch funktionierte meine Kreditkarte nicht, warum weiss ich nicht, den Kreditrahmen hatte ich noch nicht gesprengt. Spaeter war ich froh darueber... Denn beim packen meiner Sachen stellte ich fest, dass ich erstens keinen Platz mehr gehabt haette und ich zweitens mein zulaessiges Gewicht von 20Kg auf die 100g genau ausgereizt hatte.
Als ich dann weiter ueber die Einkaufspassage lief, beschloss ich noch ein paar typisch japanische, oder besser typische Osaka-Suessigkeiten zu kaufen. In einen Laden fuer traditionell japanische Lebensmittel hoffte ich fuendig zu werden. Als erstes fragte ich, ob jemand ein wenig Englisch sprechen koenne. Blankes entsetzen war die Antwort. Alle schauten verunsichert um sich, bis eine Frau mutig zu mir meinte, dass sie ein wenig Englisch koenne. Ich fragte sie nach Suessigkeiten, die typisch fuer Osaka sind, prompt empfahl sie mir welche. Diese sahen echt gut aus und ich wollte sie nehmen. Aber auch dieses mal funktionierte die Kreditkarte nicht... Also ging ich zur Bank, um Geld abzuheben, was mit der Kreditkarte auch nicht funktionierte, meine EC-Karte hatte ich nicht dabei... Also ging ich zurueck. Ich teilte ihr mit, dass ich kein Geld abheben konnte und wollte gehen. Jedoch wollte mir die Dame scheinbar vorher noch eine Frage stellen. Sie suchte verzweifelt nach den englischen Worten. Ich versuchte zu erraten, was sie meinte, was mir aber nicht gelang... Sie ueberlegte weiter und meinte:"No, no! Eeh, Flugzeug..." Ich traute meinen Ohren nicht, "Fluzeug"?! Verwundert fragte ich: "Sprechen Sie Deutsch?". Sie schaute mich verdutzt an und sagte: "Gott sei dank! Sie sprechen Deutsch!". Ich war baff! In Japan, wo ich noch kaum einen Japaner getroffen hatte, der gut Englisch sprechen konnte, war es mir gelungen, eine Japanerin zu finden, die Deutsch spricht! Wahnsinn! Sie fragte: "Wollen sie die Suessigkeiten mit in das Flugzeug nehmen?" Ich war total durcheinander! Die Tatsache, dass ich in Osaka mit einer Japanerin Deutsch reden soll verursachte einen Kurzschluss in meinem Sprachzentrum. Ich wollte Japanisch, Englisch und Deutsch gemeinsam gebrauchen. Es schien mir so, als haette mein japanisches Gegenueber in diesem Augenblick besser Deutsch gekonnt als ich. Ich teilte ihr verunsichert mit, dass ich die Suessigkeiten mit ins Flugzeug nehmen wuerde, worauf sie fragte, wann ich zurueckfliegen wolle. Ich antwortete: "Morgen, wieso?" Sie teilte mir mit, dass die Suessigkeiten nicht allzu lange haltbar sind, aber wenn ich morgen fliege, waere das okay. Da ich kein Geld hatte, beschloss ich zu gehen, jedoch meinte sie zu mir, ich solle noch kurz warten. Sie ging hinter die Theke und kam mit einer Tuete in der Hand zurueck. Sie hielt mir die Tuete hin und meinte, dass dies ein Geschenk fuer mich sei. Ich wollte es nicht annehmen, da das immerhin mehr als 8€ kostete, aber sie bestand darauf. Sie meinte, dass sie zuvor 3 Jahre in Wien und 5 Jahre in Rothenburg gelebt hatte und seitdem nicht ein Wort Deutsch gesprochen haette. Sie freue sich so darueber, dass sie mir die Suessigkeiten gerne schenken wuerde. Da sie darauf bestand, nahm ich dankend an, jedoch hatte ich noch lange ein schlechtes Gewissen. Danach fuhr ich dann zurueck nach Nagai. Dort angekommen, beschloss ich eine von diesen japanischen Ziermelonen zu kaufen. Die sind zwar ziemlich teuer, sollen dafuer aber auch sehr gut schmecken. Jedoch war es nicht so leicht sie zu transportieren... Dies fuehrte mich unweigerlich zu der wichtigsten Sache des heutigen Tages, dem Packen... Ich fing mit meinem Fahrrad an. Das war dann doch einfacher als ich dachte, jedoch war ich mir nicht sonderlich sicher, ob der Trageriemen der Tasche bis zum Flughafen halten wuerde. Danach war der Rest des Gepaecks dran, meine zwei Pachtaschen, mein Packbeutel und die Lenkertasche. Alles war voll gestopft bis zum geht nicht mehr! Es ist mir noch immer un begreiflich, wie ich die ganzen Mitbringsel verstauen konnte, da meine Taschen eigentlich schon auf dem Hinweg voll waren... Das Packen hatte ich scheinbar waehrend meiner Reise perfektioniert... Meine ganzen Taschen stopfte ich dann in meinen grossen Schutzsack, welchen ich anschliessend wog. 24Kg, "das wird teuer" dachte ich mir. Da das packen dann doch wesentlich zuegiger ging, als ich gedacht hatte, hatte ich noch freie Zeit. Ich setzte mich vor das Stadion und beobachtete die oertliche Skater-Szene. Zum Abschluss beschloss ich, das eine Ei, das ich noch ueber hatte, zu braten. Die Herbergsleitung musste echt denken, ich sei verrueckt, wahrscheinlich bin ich das auch, aber ich wollte es schlicht und einfach nicht wegwerfen. Da ein einziges Ei ein wenig zu wenig gewesen waere, besschloss ich an diesen Abend noch einmal ins richtig kalte Wasser zu springen, im uebertragenen Sinn natuerlich. Ich wollte in ein traditionelles Sushi-Restaurant gehen, eines, das nur von Einheimischen und nicht von Touristen besucht wird. In der Naehe fand ich dann auch eines. Als ich durch die Tuer eintrat, wurde ich angeschriehen. Ein lautes "Irasshaimase!!!". Ich dachte, ich haette etwas falsch gemacht, aber wie ich jetzt weiss, heisst "Irasshaimasu" so viel wie:"Wilkommen!/ Treten Sie ein!". Die Regel lautet: Je lauter desto mehr freut sich der Gastgeber. Mein Gastgeber musste sich wirklich sehr freuen. Mich beschlichen langsam Zweifel, ob das wirklich so eine gute Idee war. Leicht verunsichert setzte ich mich. Um mich herum sassen nur Japaner, die mich angrinsten. Vor mir lag eine japanische Karte, die ich natuerlich nicht verstand, aber das war egal, den Preis konnte ich lesen und experimentierfreudig bin ich sowieso, hatte ja schon mal geklappt. Aber bevor ich mich blind frei entfalten konnte, wurde mir die "Auslaenderkarte" gereicht. Sehr zuvorkommend... Auf dieser waren viele große, bunte Bilder und die Namen der Gerichte in Romanji. Das erleichterte alles immens, auch wenn ich mir wie ein Kind vorkam, dem man geraden die Kinderkarte gereicht hatte. Aber egal, es machte einfach irre Spass! Der Koch war ein echter Entertainer, die anderen Gaeste waren gut angeheitert. Einer der Gaeste spendierte mir Sake aus einer riesigen Flasche, was ich natuerlich nicht ablehnen konnte und auch nicht wollte! Ich bestellte eine Sushi-Rolle nach der Anderen und genoss jeden Bissen! Das war das beste Sushi, das ich je gegessen hatte und ich hatte gedacht, dass ich vorher schon echt gutes Sushi gegessen hatte. Vor mir an meinen Platz befand sich ein Hahn, aus dem per Knopfdruck heisses Wasser floss. Was nun damit anfangen... Bei einen Sitznachbarn sah ich, dass er heisses Wasser in eine Tasse laufen liess und aus dem hoelzernen Truehchen einen Beutel holte, den er in die Tasse gab. In dem Beutel war wohl Tee Pulver. Ich hatte auch Lust auf Tee, also wollte ich es ihm gleich tun. Ich nahm eine Tasse, hielt sie unter den Hahn und drueckte auf den Knopf. Das heisse Wasser floss raus und spritzte mir auf die Hand. Ich zuckte und verschuettete einen Teil des Wassers auf dem Tisch. Schoen peinlich! Ich tat so, als waere nichts passiert, erkannte aber am Grinsen meines Sitznachbarn, dass er alles gesehen hatte. Egal, ich war gaijin, ich durfte das. Im Zweifelsfall haette ich es auf den Sake geschoben. Als ich dann satt war, war es spaet geworden. Ich musste los, am naechsten Tag musste ich um 5.30Uhr morgens aufstehen... Meine japanischen Gastgeber wollten mich gar nicht gehen lassen und ich wollte nicht gehen! Der Chef meinte, ich solle noch einen Moment warten. Ich wartete. Nach einer Weile hielt er mir eine ganze Rolle Aal-Sushi hin, die Sorte von denen ich die meisten gegessen hatte, meine Lieblingssorte. Ich meinte, dass ich satt sei. Er meinte:"Presento desu!". Das verstand ich, es war ein Geschenk. Ich nahm dankend an, zahlte meine Recchnung und ging. Zum Abschied wurde ich noch einmal richtig laut angebruellt, was sie bruellten weiss ich nicht mehr, ich hatte wohl schon leicht einen im Tee... Gluecklich ging ich zurueck in die Herberge. Dort ass ich noch ein paar Stuecke, aber alle gingen nicht mehr. Also beschloss ich, die restlichen Stuecke dem Leiter der Herberge anzubieten. Dieser war ausserst verwundert, aber das musste er schon gewohnt sein, zumal ich ihn heute schon den Rest des Benzins aus meiner Brennerflasche angeboten hatte. Dieses hatte er abgelehnt. Auch das Sushi wollte er ablehnen, aber ich sah, dass er ein Stueck wollte. Also beharrte ich darauf, dass er eines nimmt. In der Kansai Region, in der ich mich befand, war es ueblich, drei Mal abzulehnen, bevor man zugibt, dass man es doch will. Das ist Etikette, laut meinen Reisefuehrer zumindest. Ich war entschlossen, es drauf ankommen zu lassen. Nach dem dritten Mal meinte er tatsaechlich, dass er es gerne nehmen wuerde, aber nur die Haelfte. Ich bestand darauf, dass er alles nimmt. Nach einer Weile gab er nach. Er meinte, dass er es annimmt, aber die Haelfte wuerde er seiner Kollegin abgeben. Das war mir recht. Zufrieden ueber meine Tat, gut oder nicht bleibt jetzt mal dahingestellt, ging ich schlafen, viel zu spaet, wie ich feststellte... um 22Uhr. Und jetzt "ojazumi nasai!"(Gute Nacht!).
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Bearbeitet Thu, 17 Dec 2009 14:35:13 GMT